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Jazz

26.11.2019

Es swingte von Anfang an beim Ochsenbauer Trio

Michael Keul (von links), Johannes Ochsenbauer und Tizian Jost verstehen sich als Musiker blind.
Bild: Herbert Heim

Seit zehn Jahren spielt der Bassist Johannes Ochsenbauer mit seinem Trio. Zum Jubiläum gab es jetzt es eine Nominierung für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Der Augsburger Kontrabassist Johannes Ochsenbauer blickt mit seinem Jazztrio auf zehn Jahre voller Harmonie und Produktivität zurück. Das können selbst die Beatles nicht von sich behaupten. Das neue, jüngst vom Preis der deutschen Schallplattenkritik für die Kategorie Jazz nominiertes Album „Never Change a Swinging Team“ (Bobtale) lässt die vergangene Dekade noch einmal Revue passieren und hält brandneue Aufnahmen bereit, die das Niveau zeigen, auf dem sich die Band heute bewegt: drei herausragende Instrumentalisten, die man wohl zu jeder noch so unwirklichen Zeit aus dem Schlaf reißen könnte, nur um Augenblicke später ohne mit der Wimper zu zucken mit den Anderen ein tadelloses Konzert auf die Bretter zu legen.

Das Greenhorn spielte von Anfang an mit guten Musikern

Als Ochsenbauer als junger Bassstudent noch leicht grün hinter den Ohren nach München kam, hatten seine späteren Bandkollegen, der Pianist Tizian Jost und der Drummer Michael Keul, schon alle Bühnen des Landes bespielt. „Doch die Münchner Jazzszene ermöglichte es auch einem Greenhorn wie mir, sofort mit guten Leuten zusammenzuspielen“, erinnert sich der Bassist. Mit Tizian Jost teilte er sich das erste Mal die Bühne, als er von seinem damaligen Dozenten und späterem Freund, dem im Jahr 2018 überraschend verstorbenen Paolo Cardoso, für einen Auftritt als sein Ersatzmann ins kalte Wasser gestoßen wurde. Mit dem Pianisten funkte, besser gesagt swingte es von Anfang an.

Überhaupt, Cardoso war eine wichtige, wenn nicht entscheidende Figur in der musikalischen Entwicklung des jungen Jazzers, ein Mentor und Ideengeber, von Johannes Ochsenbauer fast liebevoll als „Anti-Lehrer“ tituliert. Skalen und Schulen waren unwichtig, es gab „viel mehr Spiel- als Übesituationen im Unterricht, und nur durch Spielsituationen, also vor allem live auf der Bühne, lernt man Jazz spielen. Paolo förderte Musiker, wenn sie Musik fühlen und leben“, erinnert sich der Bassist. Und in diesem Sinne war Ochsenbauer sein idealer Schüler. So kann man dann auch leicht zwei alte Hasen wie Michael Keul und Tizian Jost überzeugen, unter seiner Leitung eine Band zu gründen.

Es swingte von Anfang an beim Ochsenbauer Trio

Trios gibt es im Jazz viele, keine andere Besetzung schenkt den beteiligten Instrumenten mehr Raum. Oft führen Pianisten die Band, man denke nur an Oscar Peterson oder Bill Evans. Ein Bassist als Bandleader ist jedoch ungewöhnlich; hört man sich die Auswahl der Aufnahmen der letzten zehn Jahre auf der Bonus-CD des neuen Albums an, kann man sich leicht mal fragen, warum das eigentlich so ist: Die Arrangements lassen den Bass leuchten, ohne die anderen zu überstrahlen.

Auf den ersten beiden Veröffentlichungen des Trios finden sich neben eigenen Stücken ausschließlich Arrangements von Kompositionen großer Bassisten wie Oscar Pettiford oder Charles Mingus, bei denen sich das Instrument präsent im Hintergrund hält, aber trotzdem das machen kann, was sonst den Bläsern vorbehalten ist: Themen spielen und nach Herzenslust solieren. Was nicht heißt, dass Hörner bei Ochsenbauer nicht stattfinden. Kein geringerer als Harry Sokal, legendärer Saxophonist aus Wien und langjähriges Mitglied des Vienna Art Orchestras, spielte die ersten beiden Platten mit ein, später gastierte oft Trompeter John Marshall, der auch schon mal von Dizzy Gillespie angerufen wurde, um einen Tune einzuspielen. Das spricht natürlich für die Szene, in der Erfahrung und Alter schon immer gerne Jugend und Talent unterstützte, es spricht aber vor allem auch für Ochsenbauers Spiel, denn aus reiner Nächstenliebe ist noch keine Koryphäe ins Studio gekommen.

Alle Instrumente zeigen beeindruckende Präsenz

Die neuen Aufnahmen zeigen konzentriert, was diese Band heute ausmacht. Ein stilistisches Feuerwerk von brasilianischen Rhythmen und gut nach vorne gehendem Up-Tempo-Jazz, schmeichelnden Balladen und swingenden Eigenkompositionen, gespielt von sich blind verstehenden Musikern. Und auch wenn der Bass mal nur ganz leise ein Thema spielt oder Marshalls Trompete gedämpft wird, wenn Josts Anschläge weich federn und Keul sein Set fast streichelt – alle Instrumente zeigen eine beeindruckende Präsenz und die Musiker ein meisterhaftes, wie selbstverständlich klingendes Zusammenspiel.

Bei den Beatles war nach zehn Jahren das Feuer erloschen. Dieses Trio wird aber noch lange zu hören sein und sich weiter neu erfinden. Wie nächstes Jahr, wenn Ochsenbauer, im Nebenberuf übrigens Biobauer, den organischen Klang seines neu erfundenen Genres „Biojazz“ auf die Bühne bringen wird.

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