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Augsburg

20.01.2019

Falco-Musical im Kongress am Park: Er war ein Virtuose und Rockidol

Alexander Kerbst spielt Falco, den Superstar aus Österreich, in dem Musical, das jetzt im Kongress am Park zu sehen war.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Ausnahmekünstler Falco ist mit seinen Songs und seinem Leben Thema eines Musicals. Im Kongress am Park lebt sein Mythos auf der Bühne fort.

„Eine unglaubliche Karriere und ein unglaublicher Abgang“, eröffnet Schauspieler Sebastian Achilles alias Manager von Falco das Gastspiel „Falco – Das Musical“ am Freitagabend im Kongress am Park.

Was in den folgenden zweieinhalb Stunden passiert, lässt die Herzen der Musikfans höher schlagen. Das Ensemble überzeugt mit authentischer Musikdarbietung, dynamischer Choreografie und beeindruckendem Bühnenbild und sorgt so für Gänsehautmomente. Nur die Geschichte dahinter lässt ein paar Fragen offen.

Falco-Musical im Kongress am Park: Freizügigkeit auf der Bühne

Alexander Kerbst imitiert im Musical den österreichischen Popstar mit beachtlicher Gewandtheit in Sprache und Gesang. Begleitet wird er von den Musicaldarstellerinnen Stefanie Kock und Nike Tiecke. Acht Tänzerinnen und Tänzer zeigen ihre Choreografien mit großer Kondition, von Wiener Walzer bis zum Robo-Dance ist so gut wie alles dabei.

Dabei geht es auf der Bühne hin und wieder gewagt freizügig zu – dazu gibt es reichlich Lichteffekte, Nebel und originale Ton- und Videosequenzen. Eine Show, die Falcos Musikvideos in nichts nachsteht. Die fünfköpfige Band hat den unverwechselbaren Sound aus Falcos Songs obendrein gut getroffen.

Ein Revoluzzer im Tarnanzug im Falco-Musical in Augsburg

Nun zur Geschichte. Falco, mit bürgerlichem Namen Johann „Hans“ Hölzel, will nie, dass sein Schaffen auf den Austro-Pop reduziert wird. Das Motto des gebürtigen Wieners lautet: „From Austria to the world.“ Er ist ein Revoluzzer im Tarnanzug, eckt oft an und schlägt einige Male über die Stränge.

Kurzum: Ein äußerst sensibler und eitler Weltstar, der vielleicht auch deswegen bei den Fans so beliebt war und es noch posthum ist. Der Österreicher schreibt Musikgeschichte, gilt als erster weißer Rapper und erobert als erster und bis heute einziger deutschsprachiger Künstler die Spitze der US-Charts.

Falco ist hoch gestiegen – vielleicht zu hoch. Als er oben an der Weltspitze ankommt, kann es nur noch bergab gehen. Falco scheint seinen tiefen Fall selbst heraufzubeschwören, die Medien tun das Übrige. Er hat Starallüren und reagiert exzentrisch auf Kritik und Druck. Es menschelt bei ihm gewaltig und ist bis zuletzt auf der Suche nach der großen Liebe, nach jemandem, der ihn versteht und ihm den Druck nehmen kann.

Denn Falco kann der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit irgendwann nicht mehr stand- halten. Den Ausweg sucht er im Rausch. Zum einen im Rausch der Musik und zum anderen im Rausch der Drogen – Alkohol und Kokain. Doch ganz betäuben kann er seine Zweifel an sich und der Welt nie.

Ein Opfer seiner selbst: Die Dämonen verfolgen Falco

Irgendwann hat er genug, wandert in die Dominikanische Republik aus – eine Flucht ohne großen Effekt. Denn die Dämonen scheinen ihm zu folgen, er fällt in eine Depression, während der Zenit seines Erfolgs längst vorüber ist. Die Musik hat er aber nie vergessen, er komponiert zuletzt wieder. Damit seine neue LP ein Hit wird, muss er allerdings sterben. Am 6. Februar 1998 verunglückt Falco im Alter von 40 Jahren bei einem Autounfall tödlich. Sein Mythos aber lebt bis heute weiter, auch durch seine zeitlose Musik. So erzählt das Musical seine Geschichte.

War Falco ein Opfer seiner Zeit, oder ein Opfer seines selbst? Warum konnte er während seines Schaffens eigentlich nie zur Ruhe kommen? Dies kam im Musical etwas zu kurz und wurde nur oberflächlich angerissen. Verständlicherweise ein heikles Thema, denn die meisten seiner Weggefährten leben ja noch.

Interessant wäre auch die Frage gewesen, ob Falcos Erfolg im Gender- und Social-Media-Zeitalter in dieser Form möglich gewesen wäre. Noch interessanter wäre, wie sich Falco heute in seinen Songs politisch und gesellschaftskritisch äußern würde. Einen ganz besonderen Song gibt es von ihm, der aktueller denn je ist. Ein Song, dessen Veröffentlichung er aber nicht mehr miterleben konnte: Als letztes Stück des Abends wird nämlich „Europa“ gespielt. Die Zuschauer verwandelten unterdessen die Kongresshalle mit ihren Smartphones in ein Lichtermeer. Im Song heißt es: „Es weht ein andrer Wind und wer, wer garantiert, dass wir uns morgen noch gegenüberstehen?“ Danke für diesen packenden Moment!

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