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Comedy

06.10.2019

Felix Lobrecht spielt mit dem Unsagbaren

Mit jungenhaftem Charme: Felix Lobrecht.
Bild: Michael Hochgemuth

Sein Humor ist brachial, sein Erfolg gerade maximal. Der Comedian aus Berlin füllt die deutschen Hallen gerade im Handumdrehen.

Anderthalb Stunden Zoten und abfällige bis sexistische Sprüche auf der Bühne – kann man das machen, wenn man nicht Mario Barth ist? Felix Lobrecht kann. Und ist dabei unglaublich erfolgreich. Denn neben das witzige Berliner Prollgequatsche setzt der coole Pseudo-Macho sein etwas schiefes Grinsen, jungenhaften Charme und ein paar querlaufende Gedanken für das ausschließlich junge Publikum in der ausverkauften Kongresshalle.

Vorneweg darf Kawus Kalantar 15 Minuten an seinem Ruhm arbeiten – ebenso mit politisch unkorrekten Witzen. Beim „Hype“ (der Name des neuen Programms) schwingt immer der Absturz nach dem Höhenflug mit. Dem Standup-Comedian scheint sein unglaublicher Erfolg nicht ganz geheuer zu sein – er hat inzwischen was zu verlieren. Vorerst aber genießt er die vollen Hallen – nur drei Minuten lang waren die Karten zu seiner aktuellen Tour durch 39 Städte im Verkauf, dann waren alle weg.

Lobrechts Biografie liest sich wie das Märchen vom Tellerwäscher

Die Biografie des 30-jährigen Lobrecht liest sich wie das amerikanische Märchen vom Tellerwäscher. Arm aufgewachsen beim alleinerziehenden Vater in Neukölln, genießt er jetzt seinen „Reichtum“ als Star der Comedy-Szene. Denn nicht nur die Hallen sind voll: Zusammen mit Tommi Schmitt betreibt er den erfolgreichsten deutschen Podcast „Gemischtes Hack“.

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Sympathisch wirkt der gut gebaute Star mit Rolex und Gucci-Jacke („Zwei Jacken zum Preis von 14!“), der als Poetry Slammer begann. Mit dem Erfolg steigen aber auch die Erwartungen seiner Fans, die glucksend nach jedem Tabubruch lechzen. In bester Berliner Proll-Manier – und unter begeisterten Lachern des Publikums – greift er also in die politisch-unkorrekt-Kiste, nennt Frauen „Weiber“ oder „Bitches“, und wenn er sich ärgert schimpft er „Ausländer!“ oder „Arschficker!“, wobei er gleich darauf eine scharfe Drehung hin zur Frage hinlegt, ob dieses Wort denn wirklich beleidigend sei. „Was kann man gegen Schwule haben?“ fragt er mit nachdenklicher Lässigkeit, was das Publikum in seiner aufgedrehten Dauerlach-Stimmung zur Ruhe bringt.

Lobrecht feuert die Gags ab im Spiel mit dem Unsagbaren, egal ob es um Ausländer, Frauen oder Behinderte geht. Mit der „Witzepolizei“ sei das abgesprochen, beruhigt Lobrecht. „Es macht euch nicht zu schlechten Menschen, wenn ihr darüber lacht“, heißt seine Absolution dazu.

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