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Junge Künstler

12.03.2021

Franziska Hauber macht mehr als nur hübsche Buchstaben

Als „deutsche Pionierin im Handlettering“ wird die Augsburger Grafikdesignerin Franziska Hauber von einer Kundin eingeschätzt.
Foto: Robert Hagstotz

Die Grafikdesignerin Franziska Hauber hat sich kurz vor der Corona-Pandemie selbstständig gemacht - mit handgeschriebenen Schriften - und hat das nicht bereut.

Coca-Cola, Barbie und Milka – sie alle haben eines gemeinsam: Ikonische Schriftzüge prägen ihre Markennamen. Die Schriften sind spezielle Entwürfe von Handlettering- und Kalligrafiekünstlern. Die Augsburger Grafikdesignerin Franziska Hauber ist ebenfalls in der Branche mit den einzigartigen Buchstaben. „Hier kann man der Schrift mehr Leben geben und Buchstaben so gestalten, dass sie aufeinander eingehen.“ Das jüngste Projekt der 23-Jährigen: zwei Klo-Container auf dem Gaswerk bunt bemalen und mit Schriftzügen gestalten. „Die Klos sollen gute Laue machen, Charakter haben und zum Gaswerk passen“, erklärt Hauber.

Handlettering – also Schriften von Hand entwerfen und anbringen – ist die Spezialität der 23-Jährigen, sie digitalisiert allerdings auch Schriftzüge und animiert sich selbstzeichnende Schriften. „Ich habe mich in Schriften verliebt und und fuchse mich besonders gerne beim Handlettering in ein Projekt rein“, erklärt Hauber, die eine rundliche Brille aufhat und die langen dunkelblonden Haare in einem schrägen Dutt trägt. Die Grafik- und Motiondesignerin hat an der Hochschule Augsburg interaktive Medien studiert und ist inzwischen selbstständig. An Augsburg schätzt Hauber die künstlerischen Netzwerke vor Ort wie zum Beispiel den Graffitiverein. Ihr Naturell ist gelassen, der Rollkragenpulli schwarz. Bedenkt sie eine Antwort, reibt sie dabei langsam mit der Hand an ihrem Ellbogen.

Der Schritt zum Künstlerdasein hat Franziska Hauber einigen Mut gekostet

„Am Anfang wusste ich nicht, wozu man Schriften brauchen könnte, außer als Hobby oder für eine Geburtstagskarte für Freunde“, erinnert sich Hauber. Erst nach dem Studium habe sie der Leidenschaft fürs Handlettering nachgegeben – aber auch das nur Stück für Stück. Der Schritt hin zum Künstlerdasein hat sie einigen Mut gekostet.

Nach ihrem Studium hatte sie erst mal einen Teilzeitjob angenommen und sich nur in der übrigen Zeit um ihre eigenen Projekte gekümmert. Vergangenen März, eine Woche vor dem Lockdown, wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit, da die Auftragslage gut war und sie mit beiden Jobs zu viel zu tun hatte. Und Hauber hat es trotz Corona nie bereut. „Ich habe die Zeit im Lockdown genutzt, um mich fortzubilden und meine Website zu gestalten.“ Und die Aufträge werden immer mehr.

Für Hauber ist Handlettering keine brotlose Kunst

In dem Arbeitszimmer, das Hauber sich mit ihrem Mitbewohner teilt, hat sie die Alpen in ruhigen Blautönen an die Wand gebannt. „Verlust kann man nur spüren“ steht auf einem Bühnenbild-Entwurf in der Ecke. Das Wort Verlust ist fast unleserlich, da der obere Teil der Buchstaben abgebrochen zu sein scheint. „Verlust kann man nur spüren, nicht sehen“, begründet Hauber die Idee hinter dem Entwurf. Sie hat ihn für das Stück „W – Eine Stadt sucht ihre Wohnung“ des Augsburger Staatstheaters angefertigt.

„Sie könnte eine deutsche Pionierin im Lettering sein“, denkt Sabine Ryan, Unternehmerin und Kundin von Franziska Hauber. Die 53-Jährige hat unter anderem Wandletterings bei der jungen Künstlerin bestellt, die von ihrer Detailverliebtheit zeugen. Was Ryan besonders an ihr schätzt: „Sie hat ein Gefühl dafür, was sie mit ihren Buchstaben anstellt und was diese präsentieren sollen.“ So könne Haubers Schrift zurückhaltend sein, aber auch eine Botschaft transportieren.

Bereits mit 13 hat Hauber die Aushänge im Geschäft ihrer Eltern schön beschriftet. „Da dachte ich aber noch nicht, dass das mal mein Beruf werden könnte.“ Eine Künstlerin, bei der sie als Jugendliche Malstunden genommen hatte, hatte ihr sogar geraten, die Kunst nicht zum Beruf zu machen, da man zu wenig verdiene. Doch es ist anders gekommen, und Hauber ist zufrieden damit. Eine brotlose Kunst ist das Handlettering ihrer Meinung nach nicht: „Es ist halt krass viel Arbeit, um da hinzukommen, wo Brot ist.“ Doch sie ist guter Dinge und träumt davon, eines Tages einen Filmvorspann gestalten zu dürfen – zum Beispiel wie der von Grease.

Lesen Sie auch die weiteren Folgen unserer Serie "Junge Künstler":

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