14.09.2019

Geballte Gegenwart

Aufs Jahr 2084 blickte Mathias Richling im Parktheater.
Bild: Michael Hochgemuth

Mathias Richling denkt schon an 2084

Der Abend war kurz – und übervoll mit Themen und Figuren. In anderthalb Stunden raste der altgediente Kabarettist Mathias Richling durch die Tagespolitik und streifte nebenbei existenzielle Themen, die uns noch eine Weile beschäftigen werden. In Anlehnung an Orwells Roman „1984“ heißt sein neues Programm „Richling und 2084“.

Im Parktheater bewies der schwäbische Schnellsprecher wieder, warum ein TV-Liebling gerade live ein Erlebnis ist. Seine Präsenz ist unvergleichlich, seine schnellen Rollenwechsel kaum nachzuvollziehen. Jeden Politiker vermag er mit seiner Sprechweise und seinen Macken zu imitieren. Brillant ist sein Dialog zwischen dem grünen Ministerpräsidenten Kretschmann und seinem CDU-Stellvertreter Strobl, bewährt ist seine Rolle als Angela Merkel. Die Kanzlerin hat Richling schon den Gefallen getan, ungewöhnlich lange zu regieren. Ihr Imitator setzt im neuen Programm noch einen drauf. Er lässt sie bis ins Jahr 2084 hinein regieren, lässt sie Milliardenpakete für Griechenland, eine Männerquote für Führungspositionen und ein Gesetz zur Heirat mit einem Dackel verabschieden. Nur der Brexit sei noch verrückter …

Die futuristisch wenig inspirierenden Plastik-Kuben auf der Bühne tragen das Auge von Big Brother, Richling beklagte den Verlust der Datenkontrolle („Der Staat weiß von uns alles, wir von uns gar nix mehr“) und die dadurch „pulverisierte Demokratie“. „Mental leben wir schon in 2084“, malte er schwarz und verwies auf die „neue Kirche Internet“. Mehr hat er noch zu sagen zu Demagogen, Korruption und Machtverliebtheit. Am Ende beeindruckte Richling mit einer respektvollen Rede auf die im Publikum sitzende, lebenskluge und -lustige 108-jährige Anna Lang, die er extra eingeladen hat. Der letzte Applaus an diesem Abend gehörte ihr.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren