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Ausstellung

26.05.2018

Geometrie trifft auf Natur

Die Künstlerin Seo ist mit neuen Arbeiten wieder in der Galerie Noah präsent.
Bild: Michael Hochgemuth

Die koreanische Künstlerin Seo zeigt in der Galerie Noah ihre spektakulären Wahrnehmungen vor einem „Endlosen Horizont“. Die Arbeiten zeigen eine wahre Lust an der Farbe

Vor drei Jahren schon entfesselte sie mit ihrer Ausstellung „Zwischen den Welten“ in der Galerie Noah ein „Color Fever“ (so ein Bildtitel) in ihren Malereien. Jetzt zeigt die koreanische Künstlerin Seo, wie sie seitdem in den zurückliegenden drei Jahren erneut mit ihren Farbgewittern ihre ungewöhnlichen Eingebungen inszeniert.

„Der endlose Horizont“ ist die neue Schau mit Acryl-Arbeiten auf Leinwand und Papiercollage betitelt. Darin spielt sie in spektakulären Szenarien mit Raum und Zeit, mit Geometrie und Natur, lässt Realität und Vision ineinandergleiten. Die 41-jährige Koreanerin, die nach dem Studium in ihrer Heimat an der Cho-sun-Universität Gwangju nach Berlin kam, studierte bei Georg Baselitz, war an der Universität der Künste Meisterschülerin des prominenten Malers, der sie stark förderte. Seo („Das ist einfach mein Familienname, den man sich so in Europa gut merken kann…“) stellt indes nicht wie der Meister die Welt auf den Kopf, sondern verfährt auf ihre eigene Weise, die sichtbaren und unsichtbaren Wahrheiten, Wahrnehmungen und Eingebungen darzustellen, das Abenteuer des Sehens zu erweitern.

Nach eigenen Angaben angeregt von der deutschen Romantik, allen voran von den Tableaus von Caspar David Friedrich, spielt tatsächlich Natur, schöne Natur, lieblich und gewaltig, eine große Rolle in ihrer Arbeit. Und sie hat durchaus spürbar Lust, diese zu malen. Doch sie traut natürlich dem schönen Schein nicht. Die Farben und Formen der Natur, die sich ja seit ewig in eher weichen, unendlich langwierigen Bewegungen verändern, werden bedrängt von quasi „schnellen“, harten geometrischen Elementen.

Das sind Anmutungen von moderner Architektur ebenso wie auch spielerisch erfundene, wie im Kaleidoskop geschüttelte abstrakte Formen, Splitter, auch Bauteile, Böden, Fenster, Gitter. Sie bilden zum Teil absurde Raumsituationen, Nischen, Spiegelungen und Motivwiederholungen. Da darf denn auch das auf der Palette und im Kopf der Künstlerin gespeicherte scheinbar schrille Farbpotenzial sozusagen geplant Amok laufen. Die Natur bekommt so vom Konstrukt, das unaufhaltbar in die Szene tritt, einen abgezäunten Raum zugewiesen.

Man assoziiert durchaus – von Seo gewollt oder nicht – eine real kritische Sicht auf eine von menschlicher „Bauwut“ zunehmend zerstörte und bedrängte Natur. Doch die Unvereinbarkeit, das harte Aufeinanderprallen zweier Welten erzeugen in den teils riesenformatigen Bildern eine eigene Poesie, eine eigene Welt, in der einer ungebändigten Lust an der Farbe eine Bühne geboten wird, auf der man alles darf.

Und diese Szenarien, Plan und Gefühl, warm und kalt, sind in Form und Farbe spannungsvoll austariert, vereinen Bewusstsein und Unterbewusstsein zu einer Art tiefenpsychologischem Ort. Ein Bildtitel bringt es auf den Punkt: „Das System meiner Gefühle“ ist in der Komposition perfekt und fast elegant austariert. Die Selbstfindung in neu geschaffenen Orten mutet hier versöhnlich an. Da gibt es „Traumfelder“ oder den „Traum von einer Heimat“. Andere Bildgruppen wiederum („Meeting in Miami“, „Six Island“, „Das Meeresrauschen“) lassen eher sarkastisch harte Alpträume einer bedrängten und eingeengten Welt sehen.

Mit dazwischengestreuten verträumten, einfachen blau-weißen Wolkenbildern oder mit Touristen-Karawanen und märchenhaften, exotischen Fahrzeugen samt surrealer Insassen, die sich wie in einer Fata Morgana in raffiniert gezauberten Spiegelungen auf dem Wasser zu bewegen zu scheinen („Five Seasons“, „Dezember Zwölf II“), erinnert Seo wieder an die Poesie ihrer skurrilen Wasser-Bilder vor drei Jahren. Ihre Technik, Acryl auf Papiercollagen zu malen, wendet sie wieder in einem Teil der neuen Bilder an – Schicht auf Schicht aufgetragen, erzeugt dieser von Schnipseln geformte Untergrund eine zusätzlich transparente Wirkung.

in der Galerie Noah (Beim Glaspalast 1 in Augsburg). Laufzeit der Schau bis zum 15. Juli. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Donnerstag von 11 bis 15 Uhr, Freitag, Sonntag, an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

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