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Interview

25.03.2019

Hauptberuflich Lackierer, in der Freizeit Horror-Filmer

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2 Bilder
Lucia ist die Hauptrolle in Thomas Pills neuem Film „Stories of the Dead – Die Farm“. Die Rahmenhandlung verbindet fünf Kurzfilme miteinander: „Eifersucht“ (Thomas Pill), „Fremdkörper“ (Kris Santa), „Leben“ (Helmut Brandl und Thomas Pill), „Der Rabe“ (Thomas Pill) und „Live Or Let Die“ (Manuel Urbanek).
Bild: Sascha S. Goldbach/Filmproduktion Thomas Pill

Friedhofsszenen, spritzendes Blut: Hobby-Regisseur Thomas Pill hat einen neuen Film gedreht. Wie der Friedberger zum Horror kam.

Herr Pill, welche Filme zählen denn zu Ihren Lieblingen?

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Thomas Pill: Ach, es gibt so viele gute Filme. „Das letzte Einhorn“ schaue ich mir gerne an, „Herr der Ringe“ ist gigantisch. Ich stehe auch auf deutsche Filme, was ja heute schon fast eine Ausnahme ist. Letztes Mal habe ich richtig gelacht, als ich „Wo ist Fred?“ gesehen habe.

Also ein Zeichentrick-Klassiker, ein Fantasy-Epos und eine Komödie. Als Regisseur haben Sie sich jedoch einem ganz anderen Genre verschrieben.

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Thomas Pill: Ich mochte es schon als Kind, mich zu gruseln. Aber ich bin nicht auf Horror geeicht, ich würde jeder Zeit auch etwas anderes drehen. Manche meiner Filme zeigen das ja schon, „Grimms Kinder“ ist beispielsweise eine Mischung aus Gruselmärchen und Komödie, „Leben“ war eigentlich als Drama gedacht. Nur, Horrorfilme verkaufen sich am besten.

Tatsächlich?

Thomas Pill: Der Vertrieb, der meine Projekte mittlerweile finanziert, meinte mal zu mir: Entweder du machst was mit Pferden, Horror oder einen großen Fantasy-Film. Für das Letzte reicht mein Budget aber leider nicht.

In seiner Freizeit dreht Thomas Pill Filme.
Bild: Silvio Wyszengrad

Wie kamen Sie zum Film?

Thomas Pill: 2009 wurden ein paar Szenen von „Legend of Hell“ in Augsburg gedreht, eine Freundin hatte mich damals gefragt, ob ich nicht Lust hätte, als Statist mitzukommen. Das hat mich alles so interessiert, egal ob vor oder hinter der Kamera. Wie das mit der Technik funktioniert, wie aufwendig es ist, manche Szenen zu drehen, und wie die blutigen Effekte gemacht werden. Da hab’ ich mir gedacht: Das probierste mal selbst.

Und wie lief’s?

Thomas Pill: Natürlich hatte ich vom Tuten und Blasen keine Ahnung. Das Drehbuch war erst auf eine knappe Viertelstunde ausgelegt, am Set wurde daraus ein einstündiger Film. Ich wollte auch gleich noch eine große Rolle spielen und war schließlich total überfordert. Ein Kumpel, der beruflich vor der Kamera steht, hat mir damals zum Glück geholfen. Heute übernehme ich nur noch kleine Rollen, als Schauspieler sehe ich mich eigentlich auch nicht.

„Das kalte Gericht“ war 2011 Ihr erster Film, für den Sie gleich Dustin Semmelrogge, den Sohn von Schauspieler und Synchronsprecher Martin Semmelrogge, gewinnen konnten.

Thomas Pill: Dustin habe ich am Set von „Legend of Hell“ kennengelernt, wir haben uns gleich super verstanden. Als das Drehbuch fertig war, habe ich es ihm geschickt und gefragt, ob er Bock hat, dabei zu sein. Er kam dann sogar für fünf Tage.

Neben Semmelrogge haben Sie auch schon Eva Habermann, Florian Simbeck und Giulia Siegel für Ihre Projekte begeistert. Wie schaffen Sie das?

Thomas Pill: Der Independent-Bereich hat seinen eigenen Reiz, da gibt es Rollen, die Schauspieler im Fernsehen nie angeboten bekommen würden. Die haben da richtig Lust drauf, mal was anderes zu machen.

Selbst ein Drehbuch schreiben, bekannte Fernsehschauspieler einfach kontaktieren und sich das Filmen und Schneiden beibringen: Klingt so, als könnte eigentlich jeder, der Lust darauf hat, mit dem Drehen loslegen.

Thomas Pill: Im Prinzip, ja. Aber du brauchst wirklich den Willen, das durchzuziehen. Gerade, wenn man wenig Geld hat, ist es hart. Schauspieler sagen mal kurzfristig ab, da muss man darüberstehen, nicht gleich aufgeben, sondern jemand anderen suchen – und man findet eigentlich immer jemanden. Das Filmen und Schneiden überlasse ich mittlerweile Freunden und Bekannten. Es ist nicht so, dass ich es nicht könnte – 2013 habe ich sogar ein paar Kurse an der Münchner Filmakademie besucht, auch Schauspiel-Workshops. Aber es gibt Leute, die können das wesentlich besser als ich.

Haben Sie jemals daran gedacht, Ihren Beruf als Lackierer und Maler aufzugeben, um sich ganz dem Filmen zu widmen?

Thomas Pill: Nein, ich habe das immer als Hobby gesehen; ich bin einer, der das zum Spaß macht. An den Projekten verdiene ich auch nicht wirklich was. Und jetzt könnte ich es mir gar nicht mehr leisten, umzuschulen – inzwischen bin ich Papa geworden.

In Ihrem neuesten Film „Stories of the Dead – Die Farm“ treffen fünf Kurzepisoden aufeinander.

Thomas Pill: Einfach Kurzfilme miteinander zu kombinieren, war mir zu langweilig, ich wollte sie mehr mit einbinden. In jeder Episode stirbt eine Person und Lucia, die Hauptrolle, sieht, wo sie gestorben ist – das ist die Verknüpfung, die Rahmenhandlung.

Wie kommen Sie auf Ihre Ideen?

Thomas Pill: Manchmal gibt der Verleih ein Thema vor. Bei „Der Rabe“, einer der fünf Kurzfilme, war das beispielsweise so, er sollte etwas mit Edgar Allan Poe zu tun haben. Auf „Das kalte Gericht“ hat mich damals Til Schweiger gebracht. In einer Talkshow hatte er gesagt, dass jemand, der eine Sexualstraftat begeht, sein Recht in der Gesellschaft verwirkt hat. Der Film handelt von einem Kinderschänder, der nach Jahren wieder auf freien Fuß kommt und an dem sich seine Opfer rächen wollen.

Mal angenommen, Sie hätten komplett freie Hand, keine Auflagen und genügend Geld. Welches Projekt würden Sie verwirklichen?

Thomas Pill: Diese Idee aus „Leben“, daraus würde ich gerne einen richtigen Spielfilm mit größerem Budget machen. Jemand, der seinen Job hasst, in seiner Familie passt es nicht mehr. Und dann findet er eine Agentur, die ihm hilft, seinen Tod vorzutäuschen. Wenn er wieder kommt, würden ihn alle schätzen – das geht aber richtig nach hinten los.


Termin „Stories of the Dead – Die Farm“ feiert am Freitag, 26. April, im Filmhaus Huber in Türkheim Premiere.

Zur Person Thomas Pill, 38, dreht in seiner Freizeit Filme. Er arbeitet als Maler und Lackierer, mit seiner Familie lebt er in Friedberg.

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