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Stadthalle Neusäß

20.01.2019

"Helden Zeugen": Komödie in der Kinderwunsch-Praxis

„Helden Zeugen“ spielt in einer Kinderwunsch-Praxis.
Bild: M. Hochgemuth

John von Düffels Stück "Helden Zeugen" wird in der Stadthalle Neusäß gezeigt. Bis zur Pause ist das noch unterhaltsam.

Das vermeintlich supercoole und innig verliebte Ehepaar Michael und Michaela trifft in der Kinderwunsch-Praxis auf zwei Singles: Simone will den lästigen Enkelwunsch ihrer Mutter mit den gängigen Methoden der künstlichen Befruchtung (gern auch aus der Dänemark-Samenbank) erfüllen; Sandro agiert als liebenswert vertrottelter 1a-Samenspender. In John von Düffels Theaterstück „Helden Zeugen“ nutzen die beiden Singles lustvoll und laut die Gunst der Stunde mit den klassischen Praktiken der natürlichen Zeugung; dem Ehepaar hingegen wird schnell deutlich, dass sich die bestens geplante Genese von Wunschbaby „Schatz“ zunehmend schwierig gestaltet.

John von Düffel schrieb „Helden Zeugen“ als Auftragswerk von und für „theaterlust“ und den Regisseur Thomas Luft. Dies geschah unter der Prämisse, das dramatische, Psyche wie Physis erheblich belastende Thema mit der nötigen Dosis Ironie und unterhaltsam-gespitzter Boulevard-Feder samt reichlich Rock-Pop-Untermalung (mit Live-Band) auf die Bühne zu bringen. Das gelang sowohl den vier aufgedreht-präsenten Darstellern Dagny Dewath, Sebastian Gerasch, Anja Klawun und Florian Thunemann (der zudem als einfühlsamer Gitarrist auffiel und seinen Texthänger sehr lässig meisterte!) als auch dem Autor in geistreichen Dialogen in der ersten Hälfte recht überzeugend.

Leider schien das Pulver bzw. in diesem Fall der Samen oder, wie es der emsig „ondulierende“ Sandro titulierte, das geschmeidige Mascarpone, gänzlich verschossen. Quälend lang zog sich nach der Pause, während der sich die Zuschauerreihen merklich gelichtet hatten, die alberne Albtraum-Szene des zuvor am Kopf getroffenen Michael mit Schwimmer-Symbolik hin, bis endlich das alle erlösende und absehbar konstruierte Happy-End nahte. Rasch lösten sich alle medizinischen und beziehungstechnischen Blockaden und Missverständnisse des Quartetts in Luft und ganz viel Tüten-Rauch auf! Vielleicht lag es an der berühmt-berüchtigten zweiten Vorstellung, dass trotz hoher Ensemble-Motivation beim „Fremd-Gen“ noch einiges nicht wirklich nach Publikumswunsch lief.

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