Konzert

15.07.2019

Helden im Schatten des Gaskessels

Authentische Popmusik präsentierten Revolverheld am Freitag auf dem Gelände des Gaswerks.
Bild: Michael Hochgemuth

Augsburg hat endlich wieder eine Open-Air-Bühne für Live-Musik. Revolverheld begeistern über 4000 Fans mit harmonischen Balladen und rockigen Nummern. Eine Begebenheit am Rande sorgt für aufgeregte Eltern und Teenager

Augsburg hat wieder eine Open-Air-Bühne für Live-Musik. Nachdem die Freilichtbühne für Konzerte nicht mehr zur Verfügung steht, haben die Stadtwerke auf dem Gelände des alten Gaswerks nun eine neue Möglichkeit für größere musikalische Acts geschaffen. Das Modular machte in den Pfingstferien den Anfang und bewies die Festival-Tauglichkeit des Geländes, nun nutzten die Programmmacher des Spectrum Clubs die damalige Hauptbühne nochmals und buchten mit Revolverheld einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Pop-Acts der letzten 15 Jahre.

Das bejubelten die gut 4000 Besucher und Fans sowie ein rundum zufriedener Ufuk Aykut. Der Betreiber des Spectrums hält das Gelände auch für sehr gut geeignet und lobt die fantastische Kulisse, wegen der sogar Fans aus Mannheim extra nach Augsburg angereist seien. Das Konzept der Stadtwerke, die Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern zum Veranstaltungsort anreisen zu lassen, funktionierte ebenfalls perfekt.

Vor Konzertbeginn konnte man sich mit Getränken und Essen im Biergarten mit Industriecharme die Zeit vertreiben, während im Hintergrund der Warm-Up-Act Greg Holden aus Los Angeles seine Liedchen eher sacht vor sich hin trällerte, um plötzlich mit technisch anspruchsvollen hohen und nicht enden wollenden, kraftvollen Tönen zu überraschen. Eine komplette Band hätte vielleicht etwas mehr „aufgewärmt“, aber der sympathische Musiker machte eine gute Figur.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Und dann also Revolverheld. Die vier Jungs aus Hamburg gelten als Beweis für die Funktionalität der nationalen Pop-Ausbildung, haben doch der berühmte Hamburger Popkurs und die Mannheimer Popakademie einen großen Teil zur erfolgreichen Karriere der Gruppe beigetragen. Immer wieder gute bis sehr gute Chart-Platzierungen ihrer mittlerweile fünf Alben und die dazugehörigen Single-Auskopplungen sowie die Teilnahme an diversen TV-Ereignissen (Popstars, Bundesvision Song Contest, Sing meinen Song) und ein MTV-Unplugged sprechen für sich.

Über ihre Musik kann man nun sagen was man will, sie funktioniert definitiv. Das schon etwas gealterte Publikum ist textsicher und in bester Laune. Die vielen Pärchen erfreuen sich an den harmonischen Balladen und die tanzfreudigen Besucher kommen auch nicht zu kurz. Begleitet von Konfetti- und Luftschlangen-Kanonen, Bühnenfeuerwerk und Riesenluftballons blickte man nur in lächelnde Gesichter – so soll es sein.

Dabei wurden die Musiker größtenteils ihrem guten Ruf als authentische Band gerecht, sie benutzten verhältnismäßig wenig Backingtracks und ließen sich lieber von zusätzlichen Musikern auf der Bühne unterstützen. Einzig der Moment, in dem knapp 40 Fans auf die Bühne geladen wurden und dort drei Liedern lauschen durften, wirkte sehr konstruiert, vor allem weil ein Stage-Manager emsig damit beschäftigt war, den Teenagern, die natürlich gegen das Fotografier- und Filmverbot verstießen, umgehend ihre Handys abzunehmen. Während diese danach ihre Telefone teils sogar beim charismatischen Frontmann Johannes Strate persönlich zurück verlangten, mussten vor der Bühne so manche Eltern ihre Kinder in der Menschenmenge suchen, weil sie auf der anderen Bühnenseite wieder herausgelassen wurden.

Überzeugender waren Revolverheld, wenn sie einfach ihre Musik sprechen ließen, wie bei einer der stärksten und zugleich ältesten Nummern „Freunde bleiben“, wo die Band ihre ursprünglich rockigere Seite präsentierte. In diesem Stil huldigten sie auch ihren Kollegen von Wir sind Helden mit einem Cover des Hits „Denkmal“. Manch einer wünschte sich vielleicht in der letzten Nummer „Ich lass für dich das Licht an“ Helden-Frontfrau Judith Holofernes auf die Bühne, die ihrerseits eine weitaus spannendere Version dieses Revolverheld-Hits veröffentlicht hat.

Mit Ende der letzten Zugabe setzte dann erst der vorhergesagte Regen ein. Eine weitere wunderschöne und rundum gelungene Feuertaufe also für dieses vielversprechende Areal, über das sich Augsburg sehr glücklich schätzen kann.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren