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Ausstellung

09.11.2020

Ihre schwierige Herkunft aus Auschwitz

Aus schwarz-weiß in die Farbe: Auschwitz-Bilder von Monika Mendat.
Bild: U. Wagner

Plus Die Malerin Monika Mendat ist in Polen geboren. Künstlerisch sucht sie ihre Haltung zum Ort des Grauens.

Ihre Kindheit verbrachte sie in Polen. Ihre Heimat hieß Auschwitz – Ort des industrialisierten Völkermords an den europäischen Juden. „Mir ist immer bewusst gewesen, dass meine Wurzeln in einem der schlimmsten Orte der Weltgeschichte sind“, sagt die 46-jährige Künstlerin Monika Mendat. Inzwischen wohnt sie in Friedberg. Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz hat sie heuer die Ausstellung „Auschwitz. Mahnmal. Heimat“ konzipiert. Jetzt, zum Gedenken an das Novemberpogrom 1938, sollte sie in der Augsburger Stadtbücherei gezeigt werden.

Das kann coronabedingt nur in einer Online-Version sein – was der ursprünglichen Idee aber nichts wegnimmt. Monika Mendat unternimmt ein Zweifaches: In schwarz-weißen Bildern, Kohlezeichnungen und Drucken, widerspiegelt sie das Grauenhafte, das in Auschwitz passiert ist. Sie erweckt die Birken zum Leben, die dem Vernichtungslager Birkenau Platz machen mussten.

Ihr „Herbststurm“ modelliert mit heftigen Kohlestrichen einen trauernden Menschen mit geschlossenen Augen. Erinnerungen an die eigenen Familienangehörigen, die ungern über die dunkle Seite des Ortes redeten, ruft sie im Gekräuse der fahrigen Linie eines Stifts in einem furchigen Gesicht auf („Meine Heimat, du“). Unterm Eindruck der Selektionsrampe entwarf sie den „Schwebemensch“, ein massiger Körper ohne Halt im Raum. „Bis zuletzt ist die Hoffnung geblieben, irgendwie zu überstehen“, weiß die Künstlerin über die ins KZ Verschleppten.

Eine tief humane Botschaft ist in den Bildern von Monika Mendat

Den Umschlag markieren farbige Gemälde. „Farbe bedeutet für mich Leben“, erklärt Monika Mendat. Die Vernichtung hat nicht das letzte Wort. In ihrer typischen, wässrig transparenten Malweise lotst sie heraus. Die Gezeichneten und Gepeinigten kehren zurück, sie begeben sich auf den „langen Marsch“ in ein „Land of Freedom“, das Betrachter in ein Meer roter Blüten taucht.

Immer hat man bei Mendat den Eindruck, als schimmere aus ihren Bildern eine zweite Ebene durch wie ein undeutliches Traumgesicht. Es ist eine tief humane Botschaft, Monika Mendat wendet sich den Menschen zu, auch wenn sie deren Existenz nur durch den Schleier der Geschichtsschreibung kennt.

Die Ausstellung realisierte Mendat zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung

Das hat sie studiert neben Literatur und Politik als Basis für die journalistische Berufstätigkeit. Die Malerei eignete sie sich in der Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor an. Die Auschwitz-Ausstellung realisierte sie zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auch ein Katalogheft mit weiteren Fotos und Texten entstand. Monika Mendat hat sich auf Reisen nach Polen seit den 90ern bewusst mit der Vergangenheit auseinandergesetzt.

Als Kind – sie kam 1977 in Deutschland an – habe sie das Kapitel verdrängt, „wie es meine Eltern und Verwandten verdrängt haben“. Aber die Frage nach der Herkunft war stärker. Und als Kind zweier Nationen hat einen intensiveren Zugriff darauf. Gern gibt sie zu ihrer Ausstellung auch Seminare an Schulen.

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