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Jazzclub

30.09.2020

Im Jazzclub gibt es jetzt Texte mit Takt

Alexander Ratschinskij will die Menschen „auf viele Arten berühren“. Heute Abend startet seine Reihe „Rythm & Poetry“ im Jazzclub.
Bild: Max Saufler

Plus Alexander Ratschinskij ist Veranstalter und Moderator der neuen Reihe „Rythm & Poetry“. Mit Spoken-Word-Künstlern und Musikern knüpft sie an die Tradition der Beat-Poeten an.

„In Augsburg fehlt etwas“, stellten Slammer Ken Yamamoto, Kurator Girisha Fernando und ein wortgewandter junger Mann namens Alexander Ratschinskij fest, als sie nach dem „Best of Poetry“ des diesjährigen Brechtfestivals zusammensaßen und bedauerten, dass die Kunstform des Spoken Word, also der oft rhythmische Vortrag einer Erzählung oder eines lyrischen Stücks, in der Stadt fast nicht stattfindet. Doch „sobald ich meckern höre, höre ich machen!“, erklärt Ratschinskij die Idee, mit einem Spoken Word-Abend im Jazzclub auf die Bühne zu gehen. Unter dem Titel „Rhythm and Poetry“ besinnen sich Lyriker und Slammerinnen zusammen mit einem kundig zusammengestellten Jazzquartett auf die Tradition der ungestümen Beat Poeten-Bewegung unter William Boroughs und Allen Ginsberg. Deren Texte können in gedruckter Form schon einmal überfordern, „live auf der Bühne, in der Kombination Text und Takt, entfalten sie ihren Reiz“, so Veranstalter Ratschinskij.

Ein musikalisch-lyrischer Ritt durch das Hier und Heute

Das Format „Rhythm and Poetry“ ist aber alles andere als eine nostalgische Retrospektive, es ist ein musikalisch-lyrischer Ritt durch das Hier und Heute, mit jungen Hoffnungen und alten Idolen im Sattel und Ratschinskij als Moderator an den Zügeln. Für ihn war das Tor zum Poetry Slam seine Liebe zum Hip Hop; auf dem Brechtfestival 2009 besuchte er einen Slam-Workshop unter der Leitung der Münchener Rapperin Fiva, war „fasziniert vom kreativen und künstlerischen Potenzial der Stadt, wie im Neruda, der „künstlerischen Petrischale Augsburgs“ und machte sich als Veranstalter selbstständig. Der Firmenname, Pinealis Productions, könnte nicht treffender gewählt sein. Die Glandula pinealis, besser bekannt als Zirbeldrüse, zieht eine Referenz zum Stadtwappen Augsburgs und erklärt in ihrer eher mythologischen Funktion als drittes Auge des Menschen das Anliegen Ratschinskijs, „die Menschen auf so viele Arten zu berühren, dass ihre Zirbeldrüse aktiviert wird“ – also einen Gedankenablauf zu starten, der gerne die Wahrnehmung der normalen Realität aus der Bahn werfen darf.

Das Programm ist vielfältig: Poetry- und Song Slams, Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen mit „Volksverpetzer“ Thomas Laschyk oder dem Jüdischen Museum. Ratschinskij möchte „das Schöne mit dem Nützlichen verbinden, um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen“. Die Summe dieser Veranstaltungen gipfelt nun in der von Kurt Idrizovic und seiner Buchhandlung am Obstmarkt unterstützten Reihe im Jazzclub.

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Ein Jazzquartett improvisiert zu den Wortbeiträgen

Letzterer kuratierte die Band aus Schlagzeuger Simon Kerler, Bassist Nikolas Herrmann, Gitarrist Silvan Lackerschmid und Beatmacher Vincent Semlinger am japanischen MPC-Sampler. Das Quartett improvisiert zu den Wortbeiträgen einer illustren Gästeliste: Die aufstrebende Newcomerin Lucia Leonhardt aus Nürnberg bietet lyrisches Storytelling und Hip-Hop-Poet Heinrich von Kleister nimmt den weiten Weg von Berlin auf sich, um seine durchdachten, mit Wortspielereien überfließenden Texte auf die Bühne zu bringen. Dazu gesellt sich Klangkünstler und Poet Gerald Fiebig, bekannt als Leiter des Abraxas, laut Ratschinskij „ein unglaublich starker Lyriker und ein vielleicht noch besserer Mensch“, der in seinem neuesten Gedichtband „motörhead klopstöck“ (Verlag Parasitenpresse) Empfindsamkeit und Krawall vereint. Zu guter Letzt bekommt noch ein Urgestein des deutschen Poetry Slams das Mikrofon in die Hand: Poet, Romancier und Sänger Frank Klötgen hat tausende Gedichte veröffentlicht, ist Spoken Word-Vorreiter und tritt als Mitglied der Münchener Lach- und Schießgesellschaft in die großen Fußstapfen Dieter Hildebrandts.

Man darf eine eklektische Improvisation aus dem Zusammenspiel von Musik und Text erwarten. Und das – in der aktuellen Situation ist das durchaus eine Erwähnung wert – sogar mit Abendkasse.

Info: Rhythm and Poetry im Jazzclub Augsburg, Donnerstag, 1. Oktober, 20.30 Uhr.

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