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Ausstellung

29.07.2020

Ines Roller: Aufgetaucht inmitten der Krise

Inspiriert vom Wasser-Bildprogramm der Augsburger Prachtbrunnen sind diese beiden Hochformate mit dem Titel „Ausgeliefert“. Ines Roller lädt den nüchternen Sichtbeton im Kongress am Park mit ihren Bildern künstlerisch auf.
Bild: Ulrich Wagner

Die jährliche Kunstpräsentation im Kongress am Park ist diesmal Ines Roller gewidmet. Die Augsburger Malerin thematisiert Wasser im Wechsel der Gefühle

Frohlocken und Erschrecken passen nicht gut zusammen, passieren aber trotzdem: Im Juli 2019 frohlockte Augsburg über den Ritterschlag als Unesco-Welterbe historischer Wasserwirtschaft, im März 2020 erschrak es beim Ausbruch der Corona-Pandemie. Diesem Wechselbad der Gefühle sahen sich umso mehr diejenigen ausgesetzt, die sich dem Augsburger Triumph des Wassers als Kunstschaffende näherten. Ines Roller sollte dazu für die Foyers im Kongress am Park großformatige Malereien schaffen – als neunte der jährlich wechselnden Präsentationen regionaler Künstler, die von der Gesellschaft für Gegenwartskunst (GfG) seit 2012 durchgeführt werden.

Der nüchterne Sichtbeton wird künstlerisch aufgeladen

Damals war die 1972 errichtete Kongresshalle nach zweijähriger Erneuerung wiedereröffnet worden, verbunden mit dem Vorsatz, den nüchternen Sichtbeton des Max- Speidel-Baus künstlerisch aufzuladen. Das begann mit Georg Bernhard und (posthum) Karl Kunz und gibt nun der gebürtigen Augsburgerin Ines Roller die Ehre. Die Einladung zur einsam angelaufenen Ausstellung vermerkt im Corona-Modus: „Leider kann es in diesem Jahr keine Vernissage geben.“ Von „Geisterausstellung“ spricht Ines Roller, als sie zu ihren 14 ungerahmten Gemälden führt, die sich auf fünf Segmente der menschenleeren Raumflächen (erstmals auch auf der Empore) verteilen.

Die Künstlerin hatte sich zunächst auch dem Wasser-Bildprogramm der Augsburger Prachtbrunnen von Hubert Gerhard und Adriaen de Vries zugewandt, also den Symbolfiguren von Lech, Wertach, Singold, Brunnenbach, ebenso dem Herkules, der mit einer brennenden Keule die vielköpfige Hydra bekämpft, auch dem Georgsbrunnen mit dem Ritterheiligen, der den Drachen unter ihm mit kräftigem Lanzenstich tötet. Nicht immer so deutlich wie in „EinFluss“ oder „Ausgeliefert“ sind solche Bildelemente fragmentarisch erkennbar. Aber mit Ines Rollers Hinweis lassen sie sich auch in anderen Bildern wahrnehmen – dann sogar Corona-Masken bei „Lockdown“ und „Hydra“ im Wirbel abgeschlagener Köpfe des mythologischen Ungeheuers.

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Covid-19 mischte sich unter Acryl und Tusche

Da war plötzlich der Friede ihres Ateliers im Kulturhaus Abraxas dahin. Wie ein Schock sei das gewesen. Fortan mischte sich Covid-19 unter Acryl und Tusche, denen sie auf ihren weißen Leinwänden freien Lauf lässt und kein engeres gestalterisches Korsett zumutet. „Nicht ich male, es malt“, lautet ein Bekenntnis von ihr.

Manche Bilder seien an einem Abend fertig, andere vielleicht erst nach Wochen des Malens, Übermalens und Parallelmalens (mehrerer auf dem Boden liegender Leinwände). Ihre Farbdominanz von Blau, Grün, Türkis, Mauve (mit gelben, roten und rosa Zugaben) verschluckt das Figurale. Dem entsprechen Bildtitel wie „Alles in Fluss“, „Verlauf“, „Untiefen“. Auch „Aufgetaucht“ lässt nicht erkennen, was da auftaucht – mag sein die Hoffnung. Jedenfalls leiht dieses Querformat der Ausstellung ihren Namen.

Erwähnenswert ist, dass Ines Roller auch bei ihrer großen Einzelschau 2012 im Rathaus Neusäß auf ein Unglück reagierte, nämlich mit Arbeiten wie „Halbwertsleben“ und „Endzeit“ auf die Fukushima-Nuklearkatastrophe des Vorjahres. Selbstverständlich gab es damals eine Vernissage. Die möchte die GfG „gerne Anfang 2021 nachholen.“

Diesen Optimismus gibt GfG-Vorstand Stefan Schrammel schriftlich. Er hat mit der 1993 gegründeten Gesellschaft für Gegenwartskunst schon manche Widerstände überwunden und wird nun auch mit seinem Architekturbüro bei laufenden Projekten wie dem Neubau der Zentralbibliotheken von Düsseldorf und Mönchengladbach oder dem Umbau des barocken Neustädter Rathauses von Hanau ebenfalls von Corona herausgefordert.

kann werktags besichtigt werden – nach Terminvereinbarung unter Telefon 0821/45535514.

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