Friedberger Kunstausstellung

17.04.2019

Ins Schloss ist die Kunst eingezogen

Aus Plastikmüll im Meer baut Andrea Groß diese Familie.
Bild: Andreas Lode

Die „Friedberger“ am neuen Ort, aber mit gewohnter Vielfalt.

Ins renovierte Wittelsbacher Schloss ist die 39. Friedberger Kunstausstellung eingezogen. Anstelle aneinander gereihter Kojen schreitet man nun drei Räume ab, die leider etwas laut sind. Doch dafür läuft die Schau diesmal sogar drei Wochen bis zum 5. Mai. Allein wegen der vielen klingenden Künstlernamen, die hier mit neuen Werken vertreten sind, lohnt sich der Besuch der Ausstellung mit 83 Kunstwerken.

Die „Friedberger“ ist seit jeher eine Ausstellung, die Arrivierten und Debütanten die gleiche Chance gibt. Das erlaubt Neuentdeckungen wie Christina Fink-Reuter mit ihrer Papierarbeit „Du hast alles gesagt“. Hier bleiben nur die Fetzen einer Beziehung und Erinnerungsbilder, die in Stücke zerrissen sind, wie ein gefleddertes Federkleid flattern die beschriebenen Streifen im Luftzug. Manuel Nitschner setzt in seinem Gemälde den Vögeln Häuschen auf den Kopf, ihr Heim ist ihr Helm, die Vogelfreiheit ist der Schutzbedürftigkeit gewichen. Spektakulär ist das Bild von Georg C. Wirnharter: Der Künstler geht in die Hocke vor der monumentalen Plastik Ron Muecks „A Girl“ – ein monströs aufgeblasenes Neugeborenes, das so gar nichts Niedliches an sich hat.

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit Eva

Inniger „Zuneigung“ huldigt Ingeborg Prein mit ihren schmal-spitz stilisierten Terrakotta-Büsten eines Paares, die antik-ägyptische Anmut zeigen. Gabi Papesch biegt Eisendraht zu einem gezähmten Gespinst – komplex in der Linienführung und doch ein geschlossenes Ganzes. Gabriele Hornauer lässt zeichnerisch einen dunklen Kokon schweben und erzählt mit spiraligen Linien die Geschichte eines Absprungs. Brigitte Hornung entdeckt unter schollig abplatzender Farbe ein neues, geheimes Leben. Gabriele Stolz malt eine gedankenschwere künstlerische Auseinandersetzung mit Eva, während der altersweise Maler Wilhelm Eger die Geschlechter farbenfroh und locker aquarelliert.

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Bei all ihrem Witz ist die Familien-Collage von Andrea Groß durchaus ernst zu nehmen, denn sie besteht aus lauter Meeres-Plastikmüll. Als wären es rostige Eisenplatten, muten die Gemälde von Tobias Freude an: Rau, schrundig, abgeplatzt zeigt sich der Malgrund, dem eine zerstörerische Zeit eingeschrieben ist. Fast schwindlig wird dem Betrachter vor Regine Luebs Bild von Binsen im bewegten Wasser in poppigen Farben.

Beklemmend wirkt die kleine Skulptur von Rainer Bruland: Eine sichtlich verzweifelte Frau steht am äußersten Rand einer abschüssigen schwarzen Klippe. Die Antwort darauf gibt Frank Pompè im Innenhof in der Skulptur „Der Erlöste“ aus einem schmalen, mit der Kettensäge narbig verletzten Stamm, der dennoch Ruhe und Frieden ausstrahlt.

Laufzeit bis 5. Mai; geöffnet Di. bis Sa. 14-18 Uhr, So./Fei. 10-18 Uhr; am (Oster-)Montag ist geschlossen. Es ist ein Katalog (5 Euro) erschienen.

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