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Sprache

18.05.2020

Ist das Schwäbische in Corona-Zeiten besonders gefährlich?

Wenn mit viel Spucke gesprochen wird, kann es in corona-zeiten ungesund werden. Manche Sprachen und Dialekte sind davon mehr betroffen.
Bild: dpa

Plus "Schtrossabo" und "woisch" sind Tröpfchenschleudern. Der Augsburger Sprachwissenschaftler Werner König weiß, warum Vokale gesünder sind und man sich manche Komplimente jetzt besser verkneifen sollte.

Woran erkennt man einen Deutschen, wenn er Englisch spricht? Oft daran, dass er den „Th“-Laut, wie er etwa in „mother“ oder „thing“ vorkommt, nicht ganz korrekt aussprechen kann und sich mit einem „S“ behilft. Das könnte jetzt ein Vorteil sein. Denn das englische „Th“ entlarvt sich nun als gefährlicher „Reibelaut“. Zwischen den Zähnen gebildet und hinausgezischt, wird er zur „Tröpfchenschleuder“, die gerade nicht sehr angesagt ist.

Ungesund wird es, wenn mit viel Spucke gesprochen wird

Also beruhigt zurücklehnen, weil wir das „Th“ nicht haben? Hoppla! Beim praktischen Ausprobieren von hiesigen Mundarten – dem Baierischen und dem Schwäbischen – taucht da plötzlich das Wörtchen „Woisch“ auf, und die „Schtrossabo“ im schönsten Augschburgisch. Ist ja genauso schlimm wie das englische „thunderstorm“ (Gewittersturm)!“ Wie gesund ist denn das Baierische und Schwäbische? Nachfrage bei einem, der es wissen muss: bei Prof. Werner König, jahrzehntelang Sprachwissenschaftler an der Universität Augsburg und Herausgeber des 16-bändigen Sprachatlasses von Bayerisch-Schwaben.

Werner König

Er lacht erst einmal bei der Anfrage, lässt sich aber sogleich davon anstecken, hier genauer hinzuschauen. Seine erste Feststellung: „Ungesund wird es, wenn mit viel Spucke gesprochen wird.“ Und wenn diese weit fliegt – und womöglich auf einen anderen trifft. Kaum Spucke gebe es, wenn wir Vokale sprechen - a-e-i-o-u – deutsche Wörter sind voll davon. „Da wird im Grunde nur auf verschiedene Weise ausgeatmet“, sagt König, „Tröpfla gibt’s hier weniger.“

Ist das Schwäbische in Corona-Zeiten besonders gefährlich?

Die Niederbayern sprechen sogar oft dort noch Vokale, wo eigentlich keine sind – haben also noch mehr von diesen „gesunden“ Lauten. Das „L“ wird etwa zum „i“ – aus dem hochdeutschen „Geld“ wird „Geid“. „Sehr gesund!“, meint König verschmitzt. Wobei – die Konsonanten „L“, „M“ oder „N“, die im Hochdeutschen wie im Baierischen ähnlich häufig vorkommen, seien, wenn sie ausgesprochen werden, auch „relativ ungefährlich“. Beim „M“ bleibe ja schließlich der Mund zu.

Die Franken sprechen am gesündesten

Unter den Konsonanten macht der Sprachwissenschaftler auch eine „recht gefährliche Gruppe“ aus. Ihr Name sagt es: Es sind die „Explosivlaute“ wie „P“, „T“ und „K“. Man hört es geradezu, wie die Tröpfchen explosionsartig den Mund verlassen, wie bei „Post“, „Tag“ oder „Kiste“. Etwas zurückhaltender sind unter den Konsonanten die weichen Explosivlaute“ wie „B“, „D“ und „G“. In den Mundarten der Region werden diese Konsonanten im Norden genauso wie ihre harten Gegenstücke (P,T,K) sehr weich ausgesprochen, also weniger Tröpfchen intensiv. Da wird etwa aus dem „Vater“ der „Vader“, aus dem „Tag“ der „Dag“, aus der „Post“ die „Bost“. Und wenn dieses „B“ wie bei der „Bost“ auch noch am Wortanfang steht und wie in der Schriftsprache hart ausgesprochen und „behaucht“ wird, dann werden sich wieder einige Tröpfchen mehr eingeladen fühlen, sich nach draußen zu bewegen. „Die Franken übrigens“, weist König darauf hin, dürften mit ihren „durchweg ganz weichen Lauten“ in Bayern am gesündesten sprechen.

Richtung Süden aber, etwa am Lechrain, haben sich Laute erhalten, die sehr kehlig gesprochen werden: Es ist das „Kch“, das man auch aus dem Tirolerischen kennt – wenn vom „Akcher“ gesprochen wird, sollte das Gegenüber besser einen Schritt zurück treten. Empfehlen könnte sich das auch bei den vielen schwäbischen „Sch“. Na ja, nicht nur die Schwaben hätten dieses „Sch“, sucht Werner König deren Ehre zu retten, auch das Baierische sei vor allem in seinen westlichen Teilen mit spritzenden „Sch“ reich gesegnet. Das Kompliment „fesch“, sollte man sich in diesen Zeiten also lieber verkneifen. Am besten, man bleibt beim „Mmmmm!“ Da ist alles gesagt. Völlig gesund!

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23.05.2020

<< Da wird etwa aus dem ... „Tag“ der „Dag“,... >>

Im Fränggischen wird aus dem "Tag" nicht der "Dag", sondern der "Daach", und damit haben wir am Ende wieder einen Reibelaut, der Dröbfla bilden könnte...

Man soll Gott für alles danken - auch Unter-, Mittel-, Oberfranken!

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23.05.2020

Deswehng braung mer Broggoli und Babriga im Dedrabagg..

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