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Interview

07.11.2019

Jürgen Endres: „Augsburg ist oft das Tour-Schlusslicht“

Jürgen Endres hat als Booker bei der Kantine aufgehört.
Bild: Endres

Plus Jürgen Endres hat als Booker in der Musikkantine aufgehört. Knapp 20 Jahre hat er Bands nach Augsburg geholt. Warum es Konzerten hier oft an Besuchern fehlt.

17 Jahre waren Sie der Booker der Augsburger Musikkantine. Nun haben Sie dort aufgehört. Warum?

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Jürgen Endres: Ich habe mich schon länger nach etwas anderem umgeschaut. Ich bin jetzt 46 Jahre – der Berufsjugendliche wird auch einmal alt. Ich will im Nachtleben kürzertreten. Die Konzerte der Kantine dürfen jetzt jüngere Leute buchen, die näher am Puls der Zeit sind.

Sie sind total vernetzt in der Szene und haben in den vergangenen Jahren viele bekannte Bands nach Augsburg geholt. Welche Konzerte waren Ihnen persönlich wichtig?

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Endres: Es war ein tolles Gefühl, Bands nach Augsburg zu holen, die ich früher selber aufgelegt habe, wie Nada Surf, Sick of it all oder Everlast, Deichkind und Beginner in der Schwabenhalle oder Wanda in der Kongresshalle waren meine größten Shows. Das freut einen als Booker, solch bekannte Namen zu holen.

Wie würden Sie Augsburg als Konzertstadt einordnen?

Endres: Schwierig! Bei den meisten Agenturen sind wir als C-Stadt eingestuft. Augsburg ist bei vielen Bands das Tourschlusslicht.

Wie meinen Sie das?

Endres: Die Konzerte in Augsburg gehören bei vielen Künstlern oft zu den drei Gigs ihrer Tour mit den schlechtesten Besucherzahlen.

Woran liegt das?

Endres: Das hat viele Gründe. Zum einem wird Augsburg oft gar nicht als Konzertstadt wahrgenommen. Ich kennen einige, die zum Konzert von Niels Frevert nach München gefahren sind. Dass er bald in der Soho Stage in Augsburg spielt, hat kaum jemand mitbekommen. Zum anderen besuchen die Augsburger weniger Konzerte von Bands, die sie nicht kennen. Nur kommen bekannte Künstler einfach nicht so häufig zu uns.

Weil Augsburg für Stars zu klein ist?

Endres: Na ja, wenn internationale Stars nach Deutschland kommen und fünf Termine haben, dann sind Berlin, Hamburg, München, Köln oder Frankfurt im Rennen. Augsburg kennt der Agent aus den USA oder UK gar nicht. Da kommt die Stadt nicht in Frage. Wir liegen zu nah an München, wo die meisten Künstler auftreten. Daneben haben viele Festivals Gebietsschutz. Bands, die bei Rock im Park, Southside oder Puls auftreten, dürfen nicht nach Augsburg kommen. So wird der Kreis von möglichen Künstlern überschaubar. Außerdem fehlt es an Veranstaltungsorten.

Es gibt einige Klubs und Hallen…

Endres: Ja, aber nicht in jeder Größe. Da gibt es das Spectrum und die Kantine. Das Ostwerk ist eine Nummer größer und dann macht es gleich einen großen Sprung zur nächst möglichen Kategorie: dem Kongress im Park. Es würde ein bezahlbarer Veranstaltungsort in der Mitte fehlen, in dem 1000 bis 1400 Menschen Platz finden. Oder allgemein geförderte Venues, so wie das Roxy in Ulm oder das Feierwerk in München. Das ist alles eine Frage der Kalkulation. Schließlich will man am Ende nicht draufzahlen.

Das Nachtleben hat es generell nicht einfach. Sie sind schon seit knapp 30 Jahren im Augsburger Nachtleben aktiv. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Endres: Es hat sich alles verändert. Netflix und Tinder machen alles schwieriger, viele Menschen müssen nicht mehr das Haus verlassen. Musik wird über Spotify konsumiert und Genres, wie Gothic oder Rock überaltern. Die Jugend fühlt sich keiner Szene mehr zugehörig. Es werden Partys mit den Hits der 90er oder 00er Jahre besucht. Aber was macht die Musik der 2010er Jahren aus? Das ist alles schnelles Fast Food, von dem nicht viel hängen bleiben wird.

Sie wechseln nun zum Konzertbüro Augsburg. Wie geht es für Sie weiter?

Endres: Ich fahre jetzt erst einmal in den Urlaub. Anfang des Jahres beginne ich im Konzertbüro. Daneben werde ich weiterhin meine Lovepop-Partys in Augsburg veranstalten und das Auflegen sehr einschränken, aber im Januar noch zum 27-jährigen Auflegejubiläum in der Rockfabrik und bei der Inbase Remember Party im Februar in der Kantine anzutreffen sein.

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