Mozartfest

21.05.2019

Kammermusik wird zum Ereignis

Maximilian Hornung, Cellist
Bild: Felix Broede/Sony

Beifallsstürme für Sarah Christian, Max Hornung, Jehye Lee und Jan Lisboa beim Mozartfest mit einem Programm von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart und Schubert.

„Die Emanzipation der Kammermusik“ klingt als Programmtitel nüchtern. Doch was die vier Musiker entfesselten, war ein sinnliches Ereignis. Die Augsburger Shootingstars Sarah Christian (Violine) und Cellist Max Hornung, Jehye Lee (2. Violine), Leopold-Wettbewerbssiegerin 2009, und Jano Lisboa (Bratsche) spielten Leopold und Amadé Mozart sowie Franz Schubert als dramaturgisch spannendes Projekt.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Leopolds Streichertrio führt zu den Wurzeln

Natürlich hatte der „Auftritt“ von Leopold mit seinem Jubiläum zu tun. Doch es war wichtig und unterhaltsam zu verfolgen, wo die Wurzeln dieser Emanzipation zu finden sind. Sein Divertimento für Streichtrio präsentiert klare Formen des Schemas, wie man Themen und Harmonien effektvoll einsetzt. Christian, Lee und Hornung zauberten mit feinsten Echoeffekten und flinker Phrasierung einen Vorgeschmack auf die Geniestreiche der beiden Großen.

Mozarts C-Dur-Quartett, KV 465, wird eingeleitet mit einer fast verstörenden, Dissonanzen-Passage. Es ist ein von scharfen Reibungen, scheinbar willkürlich mäandernden Harmonien geprägtes Feld – ein expressives Statement von Amadé: „Ich bin jetzt frei“. Wie dann aber das Werk Fahrt aufnimmt, mit lieblicher Geläufigkeit, vertrautem Esprit, dies ist schon eine Art Überraschungscoup. Und Mozart bewegt sich duftig, mit zugespitzten Ballungen, komplexen szenischen Entwicklungen im scheinbar vertrauten Raum, der immer die Grenzen berührt: die pendelnden Stimmungen des 1. Satzes, die Romanze, das Scherzo-Menuett, das doppelbödige Finale. Die Musiker inszenierten dies mit grandiosen Kontrastfarben, geschmeidiger Virtuosität.

Ebenso erlebte man Schuberts „Tod und das Mädchen“. Die scharf pochenden Eingangspassagen, das bebende Ineinander der metrischen Finessen in der Themenentfaltung, der wie von einer anderen Welt anmutende Trauermarsch mit fahler Entrücktheit, die im Sechsachteltakt rasant verschlungenen Katarakte des Finales – dies modellierten die hinreißend führende Sarah Christian mit ihrer impulsgebenden Co-Geigerin Jehye Lee, Bratscher Lisboa und Max Hornungs intensiv präsentes Cello im bezwingend organischen Fluss. Beifallsstürme.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren