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Konzert

10.02.2020

Karl Krafts großes Rumoren mit neun Blechbläsern

Bild: Karl-Kraft-Gesellschaft

Er war 53 Jahren Augsburger Domorganist. Von seinen über 1000 Kompositionen sind noch nicht alle aufgeführt worden. Darum sorgt sich nun die Karl-Kraft-Gesellschaft in Augsburg.

So lange saß außer ihm niemand auf der Orgelbank im Augsburger Dom. Auf 53 Dienstjahre brachte es Karl Kraft (1903–1978) und er interpretierte nicht nur die Werke anderer Meister, sondern schrieb auch selbst über 1000 Kompositionen. Einige davon harren noch immer der Erstaufführung, so das Concerto breve Nr. 2 d-Moll für Blechbläser und Orgel. Dank der 2014 gegründeten Karl-Kraft-Gesellschaft war es am Samstagabend im Dom zu hören.

Hatte man noch die transparenten Choralpartiten „O Jesu, all mein Leben“ und „Ich will dich lieben“ im Ohr, die Claudia Waßner innig-zurückhaltend vortrug, gab’s beim Bläser-Concerto das große Rumoren. Mit Fanfaren setzte die Orgel ein, gravitätisch schreitend, ehe das geballte Blech mit je vier Trompeten und Posaunen und einer Tuba triumphal respondierte. Zu diesen Akkordkaskaden könnte ein Kaiser samt Gefolge prunkvoll in den Dom einziehen. Nur kurze Erholung bot das Intermezzo mit vornehmem Jubilieren der Orgel, ehe ein feuriges Finale die Emotionen aufpeitschte.

Für den Gauleiter vertonte er drei Lieblingslieder

Kraft schrieb dieses Concerto im barocken Stil 1941, als er sich vor dem argwöhnischen Naziregime zurückzog, immer in Sorge, als Soldat eingezogen zu werden. In den 30ern hatte er, so sein bester Kenner Julian Müller-Henneberg, noch versucht, sich mit Ergebenheitsadressen zu salvieren.. So vertonte er drei Lieblingslieder von Schwabens Gauleiter Karl Wahl, bekannte aber in einem Brief an einen Freund, der Marsch sei „ein Fetzen Papier, in dem du mich nicht wiedererkennen wirst“.

Domkantor Müller-Henneberg skizzierte beim Empfang im Haus St. Ambrosius, wie Kraft zu den vier Staatsformen stand, die er erlebte. Der gebürtige Münchner habe sich eigentlich nur mit dem konservativen Bayern identifiziert und stand treu zur katholischen Kirche. Dabei las er Heidegger, Benn und Claudel. Musikalisch ließ er sich neben Seicento und Spätromantik auch auf impressionistische Klangwelten ein.

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