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Tuiachs Thesen

11.09.2019

Kolumne: Ach was Currywurst … Schupfnudeln!

Bild: Silvano Tuiach

Der Kabarettist Silvano Tuiach findet, dass die Currywurst zu den großen Errungenschaften der deutschen Küche zählt.

Ich habe den Eindruck, es gibt mehr Streit über die Erfindung der Currywurst als über die Ursachen des Ersten Weltkriegs. Viele wollen sich diese „tolle“ Erfindung ans Revers heften. Und der Streit darüber wird wohl weitergehen. Na ja, verständlich, ist die Currywurst doch einer der großen Errungenschaften der deutschen Küche. Und die Fans der Currywurst sind zahlreich. Man denke nur an den Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Dessen erste Ehe, glaubt man den Gazetten, ging ja den Bach runter, weil Hillu ihm sein Leibgericht nicht (mehr) zubereiten wollte.

In diesem Zusammenhang ist es gut, dass die Erfindung der Augsburger Schupfnudeln historisch gesichert ist. Es trug sich also zu im Jahre 1596 im Sauren Greinswinkel im Ulrichsviertel. Da lebte das Ehepaar Fürchtegott und Berta Schindelmayer. Und das Leibgericht von Fürchtegott waren Engerlinge, die Berta im Garten ausgraben und für ihn zubereiten musste.

Sie formte Engerlinge aus Teig nach

Im heißen Sommer 1596 (ja, auch damals gab es schon heiße Sommer!) gab es plötzlich keine Engerlinge mehr. Das aber wollte Fürchtegott nicht einsehen und an einem Morgen, als er in die Feilenhauerwerkstatt in die Spitalgasse ging, schubste er voller Wut seine Frau gegen die Haustür und schrie sie auch noch an: „Du alte Schupfnudel!“ Das ließ Berta sich nicht bieten. Sie kratzte in der Küche das letzte Mehl zusammen und formte die Engerlinge aus Teig nach. Als Fürchtegott am Abend nach Hause kam, verlange er nach Engerlingen. Seine Frau brachte ihm den Teller mit den „falschen“ Engerlingen und sie hatte schon ihre paar Habseligkeiten zusammengepackt, um im Konfliktfall schnell das Haus verlassen zu können. Aber siehe da, Fürchtegott war begeistert! „Sie schmecken zwar etwas anders aber auch gut, morgen bitte mehr davon“. Und Berta taufte dann die falschen Engerlinge auf den Namen „Schupfnudeln“.

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Auch die Nachbarn wollten jetzt das Rezept. Und so verbreitete sich diese Köstlichkeit über das Ulrichsviertel hinaus in ganz Augsburg. Sogar die Familie Fugger servierte es ihrem Gesinde. Und noch heute gibt es auf jedem Bürgerfest und auf dem Christkindlesmarkt diese Augsburger Spezialität. Heute werden aber den Schupfnudeln vom anderen Augsburger Leibgericht, der Bosna, der erste Rang streitig gemacht. Die Bosna übrigens geht zurück auf … Doch das ist eine andere Geschichte!

***

An dieser Stelle blickt der Kabarettist Silvano Tuiach für uns auf das Geschehen in Augsburg und der Welt.

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