Newsticker

Pflicht-Corona-Tests: Einreisende aus Risikogebieten müssen sich ab Samstag testen lassen

Tuiachs Thesen

30.01.2020

Kolumne: Die neue Religion "Essen"

Bild: Silvano Tuiach

Der Kabarettist Sivano Tuiach findet, dass Essen religiöse Grundbedürfnisse heutzutage befriedigt und zum Glaubensstreit führen kann.

Für Friedrich Nietzsche stand vor 150 Jahre fest: „Gott ist tot“. Die großen Kirchen gibt es immer noch, auch die Fronleichnamsumzüge, aber die Bedeutung der Religion im alltäglichen Leben ist an die Peripherie gedrängt worden – und ich glaube, dass das nicht nur mir so vorkommt. Allerdings ist das religiöse Bedürfnis nicht totzukriegen, wenn ich das mal so salopp mit Nietzsche sagen darf. Nur werden diese Bedürfnisse jetzt mit säkularen oder esoterischen Inhalten gefüllt: Selbstoptimierung und Sternzeichen. Als relativ neue und quasi-religiöse Erscheinung fiel mir jetzt die Hinwendung zum „bewussten Essen“ auf. Der trivial-komische Satz „Der Mensch ist, was er isst“ hat mittlerweile eine neue Wichtigkeit bekommen. Früher haben sich die Menschen an der Glaubensfrage protestantisch oder katholisch geschieden, heute an der Frage vegetarisch oder vegan.

Immer mehr Menschen kaufen Bio im Supermarkt, auch wenn die ökologische Herkunft der Ware zum Beispiel bei Bio made in China suspekt ist. Der Glaube machts möglich. „Gluten- und laktosefrei“ – ob medizinisch notwendig oder nicht – gehört zur gesunden Ernährung dazu. Der Veganismus wird von vielen Konsumenten als Heilmittel gegen die Katastrophen des Lebens und der Welt betrachtet.

Das geliebte Schweineschnitzel des Augsburgers

Kolumne: Die neue Religion "Essen"

Zugegeben: In Augsburg ist diese heilsbringende Änderung im Leben noch nicht so fortgeschritten, wie in anderen deutschen Großstädten. In Augsburg hat sich das Essverhalten in den letzten 50 Jahren nicht grundlegend verändert. Neun Euro neunzig ist die Obergrenze, die ein Augsburger bereit ist, in der Gaststätte auf den Tisch zu legen. Dafür bekommt er sein geliebtes Schweineschnitzel (am besten so groß wie das Wagenrad eines SUV) mit Pommes. Salat bitte nur als Garnitur. Und im Möbelmarkt wird das sogar für 3,90 Euro angeboten. Vielleicht einmal im Jahr gönnt man sich einen Zwiebelrostbraten für 15,90 Euro – am Geburtstag oder wenn man eingeladen ist.

Auf ein vegetarisches Lokal kommen in Augsburg 15 Lokale, die sich auf Burger oder Steaks spezialisiert haben. Und Achtung liebe Feinschmecker: Pizza und Döner gehören in Augsburg zu den Grundnahrungsmitteln. Periodisch kommt noch die Riesenbosna dazu. Und wenn es denn mal wirklich vegetarisch sein soll, dann werden Kässpatzen bestellt. Mahlzeit!

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren