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Tuiachs Thesen

31.01.2019

Kolumne: Sei mr uns mol ehrlich!

Bild: Silvano Tuiach

Was wäre Sprache ohne Phrasen und Floskeln? Dem Kabarettist Silvano Tuiach fallen auf Anhieb ein paar ein, die mit Augsburg in Verbindung stehen.

Kommunikation ist eine seltsame Angelegenheit. Man geht ja davon aus, dass sie mit jedem Gesprächspartner (Gatte/Gattin, Kollegen, Vorgesetzte, Untergebene, Zufallsbekanntschaften) funktioniert, gleichzeitig merken wir dabei, dass die Kommunikation immer anders ist, je nach Gesprächspartner. Wir sprechen also immer anders.

Umso wichtiger sind da die Phrasen. Sie bieten Halt und Rückversicherung und wirken wie ein Schmiermittel unserer Alltagssprache. Auch unsere Heimatsprache, das „Hochschwäbische“, das in Augschburg gesprochen wird, kennt ein großes Repertoire. Hierzulande wird zum Beispiel jeden Tag tausendfach ausgesprochen: „Sei mr uns doch mol ehrlich!“ Schön an dieser Aufforderung ans Gegenüber ist der doppelte Sinn dahinter. Der Sprecher bringt zum Ausdruck, er kenne die Sachlage besser und meint es ehrlich; zum Zweiten bezweifelt er implizit die Grundehrlichkeit des Gegenübers.

"Wir sind gut aufgestellt"

In diese Kerbe schlägt auch die Phrase: „Mach mr uns doch nix vor!“ Auch hier scheint durch: Ich mache mir nichts vor, aber du lügst dir in die eigene Tasche! Schön ist auch der Satz: „Da brauch mr gar net drüber reden.“ Denn auch hier bringt der Sprecher zum Ausdruck, dass seine Haltung/Meinung zu einem Problem einen hohen Wahrheitsgehalt hat. Herrlich ist auch die Augsburger Einverständniserklärung „basst scho“. Also, so ganz zufrieden ist der Adressat nicht mit dem, was der Sprecher sagt, aber im Großen und Ganzen ist es akzeptabel.

Phrasen gibt es natürlich auch im Hochdeutschen. Vor etwa zehn Jahren sagte jeder Bänker im Fernsehen: „Wir sind gut aufgestellt.“ Hat Gott sei Dank nachgelassen.

Ein leidenschaftlicher und unerbittlicher Phrasendrescher ist auch FC Bayerns Rummenigge. Seit fünf Jahren beendet er jedes, wirklich jedes Interview mit der Floskel „am Ende des Tages“. Und er findet Nachplapperer.

Eine schöne Phrase kam früher immer von Verkäufern in Modegeschäften: „Das können Sie auch gut zur Jeans tragen.“ Aber Jeans und edles Sakko („Kittel“ bei uns) sind auch nicht mehr so der Hit. Einer meiner Bekannten beschließt jede seiner Reden mit „Woisch wie i moin?“ Darauf sage ich: „I bin doch net bled, oddrrr?“

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01.02.2019

Ja mei. Kasch nix macha. Des isch halt so.

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