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Nachlass-Versteigerung

14.02.2020

Komode für 123.500 Euro: Auktion der Rekorde bei Rehm in Augsburg

Voller Auktionssaal, dazu mehrere hundert Fernbieter: Georg Rehm musste seine ganze Routine aufbieten. Hinter ihm das Defregger-Bild „Der Urlauber“.
Bild: hks

Plus Im Auktionshaus Georg Rehm blieb so gut wie nichts liegen, aber Vieles verzehnfachte die Taxe. So stieg ein barockes Kommoden-Paar von 9500 auf 123.500 Euro.

Schon zur Halbzeit waren alle Rekorde einer Rehm-Auktion gebrochen. So gut wie nichts blieb liegen, so gut wie alle Taxen wurden für barocke Angebote übertroffen, oft um mehr als das Zehnfache. Als der Augsburger Patrizierschrank von 5500 Euro auf 24.000 Euro stieg, ging ein Raunen durch den knallvollen Auktionssaal, ebenso beim Aufstieg des Braunschweiger Aufsatzsekretärs von 2800 Euro auf 10.500 Euro oder des Frankfurter Pilasterschrankes von 2200 Euro auf 16.000 Euro. Aber beim Höhenflug des fränkischen Paars höfischer Kommoden, im Katalog mit 9500 Euro gelistet, trat Stille ein – bis Georg Rehm seinen kleinen Elfenbein-Hammer bei 123.500 Euro aufs Pult schlug. Da brach Applaus aus.

Diesen Applaus darf sich eine ganze Antiquitätensparte zugutehalten, nämlich die Abteilung Möbel, speziell des Barocks. Mit seinen niedrigen Taxen reagierte Rehm auf die gesunkene Wertschätzung dieser einst heiß begehrten Möbel, verstand sie aber auch im Vertrauen auf die auserlesene Qualität des Angebots als strategisches Lockmittel. Der Erfolg sollte ihm recht geben. Den hatte er zuvor schon bei Schmuck und Silber, Letzteres vor allem aus Augsburg der Barockzeit und angeführt von den vier vergoldeten Prunkleuchtern des E. A. Drentwett.

Die dominante Münchner Schule ist bei den Gemälden sehr gefragt

Sie ließen mit 25.000 Euro die Schätzung von 4000 Euro meilenweit hinter sich. Am zweiten Tag dieser Auktion, vorwiegend aus dem Nachlass des Münchner Kunst- und Antiquitätenhändlers Florian Forchhammer (1965–2019), setzte sich die Rekordflut fort. Diesmal weniger überraschend, abgesehen von „Ausreißern“ wie zwei Friedberger Fayencekrügen, die es von 250 bzw. 260 Euro auf 8000 bzw. 11.000 Euro schafften, und der frühbarocken Holzmadonna, die von 950 Euro zu 34 000 Euro aufstieg. Die dominante Münchner Malschule des 19. Jahrhunderts erwies sich weiter stark gefragt. Auf Favoriten wie Voltz, Braith, Zügel, Eberle, Wopfner, Kaufmann, Stuhlmüller, Wenglein war mehr als Verlass. Und auch der mit je 18.000 Euro für zwei Genrebilder am höchsten taxierte Tiroler Franz von Defregger ließ die hohen Erwartungen nicht im Stich: „Der Urlauber“ und „Die Nachricht“ gingen für 125.000 bzw. 200.000 Euro an private Bieter. Das Tiroler Landesmuseum in Innsbruck möchte sie nächstes Jahr zum 100. Todestag Defreggers ausstellen.

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Am Ende dieser 290. Versteigerung, die das 40-jährige Jubiläum seines Kunstauktionshauses veredelte, blickte Georg Rehm schon wieder voraus. Er ließ wissen, dass bei der nächsten Auktion im April eine  „zweite Forchhammer-Ladung“ aufgeboten werde, darunter weitere 45 meist barocke Möbel. Der Erlös aus der Nachlass-Versteigerung kommt der von Florian Forchhammer verfügten kulturellen Stiftung zugute.

Mehr zu den Hintergründen dieser Auktion finden Sie in folgendem Artikel:

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