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Konzert
29.09.2019

Dame hält Hof

Auf Youtube gehen Dames Songs viral, in den Konzerten, wie hier im Ostwerk, feiern ihn seine Fans.
Foto: Mercan Fröhlich

In den Hip-Hop-Himmel wird der Salzburger Rapper mit seinem neuen Album „Zeus“ wohl nicht kommen. Trotzdem feiern ihn seine Anhänger im Ostwerk, denn ihnen geht es um mehr als die Songs

Die letzten Konzerte des Salzburger Youtube-Rappers Dame (mit bürgerlichem Namen Michael Zöttl) in Augsburg sind ein Spiegelbild seines stetig wachsenden Erfolgs: Von einer eher luftig gefüllten Kantine vor zwei Jahren zu einer ausverkauften Kantine letztes Jahr bis zu einem bis zum Bersten gefüllten Ostwerk anlässlich der Tour zum neuen Album „Zeus“ am vergangenen Freitagabend. Gefüllt mit teilweise sehr weit gereisten Fans der Dame- „Army“. Das mag martialisch klingen, ist aber im Kontext von Youtube ein übliches Phänomen: Ein Video geht – in Dames Fall ein Song innerhalb der Gamingszene – viral und bekommt innerhalb von kurzer Zeit eine Reichweite, von der Künstler aus der grauen analogen Vorzeit nur träumen können. Fans schließen sich zur sogenannten „Army“ zusammen – mit dem Resultat, dass es oft mehr um die Person an sich als um deren Kunst geht.

Dame schreibt lupenreine Poppsongs

Die vom knapp 90-minütigen Auftritt euphorisierten Follower schätzen Dames Bodenständigkeit, seine Bescheidenheit und – ein wichtiger Aspekt in der Youtube-Welt – seine Echtheit. Nur, Echtheit alleine macht keinen guten Hip- Hop. Und „ein richtiger fetter Hip- Hop-Abend“ wurde ja eingangs von Vorband und Sidekick in Personalunion, Mace, angekündigt.

Allein: In den Hip-Hop-Olymp darf Dames „Zeus“ wohl nicht einziehen. Gesungene Hooklines, unterstützt von hunderten von Kehlen vor der Bühne, unterbrachen die kurzen, mit wenig Witz und überschaubarer Reimtechnik vorgetragenen Rap-Parts der Songs. Auf smartes Storytelling, gute Wortspiele und die fürs Genre typischen „Wie-Vergleiche“ („du hast keine Grauzone so wie Stracciatella“) musste man verzichten. Eine Zeile wie „Ich hab so Angst dich zu verlieren“ aus gleichnamigem Stück repräsentiert die vorherrschende Thematik: Eben alles, was einen ob der Wucht des auf ihn einprasselnden Lebens verunsicherten Heranwachsenden so beschäftigt.

Textlich dachte man also eher an Andreas Bourani oder Max Giesinger, und siehe da, als Dame sich die Westerngitarre umhängte, um einen Song in seiner ursprünglichen Form vorzustellen, wurde ein Schuh daraus: Dame schreibt lupenreine Popsongs. Auf der Bettkante mit der Gitarre auf den Oberschenkeln. Das kann schnell kitschig klingen („die Frühlingsknospen sprießen“), aber es ist selbst gemacht und die Nahbarkeit, vor der seine Fans den Hut ziehen, ist nachzuvollziehen. Schade nur, wenn dann dieser harmlose, aber ehrliche und persönliche Song nach der Hälfte von den Autoscooterbeats, die den Rest des Abends dominieren, zugepflastert wird.

Der Mann an den Reglern ist so viel DJ wie jemand, der Fertiggerichte in Mikrowellen schiebt, Sternekoch ist. Von einer Plattenkiste ist weit und breit nichts zu sehen, Kopfhörer braucht er nicht und der Sound bleibt gleich, egal ob er Knöpfe dreht oder das Publikum mit seinem Telefon filmt. Samples sucht man vergeblich, Scratches gibt es keine. Die Musik besteht vor allem aus glatt produzierten, auf maximalen Effekt getrimmten Ballerbeats, nur leider nicht so, wie Deichkind das als augenzwinkerndes Stilmittel einsetzen.

Dem Publikum macht das nichts, es tanzt und klatscht, bewegt die Arme im Takt auf und ab und verlangt lauthals und erfolgreich nach einer Zugabe. Dame nimmt seine Konzerte ernst und ist fleißig, acht Alben in acht Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Nur „wachsen Reime nicht auf Bäumen und Beats kommen nicht mit der Post“, wie die Beginner schon wussten. Qualität und Quantität sind doch zwei paar Stiefel. Was bleibt also?

Dame wird voraussichtlich nicht Headliner der großen Hip-Hop-Feste oder von den bekannten Rappern geadelt werden. Aber das ist egal. Denn hier geht es nicht um die Szene. Hier geht es um eine eingeschworene, loyale Community, die ihren Helden und sich selbst feiern. Laut, friedlich und mit Spaß in den Backen. So wie am Freitag im Ostwerk. Dabei sein ist alles.

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