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Kulturpolitik

09.06.2020

Kulturamt ist wieder für die Mühle zuständig

Die Mühle vor einem Jahr, als es noch keine coronabedingten Beschränkungen gab.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Nach sechs Jahren übernimmt das Kulturamt wieder die Verantwortung für die Kresslesmühle. Wegen der Corona-Krise werden Open-Air-Veranstaltungen geplant.

Die Kresslesmühle hat viel Wasser den Mittleren Lech runterrauschen sehen. Jetzt gibt es in Folge der Kommunalwahlen einen erneuten Wechsel. Das Bühnenprogramm der traditionsreichen Kultureinrichtung wird künftig dem Kulturamt zugeordnet, während der Bildungs- und Beratungsbereich, der sich seit der Flüchtlingsmigration 2015 im ersten Stock etabliert hat, weiter beim Büro für gesellschaftliche Integration bleibt, wie das frühere Migrationsbüro jetzt heißt. Die Umstrukturierung ist insgesamt Teil der Neuordnung in Sachen Interkultur, in deren Folge das Integrationsbüro dem Umweltreferat entzogen wurde und jetzt unter dem Dach des Bildungsreferates arbeitet. Die drei Mitarbeiter, die das Kulturprogramm der Mühle organisieren und abrechnen, gehören fortan zum Kulturbüro. Martina Wild, Bürgermeisterin und Referentin für Bildung und Migration, unterstreicht die Vorteile des Schrittes: „Die Umstrukturierung ermöglicht es dem Büro für gesellschaftliche Integration, sich stärker den Fragen der gesamtgesellschaftlichen Integration zu widmen.“

Dass diese verwaltungstechnische Änderung auch zu großen Konzept- oder Programmänderungen führt, sieht Kulturbüroleiterin Elke Seidel nicht. „Es herrscht noch überall Corona-Modus. Wir kümmern uns derzeit intensiv darum, das laufende Mühle-Programm zu retten, indem wir möglichst viel nach draußen verlegen“, erklärt sie. Die Rettungsaktion wird bereits umgesetzt. Ein Teil der Mühle-Veranstaltungen kann auf der Open-Air-Bühne laufen, die ab dem 24. Juni im Annahof aufgebaut sein wird. Um diese gemeinsame Open-Air-Location hatten sich das Evangelische Forum Annahof, Anna-Café, Kulturamt der Stadt Augsburg, Friedensbüro, der Jazzclub und die Kirchengemeinde St. Anna bemüht.

Das Leitbild von 2015 gilt weiter

Doch auch sonst, so Elke Seidel, sei die Umstrukturierung kein Startschuss für eine grundsätzliche Neukonzeption der Mühle. Die operative Programmarbeit vor Ort werde weiterhin die bisherige künstlerische Leiterin Anke Häußler übernehmen. „Auch das Leitbild, wie es 2015 von der Stadt verabschiedet wurde, gilt weiter. Wir werden das Programm weiterhin in enger Absprache mit dem Büro für gesellschaftliche Integration kuratieren“, erklärt die Kulturmanagerin. Weder für Häußler noch für die beiden anderen Teilzeitkräfte wird sich derzeit viel ändern. Organisation, Mietanfragen sowie Öffentlichkeits- und Buchhaltungsarbeit werden in der Mühle bleiben.

Das Gebäude selbst wurde ab Ende 2018 für insgesamt 1,6 Millionen Euro grundsaniert, die Toiletten wurden in den ersten Stock verlegt, ein Aufzug eingebaut. Seit Sommer 2019 gibt es im Durchschnitt wieder drei bis vier Veranstaltungen pro Woche. Newcomer des deutschen Kabaretts, für die die Mühle früher mit bis zu 300 Veranstaltungen pro Jahr eine Top-Adresse war, bevölkern die Bühne noch mit etwa 60 Auftritten im Jahr. Langjähriger Organisator ist das Konzertbüro Augsburg. Kabarett ist nach wie vor gefragt. Für heuer, erklärt Geschäftsführer Erwin Kistler auf Anfrage, seien die Vorstellungen bis Mitte des Jahres bereits ausverkauft gewesen – dann kam Corona. Mit der erlaubten Zahl von 33 Zuschauern sieht er in der Mühle derzeit keine Chance mehr für Kabarettauftritte.

Die Mühle hat eine wechselvolle Geschichte als unabhängiges Kulturzentrum, das die Stadt in politischen und integrationspolitischen Fragen oft vor sich hertrieb. Doch als Mühle-Gründer Hansi Ruile den Geschäftsführerposten 2013 nach 35 Jahren gegen den Ruhestand eintauschte, war keine Nachfolge für die einzige Kleinkunstbühne in der Innenstadt bestellt. Die Trägergesellschaft tat sich schwer, die Interkulturelle Akademie schlief ein, das Festival der 1000 Töne ebenfalls. Eine Personalentscheidung floppte, weil die 2014 eingestellte Geschäftsführerin nach wenigen Monaten aufgab. Seither hatte das Migrationsbüro das Sagen und bespielte die Bühne mit einem abgespeckten Kabarettprogramm, vor allem mit lokalen Sessions, Musikern und Vereinen. Dass das Programm jetzt unter dem Dach des Kulturbüros konzipiert wird, lässt auf eine neue, mutigere Ausrichtung hoffen.

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