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Brunnen in Augsburg

10.12.2020

Kunst im öffentlichen Raum: Warum der Herkulesbrunnen in Augsburg so beliebt ist

Herkules bezwingt die Wasserschlange Hydra. Der niederländische Bildhauer Adriaen de Vries hielt die Szene meisterhaft für einen der Augsburger Prachtbrunnen fest.
Bild: Martin Augsburger/Augsburger Wassermanagement System, dpa

Plus Der Augsburger Herkulesbrunnen des Adriaen de Vries ist künstlerisch herausragend und beliebt. Europaweit gibt es Pendants – auch im Louvre.

Zusammen mit dem Augustusbrunnen von Hubert Gerhard auf dem Rathausplatz gehört der Herkulesbrunnen des Adriaen de Vries vor dem Schaezlerpalais sowohl zur qualitätvollen Spitze als auch zum unwidersprochen beliebtesten Teil von Kunst im öffentlichen Raum Augsburgs.

Der Herkulesbrunnen ist einer der Blickfänge im Stadtbild Augsburgs

Im Winter abgedeckt und wohlgeschützt, im Sommer umringt vor allem von denen um die 30, sind sie zusammen mit dem dritten Prachtbrunnen, dem Merkurbrunnen nahe Weberhaus und St. Moritz (ebenfalls Adriaen de Vries) an städtebaulich bedeutsamen Plätzen bestens positioniert. Drei kunsthistorisch kostbare Perlen, sorgsam gestaffelt und gereiht auf Augsburgs zentraler Nord-Süd-Achse.

Zusammen bilden sie bis heute Blickfänge im Zusammenhang mit der Stadterneuerung Augsburgs um das Jahr 1600. An die 45.000 Bürger zählte damals die prosperierende Reichsstadt, die stark geprägt wurde durch Stadtwerkmeister Elias Holl – und eben die Prachtbrunnen, luxuriöser Ausdruck des Augsburger Wasserversorgungssystems auch für die Oberstadt, heute gesamtheitlich Unesco-Kulturerbe.

Herkules bezwingt die Wasserschlange Hydra

Und der technische Triumph dieser Wasserversorgung spiegelt sich gleichsam mythologisch im Herkulesbrunnen. Dort bezwingt der Kraftmensch Herkules die Wasserschlange Hydra mit ihren sieben Köpfen – so, wie der Augsburger Tatmensch mithilfe der Wassertürme die bis dato leitungslose Wasserversorgung in der Maximilianstraße bezwang. Man schaue auf die Krallen der Hydra, die sich unter den Schlägen der Feuerkeule noch krampfhaft festklammern will am dreiseitigen Sockel aus Salzburger Marmor – aber eben doch abrutscht. Drum herum gruppieren sich jeweils drei Nymphen, Knaben mit Gänsen und Tritonenbüsten. Ein dynamisches, rundsichtig-spektakuläres Meisterwerk des Manierismus – den Barock antizipierend.

Berühmter und bis heute hochgehandelter Schöpfer war der um 1550 in Den Haag geborene Adriaen de Vries, der erste, wichtige Erfahrungen in der Florentiner Werkstatt des Giovanni da Bologna sammelte. Später arbeitete er hauptsächlich für den extrem kunstbegeisterten Kaiser Rudolf II. in Prag. Aber auch Aufträge anderer Adelshäuser nahm er an, so für den sächsischen Kurfürsten Christian II., für den dänischen König Christian IV., dazu für die aus Savoyen, zu Holstein-Schaumburg, von Waldstein. Auch durch Kriegsbeute ist das Œuvre Adriaen de Vries’ heute über ganz Europa verteilt – ja bis ins Getty Museum von Los Angeles.

Die Original-Bronze des Herkulesbrunnen befindet sich im Maximilianmuseum

Dabei waren die Heldentaten des Herkules ein bevorzugtes Motiv des Künstlers. Hier ließ sich Stärke und Größe athletisch, bewegt, körperlich ausgreifend und pathetisch darstellen. Herkulesgruppen von Adriaen de Vries befinden sich – außer auf Augsburgs Maximilianstraße in Hochform – auch im Louvre, im Schloss Drottningholm sowie in der Nationalgalerie Prag. Würdige Schauplätze. Bleibt noch zu erwähnen, dass die von Wolfgang Neidhart gegossene Original-Bronze des Augsburger Herkules sich längst im Maximilianmuseum befindet, während den im Sommer wasserspeienden Prachtbrunnen mittlerweile eine Kopie ziert. Und das ist gut so angesichts der feiernden Bürger in heißen Augustnächten.

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