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Bluespots Productions

07.01.2019

Leonie Pichler hört als künstlerische Leiterin auf

Petra Leonie Pichler ist nicht mehr länger die künstlerische Leiterin von Bluespots Productions.
Bild: Christina Maria Pichler, Helle Tage Fotografie

Vor sieben Jahre gründete Leonie Pichler "Bluespots Productions" in Augsburg. Hier sagt sie, warum sie nun einen anderen Weg einschlägt.

Frau Pichler, mit einem öffentlichen Brief haben Sie bekannt gemacht, nicht mehr weiter künstlerische Leiterin des Bluespots Ensembles zu sein. Wie kam des zu diesem Entschluss?

Leonie Pichler: Es hat sich herauskristallisiert, dass meine Ziele nicht mehr denen des Ensembles entsprechen.

Worin unterscheiden sich die Ziele?

Pichler: Bluespots Productions bekommt in Augsburg seine Förderung, hat da auch sein Publikum. Ich habe im letzten Jahr viel im Ausland gearbeitet, ein kleines internationales Ensemble gegründet, das aus elf Frauen aus neun Ländern besteht, ich bin am Theater in Svendborg in Dänemark Hausregisseurin geworden und habe mit Unicef in Deutschland ein Projekt, das im Mai 2019 Premiere hat. Ich habe international gearbeitet, deutschlandweit und bei Bluespots, irgendwann waren es zu viele Bälle in der Luft.

Wo sind Sie im Augenblick?

Pichler: Ich habe im Augenblick keinen Wohnort mehr.

Also reisen Sie momentan als Künstlerin durch die Welt?

Pichler: Meine Sachen sind im Brechthaus in Svendborg in Dänemark untergebracht. Dort bin ich bis Ende Februar. Meine Wohnung in Augsburg habe ich vor über einem Jahr aufgegeben. Seitdem reise ich von Engagement zu Engagement.

Fingen Sie damals an, sich von Bluespots Productions zu trennen?

Pichler: Noch nicht so sehr vom Arbeiten. Als künstlerische Leiterin habe ich noch viel für das Ensemble gearbeitet, aber oft von woanders aus. Aufgehört im Ensemble habe ich Ende November.

Sie haben sieben Jahre nach der Gründung von Bluespots Productions losgelassen.

Pichler: Als ich gemerkt habe, dass es da wieder einen Sieben-Jahres-Rhythmus in meinem Leben gibt, ist mir fast schlecht geworden.

Warum?

Pichler: Es kristallisiert sich bei mir sehr klar heraus, dass alle sieben Jahre so ein Punkt da ist, an dem ich mich komplett verändern muss.

Sie hatten so etwas schon einmal vor 14 Jahren erlebt?

Pichler: Damals habe ich meinen Namen von Petra in Leonie geändert und mein Studium in Augsburg begonnen.

Vor sieben Jahren haben Sie sich gesagt, dass Sie frei künstlerisch arbeiten wollen, und haben Bluespots Productions gegründet. Hatten Sie damals nicht auch finanzielle Ängste?

Pichler: Das Finanzielle war mir komischerweise nie so wichtig. Es war mehr, dass es sich damals für mich seltsam anfühlte, in die Welt zu gehen und zu sagen: Ich bin Autorin und Regisseurin. Das fühlte sich haltlos an. Das waren damals sehr unsichere Jahre. Ich wünschte mir da auch Menschen, die mir sagen, dass das richtig ist, was ich mache. Gleichzeitig kann man sich nur selbst die Erlaubnis dazu geben, das zu machen, was man machen möchte. Man darf nicht zu sehr auf das Außen warten und darauf, dass von dort die Bestätigung kommt.

Die Geschichte von Bluespots Productions liest sich wie eine Erfolgsgeschichte: Vor sieben Jahre aus dem Nichts entstanden, heute ein fester Bestandteil in Augsburg.

Pichler: Alle Wünsche, die ich vor sieben Jahren hatte, sind erfüllt worden. Ich habe immer für die bestmöglichen Rahmenbedingungen gekämpft, mir immer gedacht: Wenn wir eine feste städtische Förderung haben, wenn wir Planungssicherheit haben, wenn wir ein Publikum haben, dann kann man wirklich schaffen. Plötzlich war das vor einem Jahr alles eingetroffen, und mir haben mein Kampf und mein Ziel gefehlt.

Wie geht es jetzt bei Bluespots Productions weiter?

Pichler: Da wird es jetzt nicht mehr eine künstlerische Leiterin geben, sondern ein Team, vor allem aus den Leuten, die schon lange dabei sind.

Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie jetzt an Bluespots denken?

Pichler: Unser erstes Büro in der Alten Gasse, die Bakery. Und diese Energie, ganz groß zu träumen und ein Ensemble zu haben, das zu nichts „Nein“ sagt. Es waren ja viele größenwahnsinnige Ideen dabei: „Brecht hoch 3“ hat drei Kontinente miteinander verbunden, die „Winterreise“ hatte 24 Spielterminen. Genau das hat mir immer am Stadttheater gefehlt: ganz frei denken zu dürfen, ganz frei handeln zu können, flexibel und schnell zu sein. Im Bluespots Ensemble waren zudem immer großartige Menschen.

Sieht man Sie zur nächsten Bluespots-Premiere im Brechtfestival?

Pichler: An dem Termin habe ich selbst in Dänemark eine eigene Premiere. Ich komme danach vorbei. Ich bin aber immer noch Bluespots-Mitglied, aber ich werde nicht mehr federführend sein. Das Ensemble muss jetzt eine neue Handschrift finden.

Wie geht es bei Ihnen weiter?

Pichler: Nach der Premiere in Svendborg steht das Unicef-Projekt an. Es wird in 100 Städten in Deutschland im öffentlichen Raum stattfinden. Einer der Orte wird Augsburg sein, der Rest ist noch geheim.

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