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Landkreis Augsburg

02.08.2019

Liebe macht Rehe blind und steigert die Unfallgefahr

Das sonst so scheue Rehwild verliert während der Paarungszeit seine natürliche Scheu
Bild: Erich Marek (Archiv)

Jetzt ist auch im Augsburger Land Paarungszeit. Die Verfolgungsjagden gehen über Kilometer und führen immer wieder quer über die Straße.

Dieser Unfall ist typisch für die Jahreszeit. Ein 22-jähriger Autofahrer war Donnerstagfrüh gegen 5.45 Uhr auf der Kreisstraße A2 von Siegertshofen in Richtung Fischach unterwegs. Kurz nach Tronetshofen sprang ihm plötzlich von links ein Reh vor das Fahrzeug. Der junge Mann versuchte laut Polizei auszuweichen, geriet auf der regennassen Fahrbahn allerdings ins Schleudern und krachte in die Leitplanke auf der Gegenfahrbahn. Fahrer und Reh blieben zwar unverletzt, der Hyundai des 22-Jährigen war jedoch nicht mehr fahrbereit und musste abgeschleppt werden. Im Einsatz waren bei dem Unfall zehn Kräfte der Feuerwehr Willmatshofen. Der Gesamtsachschaden beläuft sich auf 3500 Euro.

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Dass dieser Unfall kein Einzelfall ist, hat einen besonderen Grund. Denn: Die Rehe sind im Liebesrausch. „Das Naturschauspiel ist im vollen Gange“, teilt der Deutsche Jagdverband (DJV) mit. Während der Paarungszeit steigt auch stets die Gefahr von Wildunfällen. „Die Rehe sind jetzt auch tagsüber unterwegs und queren plötzlich Straßen“, erklärt der DJV.

Verfolgungsjagd kann sich über mehrere Kilometer erstrecken

Reges Treiben herrscht in der Zeit von Ende Juli bis Mitte August. Hat der Bock seine Verehrerin gefunden, folgt eine stundenlange Verfolgungsjagd, die sich über mehrere Kilometer erstrecken kann. „Blind vor Liebe rennen die Rehe häufig unachtsam über die Fahrbahn. Sie gefährden sich und sämtliche Autofahrer“, warnt Pressesprecher Torsten Reinwald. Verkehrsteilnehmer sollten daher vor allem an der Wald-Feld-Kante besonders langsam fahren und sich auf plötzlich auftauchendes Rehwild einstellen: Nach der Ricke kann der Bock oder das Kitz folgen.

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Vermieden werden kann ein Unfall durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit. Wer an den kritischen Punkten auf der Landstraße beispielsweise mit Tempo 80 statt 100 fahre, verkürze den Bremsweg um 35 Meter und erhöhe so die Chance, einen Aufprall zu vermeiden. Dennoch sind allein im vergangenen Jagdjahr fast 192.000 Rehe bei Wildunfällen ums Leben gekommen. Insgesamt ermittelt der DJV nach eigenen Angaben jährlich zwischen 200.000 und 250.000 Kollisionen mit Hirsch, Wildschwein oder Reh. Die Dunkelziffer liege jedoch vermutlich fünfmal so hoch.

Lenkrad festhalten und Vollbremsung

Für das Augsburger Land verzeichnet das Tierfund-Kataster vor allem Funde auf der Strecke zwischen Lauterbrunn und Emersacker sowie für den Bereich nördlich von Altenmünster. Ist ein Zusammenstoß unvermeidbar, gilt: „Lenkrad festhalten und mit voller Kraft bremsen. Unkontrolliertes Ausweichen kann den Gegenverkehr gefährden“, rät Reinwald.

Wildunfälle oder Tierfunde an der Straße lassen sich seit einiger Zeit ganz einfach über ein Tierfund-Kataster erfassen. Aus diesen Daten ermitteln Wissenschaftler Wildunfall-Schwerpunkte, die anschließend entschärft werden sollen. Das Kataster ist im Internet zu finden unter www.tierfund-kataster.de.

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