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Theatergastspiel

05.08.2018

Mammon, Tod und Teufel - „Jedermann“ in Augsburg

Im Innenhof des Parktheaters wurde als Open-Air Hofmannsthals „Jedermann“ gegeben.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das Salzburger Kult-Stück „Jedermann“ in der Fassung der Comparserie München lockt erstaunlich viele Leute ins Parktheater.

Mit der Premiere hat sich Karl-Arthur Reinshagen (verantwortlich für Inszenierung und die Rolle des „Tod“) seinen lange gehegten Lebenstraum erfüllt. Seit Herbst 2017 hat er mit seinem Laien-und Kleindarstellerensemble den „Jedermann“ einstudiert. So weit, so statthaft. Natürlich spricht nichts dagegen, Hugo von Hofmannsthals „Kult-Stück“ auch andernorts als vor der Salzburger Domkulisse zu präsentieren.

Dort dient das Theaterstück vom „Sterben des reichen Mannes“ seit 1920 insbesondere auch dazu, hochkarätigen Schauspielern den Aufstieg ins Reich der Theater-Legenden zu sichern; es gilt als Ehre, die Rolle des Jedermann, der „Buhlschaft“, des Tods oder der unnachgiebigen „Mutter“ zu spielen oder als „Glaube“, als „Werk Jedermanns“ oder als „Mammon“ zu glänzen. Selbst wenn, wie in diesem Jahr, Tobias Moretti als Jedermann-Interpreten von Kritikern „Lustlosigkeit“ attestiert wird, ist die Gesamtatmosphäre des Traditionsevents so bezwingend, dass sich die Anreise ins Jedermann-Mekka Salzburg allemal lohnt.

Szenisch holperte es

Wer neugierig war auf die in Göggingen gezeigte Version, wurde mit einer fraglos nach bestem Vermögen, Wissen und mit Hingabe einstudierten Amateur-Inszenierung konfrontiert, zu der erstaunlich viele Zuschauer ins Parktheater kamen. Im Stück war leider wenig Sinn für gutes Kostüm-und Bühnendesign auszumachen, szenisch holperte es entsprechend, da fanden sich mehr Längen als Tiefe und Spielwitz.

Erstaunlich gut schlugen sich Bartholomäus Sailer, der seiner Titelfigur mit geistreicher Standhaftigkeit Kontur verlieh, ebenso wie seine „teuflisch“ raffinierte Gesellin Stefania Anna Winkler, die berechtigten Szenenapplaus für ihre final-frische Satans-Tirade erhielt. Souverän leistete RonnyWeiserals würdevoller „Glaube“ und als „Gott, der Herr“ Überzeugungsarbeit, sodass am Ende der alleingelassene Jedermann Mammon abschwört, den Weg zum Schöpfer findet, reumütig „Rechnung gibt“ und versöhnt mit seinen Werken und seinem Schöpfer ins Grab steigen konnte.

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