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Schwäbische Galerie

25.01.2019

Materialschlacht aus Papier und Folie

Raumfüllend ist die Installation „second nature“ von Keiyona Constanze Stumpf, die sie eigens für das Museum in Oberschönenfeld geschaffen hat.
Bild: Marcus Merk

Mit Keiyona C. Stumpf präsentiert sich die Kunstpreisträgerin des Landkreises Augsburg

Es mag sein, dass sich der Ausstellungsbesucher, frei nach Friedrich Schiller, mit „Grausen wendet“, entdeckt er die raumfüllende Installation „second nature“ von Keiyona Constanze Stumpf im Erdgeschoss des Museums Oberschönenfeld. Was will die Künstlerin mit dieser eigens in die Räumlichkeit hineingebauten Materialschlacht aus Papier und Kunststofffolien beim Betrachter bewirken? Vielleicht ein bewusstes Nachdenken über Konsumverhalten oder über Schlachtbetriebe und Verwertungen.

Nein, einfach macht es die diesjährige Kunstpreisträgerin des Landkreises Augsburg in der Sparte „Dreidimensional“ (dotiert mit 2500 Euro) Kunstfreunden nicht. Können und die Qualität der Arbeiten von Keiyona Constanze Stumpf werden aber deutlich bei Betrachtung der im ersten Stock des Museums gezeigten Reliefs, Keramikskulpturen und Glasobjekte. Hier eröffnet sich eine fantasievolle Kunstwelt, werden Assoziationen an muschelartig-verspielte Rocaille-Ornamente geweckt. Jedoch sind diese bei Keiyona C. Stumpf nicht auf die im Rokoko beliebte Asymmetrie reduziert. Im Gegenteil: Bei ihr bleibt die barocke symmetrische Entfaltung das entscheidende Stilelement. Gut erkennbar auf kleinteiligen Wandarbeiten, für die zumeist der Kreis, die Urform von Vollkommenheit, die Vorgabe ist für den oft überbordenden Gestaltungswillen der Preisträgerin.

Auch die menschliche und tierische Anatomie scheint in der Formensprache der inzwischen mehrfach preisgekrönten Künstlerin eine wesentliche Rolle zu spielen, abzulesen an Keramiken, die sich durch Titel wie „corpus“ oder „Bosom buddy“ selbst erklären. Abwegig ist es nicht, solcherlei Darstellungen auch in die Welt der Fabeln und Mischwesen zu verschieben.

Aufgrund der sichtbaren Ambivalenz zwischen anscheinend offengelegten Organen oder fantasievollen Verformungen werfen diese Exponate erneut Fragen auf. Besänftigend für das Betrachterauge sind oft nur die vorwiegend in sanften Blau- und Grüntönen darübergelegten Glasuren. Das gilt auch für die „trio“ genannte, in Weiß gehaltene und mit überwiegend hellem Blau glasierte große Porzellanskulptur. Wohl eingedenk der drei aus der Antike bekannten Chariten, den miteinander plaudernden und sich zugleich voneinander abwendenden Untergöttinnen von Aphrodite, Hermes und Apollon, gestaltete die Künstlerin diese Gruppe mit musealem Anspruch.

In einer möglichen künstlerischen Rangordnung durch Ausstellungsbesucher aber stehen vermutlich die laut Stumpfs eigener Aussage neuesten Exponate aus ihrem Biburger Atelier an erster Stelle. Bildhafte, flache, hinterleuchtete Glasarbeiten wie „balance“ oder das sandgestrahlte Objekt „desiderat“. Die Wirkung der aufgrund ihrer farblosen Helligkeit sich in einem Kasten oder auch offen entfaltenden, nach oben strebenden und sich dadurch verjüngenden Blüten sind von hoher Ästhetik und absolut preiswürdig.

Oberschönenfeld, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, für Gruppen nach Vereinbarung; Laufzeit bis 10. März

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