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Interview

11.11.2019

Max Raabe: „Diese Musik ist zeitlos“

die Geschichten der 20er und 30er Jahre versucht der Sänger Max Raabe in die Gegenwart zu transportieren.
Bild: Gregor Hohenberg

Gerade hat der Sänger Max Raabe ein besonderes Konzert gegeben, das jetzt als CD erscheint. Und er erzählt, wie es dazu kam, dass er zur „Fahrradfreundlichsten Person 2019 „erklärt wurde

Heer Raabe, Sie sind ein Kenner der Musik der 1920er und 1930er Jahre. Singen viele dieser Evergreens in ihren Konzerten mit dem Palastorchester. Was fasziniert Sie an der Musik der Zeit?

Max Raabe: Das ist die Eleganz der Kompositionen, die Art und Weise, wie die Trompeten ihr Vibrato gestalten. Da ist ein Schmelz darin, diese Geigenklänge. Es ist die Zeit vor der Swingmusik, die einen besonderen Charme hat. Und dann sind es die Texte, diese Geschichten, die erzählt werden. Drei-Minuten-Opern.

Dort setzen Sie auch mit Ihren eigenen Songs an.

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Raabe: Ich habe immer Freude am Repertoire der 1920er und 30er Jahre gehabt. Das ist nach wie vor meine große Sehnsucht und Leidenschaft. Aber ich habe immer auch eigene Stücke geschrieben. Das fing an mit „Kein Schwein ruft mich an“ oder „Rinderwahn. Klonen kann sich lohnen“ an. Diese Stücke klangen nach 1920er und 30er Jahre. Da erkennt man meine Liebe für diesen Stil. Nur die Texte waren zeitgemäß und hatten etwas mit dem Heute zu tun.

Ihre Idee ist es, Mini-Opern mit Ihren Stücken zu schreiben?

Raabe: Ja, so ungefähr. Dass man eine Geschichte erzählt, die vielleicht noch eine zweite Ebene hat, die einen gewissen Humor hat und berührt. In den 1920er und 30er sind ja nicht nur komische Lieder geschaffen worden. Es gibt auch sehr anrührende Lieder und eine Haltung, Geschichten zu erzählen. Das versuche ich tatsächlich, in die Gegenwart zu transportieren.

Sind die 1920er und 1930er Jahre populärer geworden, etwa durch die Serie „Babylon Berlin“?

Raabe: Solche Trends hat es immer alle paar Jahren gegeben. Diese Frage habe ich oft gehört. Sie, Herr Raabe, Berlin soll jetzt wieder Hauptstadt werden, liegt es daran, dass ihre Musik so populär ist. Das sind gute Argumente dafür, zu sagen, dass diese Musik zeitlos ist.

Als neue CD und DVD bringen Sie Ihr MTV-unplugged-Konzert heraus. Nimmt dieses Konzert einen besonderen Stellenwert ein?

Raabe: Aber ja. Als man mich angefragt hat, habe ich gedacht: Ich bin doch kein MTV-Künstler. Das kann doch nur ein Druckfehler sein. Aber ich habe natürlich auch mit Leuten gesprochen und wie sie es sich vorstellen. Irgendwann ist mir klar geworden, dass der Witz darin liegen muss, dass ich Gäste einlade, die man mit Max Raabe nicht in Verbindung bringt, die einen Bruch darstellen. Und dann lassen sich diese Gäste auch auf unseren Stil ein.

Namika ist aufgetreten, Lars Eidinger

Raabe: Okay, Lars Eidinger, da könnte man sagen, dass der Bruch nicht so stark ist. Wenn er als Schauspieler die Moritat von Mackie Messer singt. Aber Herbert Grönemeyer zum Beispiel, der singt ein Stück von mir auf seine wunderbare Weise und so gefühlvoll, dass mir und den Gästen die Tränen in die Augen gestiegen sind.

Sie sind für die Aufnahme an einem besonderen Ort gewesen.

Raabe: Berlin hat viele tolle Säle. Mir gefällt der Spiegelsaal in Clärchens Ballhaus so gut. Er hat Jahrzehnte als Möbellager und Abstellraum gedient. Seit der Kaiserzeit sind da keine Renovierungsarbeiten mehr vorgenommen worden. Das sieht man dem Raum an. Dieser rumpelige Rahmen macht es, dass dort diese Intimität entsteht.

Zum Schluss noch eine Frage: Sie sind zur „Fahrradfreundlichsten Person 2019“ ernannt worden. Wie kam es dazu?

Raabe: Weil ich so lieb zu Fahrrädern bin. Keine Ahnung, wer auf diese Idee gekommen ist. Ich habe dieses Lied „Fahrradfahren“ geschrieben.

Und haben Sie ein gesteigertes Verhältnis zu Fahrrädern?

Raabe: Ich fahre das ganze Jahr über Fahrrad, sogar auch schon zu Preisverleihungen im Smoking. Wenn es regnet, lass ich es eher mal stehen. Aber bis zu 15 Grad findet man mich auf einem Herrenrad aus den 60er Jahren ohne Gangschaltung. \u0009Interview: Richard Mayr

Info: Max Raabe und das Palastorchester treten am Dienstag, 10. Dezember, um 20 Uhr im Kongress am Park in Augsburg mit ihrem Programm „Der perfekte Moment …wird heut verpennt“ auf. Außerdem ist soeben die neue CD und DVD Max Raabe „Mtv Unplugged“ erschienen.

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