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Maximilianmuseum
13.06.2019

Des Kaisers Handschuhe kommen in die Vitrine

Stefan Krause, Direktor der Wiener Rüstkammer (weißes Hemd), und Restaurator Klaus Wiedenbauer (gelbes Shirt) platzieren die Panzerhandschuhe Kaiser Maximilians I. in einer Vitrine. Kuratorin Heidrun Lange-Kracht (rechts unten) schaut sich das Exponat noch einmal ganz genau an.
Foto: Mercan Fröhlich

Die Vorbereitungen für die Maximilian-Sonderausstellung laufen auf Hochtouren. Dabei geht man höchst sorgfältig mit allen Objekten und den vielen Leihgaben um.

Eine Menschentraube hat sich um Kiste Nr. 396 gebildet. Restauratorin Karolin Rapp sucht den richtigen Aufsatz für ihren Akkuschrauber. Stefan Krause, Direktor der Wiener Rüstkammer, fehlt etwas. „Wo ist der Tisch, auf den wir die Objekte legen können?“ Ja klar, ein Tisch, auch der wird gebracht. „Und Papier?“, fragt Krause. Auch das ist schon vorbereitet. „Haben Sie auch Lupo?“, möchte Krause von Restaurator Klaus Wiedenbauer wissen. Der Tisch bekommt auch noch eine Lage Luftpolsterfolie. Wie bei einer OP-Vorbesprechung, sagt Rapp, die jetzt den richtigen Aufsatz gefunden hat.

Mittwochnachmittag im Maximilianmuseum, kurz vor der Eröffnung der großen Maximilian-Sonderausstellung. Einige Kunsttransportkisten stehen noch im Museum. Im ersten Raum wird gerade das Totenbildnis Kaiser Maximilians von einem Kurator des Budapester Magyar Nemzeti Muzeums ausgepackt. Oben im zweiten Stock sind es Objekte des Kunsthistorischen Museums Wien. Seit zwei Wochen geht das so im Maximilianmuseum, das Haus befindet sich im Ausstellungsendspurt. In Kiste 396 befinden sich zwei Objekte, die es auf den Ausstellungsflyer geschafft haben: zwei Panzerhandschuhe eines Prunkharnischs, die Kaiser Maximilian selbst getragen hat – vom berühmten Augsburger Plattner Lorenz Helmschmied 1485 gefertigt.

Die Rostanfälligkeit ist das Problem

Es geht los, Restauratorin Rapp löst acht Schrauben, die Neugier steigt. „Sesam öffne dich“, sagt Krause. Haben die Objekte den Transport gut überstanden? „Die Rostanfälligkeit ist bei diesen Handschuhen das größte Problem“, erklärt Krause. Beim Transport und bei der Sonderausstellung müsse darauf geachtet werden, dass die Luftfeuchtigkeit niedrig genug ist. Ein Spezialtransport hat Kiste 396 bereits am Dienstag im Maximilianmuseum angeliefert. 24 Stunden hatten die Handschuhe Zeit, sich langsam an die Raumtemperatur anzupassen.

Kiste 396 wird aufgeschraubt.
Foto: Mercan Fröhlich

Teil zwei der „OP“ beginnt. Krause hebt beherzt einen ersten Karton aus der Kiste auf den Tisch, lauter Papier, das zum Polstern verwendet wurde, kommt hervor. Museumsleiter Christoph Emmendörffer, die Projektmanagerin Christina von Berlin und die Ausstellungskuratorin Heidrun Kracht-Lange schauen zu. Langsam zeichnen sich die Umrisse des Handschuhs ab. Noch ist er in Papier eingepackt. Drei Handgriffe weiter und der unglaublich aufwendig verzierte Panzerhandschuh liegt auf dem Tisch. Krause blickt ihn zufrieden an. Keine Rostspuren, keine anderweitigen Schäden, wenn es nach dem ersten Blick geht.

Eine außergewöhnliche Mechanik

Die Prozedur wird wiederholt, ein paar Minuten später liegen die beiden mehr als 500 Jahre alten Stücke nebeneinander. „Damals waren die Rüstungen die große Abendgarderobe für den Kaiser. Diese Handschuhe sind so besonders wie heute eine Einzelanfertigung von Porsche“, sagt Krause. Filigran ist das Metall der Handschuhe beschnitten. Außergewöhnlich macht die Handschuhe die ausgeklügelte Mechanik, die Glieder sind horizontal und vertikal beweglich.

Klaus Wiedenbauer (links) und Stefan Krause vor den beiden Kartons, in denen die Handschuhe untergebracht waren.
Foto: Mercan Fröhlich

Krause nimmt die Unterlagen, die die Wiener Rüstkammer für diese Ausleihe zusammengestellt hat, schaut nach, wo die Problemstellen der Handschuhe liegen, wo Rost bereits entfernt werden musste, aber auch mit kritischem Suchen ist nichts zu finden. Es kann also weitergehen, die Objekte werden für die Präsentation vorbereitet, sie sollen in der Vitrine auf einem Keil liegen. „Die Handgelenke gerade oder durchgedrückt?“, fragt Krause. Man diskutiert.

Plexiglasblöcke müssen zugeschnitten werden

Heute werden die Prunkhandschuhe gemeinhin als Kunsthandwerk wahrgenommen, werden Künstler wie Hans Burgkmair und Hans Holbein, die ebenfalls für Maximilian I. gearbeitet haben, höher geschätzt. Vor 500 Jahren war das anders, berichtet Krause. Damals gehörten die Rüstungsschmiede zu den bestbezahlten Berufen am Kaiserhof, verdiente der Hofplattner deutlich mehr als der Hofmaler.

Von links Klaus Wiedenbauer, Heidrun Lange-Kracht und Stefan Krause sehen sich den Handschuh genau an.
Foto: Mercan Fröhlich

Der Restaurator Wiedenbauer muss noch einmal in seine Werkstatt, Plexiglasblöcke zuschneiden, die als Stützen für die Handschuhe dienen sollen. Zeit, sich umzuschauen. Krause ist angetan, was das Maximilianmuseum und Kuratorin Heidrun Lange-Kracht zusammengetragen haben. Hier ein Blatt aus dem Turnierbuch Maximilians, das Krause gerade als Nachdruck herausgeben hat, dort ein Gemälde Maximilians mit seiner Gattin Bianca Maria Sforza.

Die Finger werden ausgerichtet

Der Museumsdirektor, die Kuratorin, sie alle müssen jetzt weiter. „Das ist wie bei einem Drehtag beim Film, es gibt immer Pausen“, sagt Krause. Dann kommt Wiedenbauer mit den Blöcken, klebt sie auf dem Keil fest. In die Vitrine kommen Beutel mit einer Substanz, die der Luft Feuchtigkeit entzieht, darüber der Keil. Dann ist Krause wieder am Zug, nur er, der Direktor der Rüstkammer, fasst die Handschuhe an. Er platziert sie in der Vitrine, richtet die Finger noch aus, noch ein wenig, bis es passt. Die Vitrine wird geschlossen, die Handschuhe werden jetzt drei Monate lang nicht mehr angefasst. Ab morgen bekommt das Publikum einen Eindruck, wie groß des Kaisers Hände einmal gewesen waren.

Die Ausstellung „Maximilian I. (1459–1519) Kaiser. Ritter. Bürger zu Augsburg“ ist vom 15. Juni bis zum 15. September im Maximilianmuseum zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.

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