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Kabarett

08.11.2019

Merkels rechte Hand Simone Solga teilt aus

Simona Solga in der Stadthalle Gersthofen.
Bild: Andreas Lode

Simone Solga war in der Stadthalle Gersthofen mit ihrem Programm „Das gibt Ärger“ zu sehen. Und hinterher fühlt sie sich gut.

Simone Solga könnte ein Vorbild für unsere Politiker sein. Denn sie übernimmt Verantwortung für ihr Handeln: Seit 15 Jahren mimt sie auf den Kabarettbühnen die „Kanzlersouffleuse“, der wir all die seltsamen Äußerungen unserer Kanzlerin verdanken. Das „Wir schaffen das!“ von 2015 erklärt sie als improvisierte Schadenabwendung, die ganz auf die Blödheit der Bürger baute. Solga bekennt auf der Bühne: „Ich habe mitgearbeitet für’s Regime!“

Im Programm „Das gibt Ärger“, mit dem sie in Gersthofen auftrat, möchte sie aber all das hinter sich lassen und aus dem „Krisengebiet“ Kanzleramt, „Deutschlands bestbewachter geschlossener Abteilung“, fliehen. Als „traumatisierte Bundesbürgerin“ bittet sie in Bayern um „Asyl mit allen finanziellen Leistungen“.

Simone Solgas Haltung ist vor allem eines: politisch nicht korrekt

Ein guter Einstieg für die kleine freche Sächsin, die lange Zeit fast die einzige Frau im deutschen politischen Kabarett war. Ihr zweieinhalbstündiges Programm rechnet ab mit allen Parteien und politischen Haltungen und ist vor allem eines nicht: politisch korrekt. Genüsslich klebt sie gewitzte Etiketten auf die Politprominenz, entwirrt Widersprüche und entlarvt Heuchelei. Gute Gags und böse Bonmots wechseln einander ab: „Wie nennt man es, wenn die Leute aufhören, einander etwas vorzuheucheln? Syrien oder GroKo“, ist nur eine von vielen Pointen.

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Ihre Kindheit in der DDR ist ein Aufhänger für kuriose Vergleiche, und mehrmals nimmt sie die Angst der Menschen auf, die sich nicht mehr trauen, öffentlich zu sagen, was sie denken – aber die sozialen Medien mit Unsinn verstopfen. Ihre Aufforderung an das Publikum, in der Pause ihre Meinung auf Zettelchen zu schreiben, damit sie sie ans Kanzleramt schicken kann, wird hier allerdings kaum genutzt.

Ein Exorzismus, um die ganz Bösen in Berlin zu bannen

Die „willige Helferin“ von Merkel weiß ihr Publikum mitzunehmen und fordert es zum gemeinsamen Exorzismus auf, um die ganz Bösen in Berlin und anderen Hauptstädten zu bannen – eine läuternde Maßnahme, die wirkt: „Ich fühl mich viel besser, wie nach dem Kabarett“ – mit seiner kathartischen Wirkung.

„Ich habe Lust, meine Meinung zu sagen“, auch wenn da Herz und Hirn weit auseinanderklaffen. Dass sie es mit bissiger Schärfe tut, macht sie in dem zur Comedy neigenden Genre zu einem funkelnden Solitär. Rassisten, Feministinnen, Machtgeile und Rechthaber müssen sich da warm anziehen. Denn ihr nächstes Programm steht schon, es heißt: „Ihr mich auch“!

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