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Theater Augsburg

08.03.2018

Mit „1968“ wird es am Theater Augsburg politisch

Marlene Hoffmann, Patrick Rupar, Roman Pertl, Katharina Rehn und Sebastian Baumgart in einer Szene aus „1968“.
Bild: Jan-Pieter Fuhr, Theater Augsburg

Die Stückentwicklung von Peer Ripberger dreht sich um die Studentenrevolte und eine Utopie für das Heute.

Es geht zurück ins Jahr 1968, zurück zur Studentenrevolte, der außerparlamentarischen Opposition und dem Sommer der Liebe, zurück aber auch zu Adorno, Horkheimer und Marcuse. Peer Ripberger (*1987) hat sich anderthalb Jahre wie ein Besessener eingelesen in die Zeit, in den gesellschaftlichen und philosophischen Überbau und gleichzeitig in das Tagesgeschehen. „Ich habe tausende Zeitungsartikel der Augsburger Allgemeinen aus dem Jahr 1968 ausgewertet“, sagt er. Aus dem Material, das er zusammengetragen hat, hat er einen Text geschrieben, einen Theatertext mit hunderten Fußnoten, weil Ripberger überwiegend mit Zitaten arbeitet. Am Samstag hat seine Stückentwicklung „1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße“ auf der Brechtbühne Premiere.

Das Augsburger Publikum erwartet an diesem Abend postdramatisches Theater, das heißt Ripbergers Text sieht keine einzelnen Rollen mehr vor. Die fünf Darsteller werden dem Text einen Raum und eine Bühne bereiten, einem politischen Text, wie Ripberger sagt. Ihn treibt zum Beispiel die Frage um, wie sich Linkssein neu denken lässt und was linke Politik heute sein kann. „Ich sehe viele Parallelen zwischen 1968 und unserer Gegenwart“ – und Ripberger möchte den Diskurs über den Protest damals und deren Folgen bis heute nicht allein den 1968ern überlassen. „Denn es wurden auch Dinge erkämpft, die ich skeptisch finde“, sagt Ripberger.

Welche Themen sind noch heute virulent?

Als das Theater Augsburg auf ihn zukam und fragte, ob er ein Stück über „1968“ entwickeln könne, steckte er schon mittendrin in der Vorbereitung. Ursprünglich hatte er vor, diesen Abend an einem kleineren Haus zu inszenieren, dass es nun Augsburg geworden ist, sei umso besser.

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Angetrieben bei der Zusammenstellung des Textes hat Ripberger die Frage, welche Themen von 1968 heute noch virulent und welche noch nicht zu Ende gekämpft seien. Wesentlich ist für Ripberger auch die Auseinandersetzung mit Utopien. „Damals gab es das letzte Renaissance-Moment einer Utopie, heute haben wir keine mehr.“ Deshalb entwerfe er im zweiten Teil des zweistündigen Abends eine Utopie – einen Idealzustand, an dem man sich als Zuschauer auch reiben könne. „Mir gefällt diese Utopie, die ich beschreibe, aber es wird sicher Zuschauer geben, die das ablehnen werden.“

Ob das politisches Theater oder Kunst sei? „Das schließt sich nicht aus“, sagt Ripberger. Wobei Theater immer politisch sei, auch das klassische Theater. „Man kann nicht nicht-politisches Theater machen.“ Im Probenprozess hieß das für Ripberger auch, sich mit den Schauspielern über den Text zu einigen. „Ich kann mich da nicht hinstellen und sagen: Du spielst das jetzt so“ – nicht mit Ripbergers politischer Überzeugung. Stattdessen wurde in der Probenphase viel über den Text und den Inhalt diskutiert. „Die Schauspieler müssen hinter dem Text stehen, wenn sie ihn vortragen.“

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