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Brasspur

14.01.2019

Mit diesem Blech hat man seinen Spaß

Die dunkle Kleidung täuscht: Bei den Konzerten von Brasspur geht es vielmehr locker zur Sache.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das Bläserensemble Brasspur ist eine Institution im Augsburger Konzertleben – auch deshalb, weil die Musiker keine Scheu vor Publikumsnähe haben.

„Mit 35 Jahren ist noch lange nicht Schluss“, singt das Blechbläserquintett Brasspur am Ende seiner Zugabe, einer Hommage an Udo Jürgens, während das Publikum begeistert mitschunkelt und klatscht. Seit 1984 gibt es das Quintett, damals traten die Musiker noch unter dem Namen Augsburger Blechbläserquintett auf. Am Wochenende nun spielte Brasspur, das „pure Blech“, zwei Neujahrskonzerte im ausverkauften Kleinen Goldenen Saal. Doch nicht nur für das Augsburger Publikum ist die Musikergruppe, welche aus zwei Trompetern und jeweils einem Hornisten, Posaunisten und Tubisten besteht, eine Institution.

Begonnen hat alles am damaligen Augsburger Leopold-Mozart-Konservatorium, welches heute an die Universität Augsburg angegliedert ist. Fünf Musikstudenten gründeten das Blechblas-Ensemble, mehr aus einer Laune heraus und ohne festes Ziel. Dass sie später auch international auftreten würden, war damals noch nicht abzusehen. Posaunist Harald Bschorr – neben dem Trompeter Stefan Wiedemann heute das einzige im Quintett verbliebene Gründungsmitglied – blickt schmunzelnd zurück: „Unser erster Auftritt war im Blauen Salon im alten Hauptkrankenhaus. Da haben wir eher schwere Kost gespielt, viel Kontrapunktisches von Bach.“ Dass die Musiker damals für ein Meeting einer anonymen Selbsthilfegruppe in einer schwierigen Lebenslage gebucht worden sind, wurde ihnen erst später bewusst.

Die 2000-Jahrfeier in Augsburg war der Karriereschub für Brasspur

Dies war wohl gleich zu Beginn das Schlüsselerlebnis, dass sie zukünftig anders sein wollten als andere. Zwar spielt Brasspur heute leichte, beschwingte Musik, doch immer noch mit einem hohen künstlerischen Anspruch. Nicht verwunderlich, denn alle Mitglieder sind Berufsmusiker. Harald Bschorr etwa ist heute Dozent an der Musikhochschule Nürnberg und Soloposaunist der dortigen Staatsphilharmonie, in den Neunzigern war er acht Jahre lang Soloposaunist bei den Augsburger Philharmonikern. Die anderen, Trompeter Martin Ehlich und Stefan Wiedemann, Hornist Evgeni Trambev und Tubist Herbert Hornig, spielen derzeit alle im Polizeiorchester Bayern. Die Gruppe scheint nur auf den ersten Blick akademisch zu wirken. Auf der Bühne zeigen sich die Musiker publikumsnah mit vielen Gags und Comedy-Einlagen und sorgen so für ausverkaufte Konzertsäle.

Einen Karriereschub habe der Gruppe die 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg verliehen, erzählt Ensemble-Gründer Bschorr, als Brasspur für viele offizielle Veranstaltungen engagiert worden sei – und das bereits ein Jahr nach der Gründung. Bald folgten Tonträger, damals noch Schallplatten, und Konzertreisen in die weite Welt. Das Quintett reiste nach Südamerika oder besuchte in Japan Augsburgs Partnerstädte Nagahama und Amagasaki. Die internationalen Tourneen waren dann auch der Grund, warum sich das Ensemble nicht mehr Augsburger Blechbläserquintett nennen mochte. „Im Ausland hat keiner unseren Namen verstanden“, erklärt Bschorr. Brasspur sehe sich heute als überregionales Quintett, habe aber nie den Bezug zur Heimat Augsburg verloren. So hat das Ensemble etwa extra ein Brecht-Programm entworfen und mit Schauspielern besetzt.

Man kann Brasspur nicht in eine Schublade legen, dafür sind die Musiker zu breit aufgestellt. Von Bach bis Blues lautet ihr Motto. Dabei verwende man keine Arrangements von der Stange, verrät Bschorr, sondern schreibe sie selbst, maßgeschneidert auf die Stärken der jeweiligen Musiker. Und davon gibt es einige, wie am vergangenen Wochenende das Augsburger Publikum wie jedes Jahr zum Jahreswechsel bestaunen konnte. Nicht nur der Name des Konzerts („Champagnerlaune“) war Programm: Neben Klassikern wie der „Champagner-Polka“ oder dem „Radetzky-Marsch“ wurde auch hochanspruchsvoll Virtuoses vorgeführt, spielerisch und ohne mit den Wimpern zu zucken. Variationen von Jean-Baptiste Arbans „Karneval von Venedig“ meisterte Trompeter Ehlich zusammen mit Hornig an der Tuba atemberaubend.

Hornist Evgeni Trambev verwandelte seine Solostellen bei Vittorio Montis „Csárdás“ mit unglaublicher Leichtigkeit im Tonansatz treffsicher. Harald Bschorr hatte auch das eine oder andere Solo und beeindruckte mit Musikalität und variantenreicher Tonerzeugung. Und Stefan Wiedemann war mit seinem angerauten Klang im Trompetenspiel für die Jazzsolos zuständig. Das kongeniale Quintett bot eine bunte Mischung von Leopold Mozart bis Lady Gaga – ein Programm, das bereits jetzt Vorfreude auf das nächste Neujahrskonzert von Brasspur macht.

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