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Gastspiel

27.10.2019

Molière als modernes, frisches Volkstheater in Neusäß

Kilian Löttker (Mitte) als Titelheld Scapin und die anderen Schauspieler des Neuen Globe Theaters zogen in Neusäß alle Register ihres Könnens.
Bild: Anderas Lode

Komödiantische Schauspielkunst pur ist in der Stadthalle Neusäß in „Die Streiche des Scapin“ zu erleben. Der Abend zeigt, warum Molière ein Meister der Komödie ist.

Mit dem Gastspiel des Neuen Globe Theater aus Potsdam haben die Zuschauer in der Stadthalle Neusäß einen köstlichen Theaterabend genossen. Im Gepäck hatte die Truppe Molières Komödie „Die Streiche des Scapin“ und zogen damit alle Register komödiantischer Schauspielkunst. Stück und Inszenierung offenbarten einmal mehr Molières Vorbildfunktion als Meister komödiantischer Verwechslungsintrige.

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Die Grundkonzeption der Komödie ist spätestens seit dem römischen Komödiendichter Plautus auf dem Theater präsent. Was zunächst so aussieht, als müsste es unweigerlich in eine Tragödie münden, endet dank einer nahezu fantastischen Auflösung schließlich im Happy End und dem damit verbundenen Glück zweier Liebespaare.

Das Neue Globe Theater brachte Spielfreude nach Neusäß

Dieses Prinzip der Verwechslung und der Entlarvung derselben funktionierte zu Zeiten Molières bestens und heute immer noch. Allerdings gelingen Verwechslungsspiel und possenhafte Intrigen nur, wenn sie mit dem spitzbübischen Gespür eines Molière und der überbordenden Spielfreude einer Truppe im Geiste der Commedia dell’arte dargeboten werden.

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Diese Spielfreude brachte das Neue Globe Theater mit nach Neusäß. In der Inszenierung von Kai Frederic Schrickel zogen Kilian Löttker alias Scapin und der Rest der Truppe alle Register einer grenzenlos überzogenen komödiantischen Darstellung. Die Zuschauer genossen von Beginn an das Spiel im Spiel. Das neue Globe Theater hatte nicht nur „Scapins Streiche“ inszeniert, sondern als Art Vorspiel die Entstehungsgeschichte des Stücks mit Molière als Akteur. Dieser schlüpft sodann in die Rolle des Scapin, um scheinbar sehr spontan diese Komödie zu geben.

Kontinuierlich steigerte die Inszenierung Komik und Klamauk. Zu deren Höhepunkt zählte die Barbierszene mit Scapin als Opernarien trällernder Barbier, dem bedenklich eingeseiften Kaufmann Argante (Andreas Erfurth) und dem furiosen Auftritt Silvestros als rächender Bruder Giacintas. Man konnte Alexander Jaschiks Spielfreude als Degen fuchtelnder Silvestro förmlich spüren, nicht nur wenn er den Abgang verpasste und somit wiederholt in die Kulisse knallte. Das Neue Globe Theater aus Potsdam hatte modernes, frisches Volkstheater versprochen und sollte im Neusäßer Publikum das Volk gesessen haben, so hatte es diesem in hohem Maße gefallen.

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