Kulturausschuss

23.07.2019

Museen: Kommen die Römer zu kurz?

Dauerbaustelle in der Augsburger Museumslandschaft: Die sanierungsbedürftige Dominikanerkirche beherbergte das Römische Museum.

Die Städtischen Kunstsammlungen kritisieren die Umordnung der Museumslandschaft. Im Zentrum stehen eine Ausstellungsfläche und ein neues Gremium.

Augsburgs Museen sollen fit gemacht werden für die Zukunft. Seit letztem Jahr gibt es dafür das Kulturentwicklungskonzept Museumslandschaft, betreut von den beiden Museumsfachleuten Matthias Henkel und Jochen Ramming. Ihre zehn Empfehlungen hatten die Experten bereits im Januar vorgestellt. Sie enthalten z. B. die Schaffung einer Stabsstelle Strategische Kommunikation, die Entwicklung einer Digitalstrategie, die Verstärkung der Museumspädagogik und ein Besucherzentrum ebenso wie eine Task Force für Stadtgeschichte.

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Auch den Neubau eines Ausstellungs- und Veranstaltungsforum für die Stadt am Predigerberg, dem Bereich, in dem sich gegenwärtig noch die Hauswirtschaftsschule befindet, schlagen die beiden Museumsexperten vor. Mit der Dominikanerkirche als Eingangsbereich solle hier das Römische Museum untergebracht werden sowie eine Halle für Sonderausstellungen. Hand darüber solle die neu geschaffene Stelle eines Moderators haben, der jedoch nicht den Städtischen Kunstsammlungen zugeordnet ist.

Alle Mitarbeiter der Kunstsammlungen im Ausschuss

Dies stieß nun auf Kritik bei den Städtischen Kunstsammlungen, die sie in Form eines offenen Briefes gestern dem Kulturausschuss vorlegten. Der Ausschuss sollte in seiner gestrigen Sitzung die Empfehlungsliste für das Kulturentwicklungskonzept zur Kenntnis nehmen und sah sich mit einem regen Besucherandrang aller Mitarbeiter der Städtischen Kunstsammlungen mit ihrem Direktor Christof Trepesch konfrontiert.

Museen: Kommen die Römer zu kurz?

In der vorgeschlagenen Form reduziere das neue Ausstellungsforum das Römische Museum zu einer Unterabteilung des neuen, nicht zu den Kunstsammlungen zählenden Forums, heißt es in dem Offenen Brief. Wie Christof Trepesch gegenüber unserer Zeitung erklärte, sehe er immer noch als optimale Lösung ein eigenes römisch-archäologisches Museum an, das auch die Zeit vor und nach den Römern aufbereite. Dieses Konzept sei von Museumsfachleuten aus ganz Deutschland erstellt und 2009 vom Kulturausschuss beschlossen worden.

Explodierende Kosten können nicht ausgeschlossen werden

Das neue Ausstellungsforum mit seinem unabhängig von den Kunstsammlungen eingesetzten Moderator bedeute zudem eine Parallelstruktur zu den bestehenden Museen, nicht aber eine Stärkung, heißt es weiter. Auch explodierende Kosten könnten nicht ausgeschlossen werden.

Weiterer Kritikpunkt der Städtischen Kunstsammlungen an den Vorschlägen der Experten ist eine Programmkommission, in der neben Mitarbeitern der Kunstsammlungen auch Vertreter der Kulturpolitik und der Stadtgesellschaft sitzen und über das Ausstellungsprogramm der Häuser beraten sollte. Dies bedeute „Reglementierung und Bürokratisierung statt Expertise“, heißt es in dem offenen Brief.

Unabhängige Organisationen neben den Kunstsammlungen waren vorgesehen

In einem Organigramm, das dem Kulturausschuss zur Kenntnisnahme und Weiterleitung an die Fachausschüsse vorlag, sind jedoch sowohl die Programmkommission wie auch das Ausstellungsforum als von den Städtischen Kunstsammlungen unabhängige Organisationen vorgesehen. Kulturreferent Thomas Weitzel wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dieses Musterorganigramm nicht in Stein gemeißelt sei, und dass auch der Kulturausschuss darüber nicht beschließen könne, sondern dies in den Händen des Organisationsamtes und des Organisationsausschusses liege. Er erläuterte ferner, dass es sich bei der neuen Ausstellungsfläche, für die er immer wieder den Begriff der „Vision“ heranzog, um eine Möglichkeit handle, neue Ausstellungsformate, auch solche ohne kunstgeschichtlichen Hintergrund, zu erproben und diese keinerlei Konkurrenz zu bestehenden Häusern sei.

Der Kulturausschuss folgte nun einer geänderten Beschlussformulierung: Es wurde keine organisatorischen Weichenstellungen im Hinblick auf die Museumslandschaft beschlossen. Ein Organigramm wird neu erstellt in Zusammenarbeit des zuständigen Organisationsamtes, des Kulturamtes und der Städtischen Kunstsammlungen. Allerdings wird mit diesem Beschluss in die Wege geleitet, dass neue Stellen für die Museumspädagogik, die Task Force Stadtgeschichte und die Kommunikationsabteilung noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden können.

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