Ausstellung

13.09.2019

Musikschätze aus tausend Jahren

Mit dieser Karikatur erschien „Ein musikalischer Spaß“ (1787) von Wolfgang Amadé Mozart 1802 bei Johann André in Offenbach.
Bild: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Die Staats- und Stadtbibliothek zeigt erstmals, was sie an Noten, Partituren und Drucken verwahrt

Im Zentrum steht Mozart – wie sollte es auch anders sein in der „Vaterstadt“ Augsburg. Doch um Leopold und Wolfgang Amadé versammelt die Staats- und Stadtbibliothek, die anlässlich einer Tagung der deutschen Musikbibliothekare jetzt erstmals ihre Musikalienschätze ausstellt, eine stattliche Reihe anderer Epochen und Komponisten. Tausend Jahre umspannt das Gezeigte – vom mittelalterlichen Neumen-Fragment aus einem Messbuch bis zur „Steinklang“-Musik des Jazzers Wolfgang Lackerschmid.

Ursula Korber, der Musikbibliothekarin im Haus an der Schaezlerstraße, kam einiges unter die Finger, als sie die Auswahl traf. Einiges Material sei wissenschaftlich noch gar nicht erschlossen, sagt sie. Auch das Pergamentblatt mit fein gezeichneten Neumen – so hießen die ersten Noten – aus einer Irseer Handschrift sei erst kürzlich erforscht worden. Nicht immer ist auch klar, wie einzelne Stücke in den Bestand der Bibliothek gelangten. Mitunter spielt privater Sammeleifer eine Rolle. So bei den Mozartiana von Maximilian Zenger, die er teilweise auch im Mozarthaus ausstellen ließ.

Von Zenger stammt etwa die Abschrift von Wolfgang Amadés Oper „Don Giovanni“, während dessen Vespere de Dominica aus dem österreichischen Benediktinerstift Lambach nach Augsburg gelangte. Reich ist von dort die Ausbeute an Werken Leopolds, so die Missa solemnis und die Neue Lambacher Sinfonie. Aber auch Leopolds Brief an den Augsburger Verleger Johann Jakob Lotter mit Korrekturen zu seiner Gründlichen Violinschule (1756) liegt in der Vitrine. Dabei musste die „Stabi“ noch nicht einmal auf die bei ihr verwahrten Noten aus Heilig Kreuz zurückgreifen, die ebenfalls viele Mozartiana enthalten. Einige der Ausgaben waren bis vor kurzem im Diözesanmuseum in einer Ausstellung zu sehen.

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Es gibt ja noch so viel anderes zu zeigen! Fürs Auge ein Genuss sind etwa die Illustrationen im Magnificat-Band von Orlando di Lasso, das er Abt von St. Emmeram in Regensburg seinen Mitbrüdern von St. Ulrich und Afra schenkte. Der sechs- bis achtstimmige Kanon von Adam Gumpelzhainer über das Kreuz verbirgt sich kunstvoll in einer Bildseite im Stammbuch des Organisten Abel Prasch. Nüchtern wirken dagegen die blanken Notenzeilen im berühmten Augsburger Liederbuch, das um 1505 bis 1518 entstand und eine Reihe von Kompositionen aus mehreren europäischen Ländern enthält. Hundert Jahre später orientierten sich die Augsburger Musiker am Venezianer Stil, was sich in Abschriften ausdrückt.

Mit dem 19. Jahrhundert betritt die Ausstellung vernebeltes Land. Wer kennt noch Eugen Drobisch und seine lyrisch-romantische Oper „Treuhold und sein Sang“ (1862), Ernst Häusslers Ode „Die höchste Glückseligkeit“ oder Kantor Hans Michael Schletterer (1824–1893), der immerhin den ersten Bibliothekskatalog der Augsburger Musikalia verfasste? Aus aktuellem Anlass empfiehlt sich zur Aufführung eher Carl Loewes Ballade „Der letzte Ritter: Max in Augsburg“.

Einige Augsburger Komponisten sind durch neuerliche Aufführungen etwa der Musica Suevica wieder ins Bewusstsein gelangt, so die gediegenen Friedenskantaten von Friedrich Hartmann Graf, Kantor bei St. Anna, oder die Messen von Domkapellmeister Franz Bühler. Immer noch im Repertoire befinden sich die sakralen Werke von Karl Kraft und Konservatoriumsdirektor Arthur Piechler. Beide schrieben übrigens im Jubiläumsjahr der Lechfeldschlacht 1955 – Kraft eine Votivmesse zu Bischof Ulrich und Piechler vertonte ein „Augsburger Jahrtausendspiel“ für die Freilichtbühne. Die handgeschriebene Partitur hat die Staats- und Stadtbibliothek nach Auskunft ihres Leiters Karl-Georg Pfändtner erst dieses Jahr im Antiquariatshandel erworben.

Dem schwäbischen Musikschaffen verpflichtete sich die Bibliothek mit Autografen von Werner Egk, Otto Jochum „Mozart-Suite“ 1941 und dem Klavierauszug von Brechts Dreigroschenoper als Erstausgabe von 1928 samt Widmung Brechts. Eine Rarität stellt auch die Schallplatte (1931) der Mahagonny-Oper dar, die beidseitig mit Fotografien der Aufführung bedruckt ist.

Nicht fehlen dürfen die Augsburger Musikverleger, angefangen von Johann Jakob Lotter und Johann Carl Gombart über Bärenreiter bis zu Anton Böhm & Sohn.

bis 27. September, geöffnet Montag bis Freitag 11-16 Uhr im Cimeliensaal, Eintritt frei. Führungen sind am Montag, 16. September, um 11 Uhr sowie an den Freitagen 20./27. September, jeweils um 15 Uhr.

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