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Theater Eukitea

06.09.2020

Neues Programm: Eukitea erfüllt sich mit "Der Alchimist" einen Traum

Das Eukitea in Diedorf bringt zum Auftakt der Spielzeit Paul Coelhos "Der Alchimist" auf die Bühne. Den Jüngling spielt Hannes Langkany, hier mit Claudio Raimondo als König von Salem auf der Bühne.
Bild: Marcus Merk

Plus Vor zwölf Jahren wollte das Eukitea Theater in Diedorf mit einer Adaption von Paulo Coelhos Weltbestseller eröffnen, jetzt bekam das Theater die Rechte.

Ein lauer Sommerabend in Diedorf, Lampions im Gartencafé und die Vorfreude auf das 1988 erschienene weltberühmte Buch des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho, dessen Bücher sich über 225 Millionen Mal verkauft haben und in über 80 Sprachen übersetzt wurden: Der Alchimist.

Der Jüngling Santiago hat einen sich wiederholenden Traum. Am Fuß der Pyramiden liege ein Schatz für ihn. Doch soll er für einen Traum Andalusien und all seine Habe verlassen, um bis nach Ägypten zu reisen? Soll er seinem Herzen folgen und seinen Lebensweg, ja sein Glück finden?

Es wirkt so, dass auch die Anwesenden nach Kultur dürsten. Beinahe andächtig gehen sie über die Stufen zum Theater Eukitea. Kein Lachen, ruhig und verhalten, mit Abstand, Anstand und Maske. Intendant Stephan Eckl ist sichtlich ergriffen: „Am 13. März hatten wir unsere letzte Veranstaltung und nun feiern wir unsere erste Kulturvorstellung.“

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Ein langer Traum gehe für ihn in Erfüllung, denn vor über 12 Jahren wollten sie zur Eröffnung des Theaters den Alchimisten spielen und bekamen damals nicht die Rechte. „Im Januar kam die frohe Botschaft aus Barcelona, dass wir das Stück in die Welt bringen dürfen.“ 180 Besucher hätten Platz, aufgrund der Pandemie nur 50. Es sollte ein ergiebiger Abend werden. Knapp vier Stunden mit einer längeren Atempause. Eckl wollte das epische Werk keinesfalls beschneiden. Die erste Hälfte kurzweilig und abwechslungsreich, die zweite dagegen, der Geschichte geschuldet, mit einer kleinen Durststrecke. Wüste eben.

"Der Alchimist" fühlt sich von der ersten Sekunde an wie ein Märchen aus 1001 Nacht an

Das Licht geht im Rundtheater an und die Zuschauer befinden sich inmitten einer verlassenen Kirche ohne Dach, worin der Jüngling (Hannes Langanky) mit seiner Schafherde einen Platz zum Schlafen findet. Von der ersten Sekunde fühlt sich die Inszenierung wie ein Märchen aus 1001 Nacht an. Cecilia De La Jara und Kathrin Müller erzählen die Geschichte abwechselnd. Michael Gleich schlüpft in die Rolle des Kristallwarenhändlers und Giorgio Buraggi fungiert als Alchimist. Wobei die Schauspieler zudem noch andere Rollen wie die geheimnisvolle Zigeunerin, die Geliebte Fatima oder den suchenden Engländer geben. Die Kostüme überwiegend linnenartig, dezent und sommerlich. Auf dem weißen Vorhang und den runden Theaterwänden werfen die eindringlichen Szenen ihre Schatten - ein schlichtes und doch sehr gelungenes Bühnenbild von Eckl, Gleich und Cristiana Vindice.

Bild: Marcus Merk

Beeindruckend die Szene des Alten, der sich als König von Salem, Melchisedek, erweist. Claudio Raimondo ist die Rolle wie auf den Leib geschnitten mit seinem langen weißen Haar und seinem furchigen Gesicht. Dazu spricht er über die große Lüge der Welt in italienischer Sprache, während De la Jara übersetzt und Njamy Sitson´s dunkle, mächtige Stimme mystisch wie die eines Schamanen in seiner Muttersprache Medumba, einer der vielen Sprachen Kameruns, erklingt.

Musik, Schauspiel, Sprache und Charaktere fließen harmonisch ineinander

Ein Spektakel für alle Sinne nicht zuletzt aufgrund Fred Brunners einzigartigen Musik-Kompositionen, die er gemeinsam mit Sitson spielt. Musik,Schauspiel, Sprache, Charaktere fließen harmonisch ineinander und erwecken den Alchimisten zu neuem Leben. Das Eukitea Team erweckt das Gefühl, dass es in dieser besonderen Zeit neue Kraft geschöpft hat und übertrifft sich mit dieser Bühnenfassung selbst. Eine herausragende Leistung vollbringt Langanky, der von der ersten bis zur letzten Minute einen herzerfrischenden, stets demütigen und doch das Leben herausfordernden Jüngling gibt. Großartig sein mächtiger Tanz mit dem Wind und der hohe Gesang Sitson´s.

Das Eukitea zeigt kraftvoll in der Krisenzeit das Motto Coelho´s,dass man die Welt entweder mit den Augen eines armen, beraubten Opfers sehen könne, oder aber als Abenteurer auf der Suche nach einem Schatz. Eckl und sein Team lassen die unsichtbare Welt und die physische miteinander in gelungener Weise miteinander verschmelzen. Das Premierenpublikum war begeistert. Minutenlanger Applaus.

Weitere Termine Do 10. , Fr. 11. und Fr. 25. September jeweils um 20 Uhr

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