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Premiere

07.11.2019

Nicht jeder Laie ist blutiger Anfänger

Eine ganz alltägliche Vampirfamilie: Die Teenie-Tochter wird gespielt von Anna Kafka, Patrick Eger gibt den Vater, Sarah Firmbach die Mutter (v.li.)
Bild: Eichhammer

Auf der Märchenbühne Don Bosco feierte man mit „Karotten und Blutorangen“ an Halloween

Zoff am Esstisch! Der Teenager Konstanze-Hermine will mal etwas anderes essen – und erleben. Doch ihre Helikopter-Eltern halten sie für zu jung, um allein die große Stadt zu erkunden. Die Diskussion endet mit einer Trotzreaktion. „Was haben wir nur falsch gemacht?“, lamentiert der Papa.

Klingt wie ein ganz normaler Familienalltag mit einem pubertierenden Sprössling. Doch Konstanze-Hermine von Potts zu Langenschnabeln ist ein sehr besonderer Teenager. Als „jugendlich“ gilt die 87-Jährige nämlich nur in ihren Kreisen: Sie ist ein Vampirmädchen! In Fledermausgestalt wird sie flügge und macht sich heimlich auf den Weg in die weite Welt.

Mit dieser skurrilen Ausgangssituation beginnt das Theaterstück „Karotten & Blutorangen“, das am Sonntag auf der Märchenbühne Don Bosco Premiere feierte. Ein Debüt war das Werk auch für das Autoren-Trio. Die Stücke, die bisher im Pfarrsaal Don Bosco aufgeführt wurden, stammten aus der Feder von Helmut Kulhanek.

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Der gründete die Märchenbühne 1990 mit dem Ziel, „etwas Neues zu machen, was es in Bayern noch nicht gab“. Nämlich eine Laienschauspiel-Gruppe, die sich nur auf Märchen konzentriert. Nach eigenen Adaptionen von Märchenstoffen aus aller Welt schrieb Helmut Kulhanek eigene Geschichten. Mit dem Vampir-Abenteuer tritt Tochter Iris mit zwei Freunden in die Fußstapfen des Herrenbacher Märchenonkels.

Die Grundidee zu dem quirligen Stück kam dem Trio im gemeinsamen Urlaub. Nachdem alle beruflich gebunden sind, trafen sie sich nur einmal im Monat, um an dem Stück zu feilen. Nach einem Jahr war es fertig. Während die Co-Autorin Anna Hornung zum ersten Mal Theaterluft schnuppert, hat Sebastian Reisacher bereits Erfahrungen als Regisseur bei der Märchenbühne gesammelt. Im eigenen Stück übernimmt er die Rolle des Bösewichts - als Förster Hubertus Dunz, der lieber am Stammtisch gegen alles Fremde wettert als zu arbeiten.

Mitautorin Iris Kulhanek ist in Sachen Theater ein alter Hase im doppelten Wortsinn: Bei „Karotten & Blutorangen“ steht die 35-Jährige als Bär auf der Bühne, der sich für einen Hasen hält. „Sie hat schon als Sechsjährige mitgespielt und weiß worauf es ankommt“, sagt ihr Vater. „Wir möchten den Menschen den Alltag verschönern“, erklärt der Intendant und Regisseur. „Wir sind zwar eine Laiengruppe, aber wir versuchen uns immer weiter zu bilden, Neues auszuprobieren und Grenzen auszuloten“, so Kulhanek.

Die Leidenschaft der Ehrenamtlichen hat sich herumgesprochen. „Wir haben Stammpublikum auch aus Günzburg, Zusmarshausen und Donauwörth“, verrät er. Zum Erfolgsrezept gehören die mit Liebe zum Detail gestalteten Kulissen. Das Bühnenbild ist laut Kulhanek „farbenfroh, groß und aufwendig, damit die Leute richtig in die Geschichte eintauchen können“. Die nächste Aufführung ist am Sonntag, 10. November, 16 Uhr.

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