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Theater in Diedorf

08.02.2021

Online-Theater: Das Eukitea-Publikum sitzt jetzt auch in Australien

Das Theaterhaus Eukitea hat seine Stücke aufgezeichnet, um sie in Schulen zeigen zu können.
Bild: Cristiana Vindice/Eukitea

Plus Eine E-Mail aus Brisbane bringt Theaterleiter Stephan Eckl auf eine Idee, die dem Theater auch während des Lockdowns nützt.

Wer im direkten Kontakt mit anderen arbeitet, ist aktuell besonders stark von der Pandemie betroffen. So auch das Theaterhaus Eukitea in Diedorf: Statt in Schulklassen Präventionsarbeit zu leisten, müssen sich die Künstler von ihrer Zielgruppe, den Kindern und Jugendlichen, fernhalten. „Das war sehr heftig für uns im vergangenen Jahr“, erzählt Geschäftsführer Stephan Eckl. Von Mitte März bis Ende Juli wurden rund 180 Aufführungen abgesagt. „Zunächst haben wir uns da schon gefragt: was jetzt?“

Theaterleiter Stephan Eckl: Vor einer Kamera zu spielen ist nicht das gleiche wie vor Zuschauern

Die rettende Idee trudelte wenige Tage später in Form einer E-Mail bei Eckl ein. Eine Lehrerin aus Australien hatte Anfang März in Deutschland eine Aufführung des Stücks „Five Little Pieces For Peace“ gesehen und war so begeistert davon, dass sie es unbedingt auch in ihre Schule in Brisbane bringen wollte – wenigstens als Film. „Da haben wir uns gedacht: Eigentlich hat sie recht. Wir sollten unser Material auch verfilmen“, sagt Eckl. Und als der harte Lockdown vorbei war, begannen die Schauspieler, ihre wichtigsten Stücke zu verfilmen, um sie den Schulen zugänglich zu machen.

Das Gefühl, vor einer Kamera zu spielen, sei aber definitiv nicht das Gleiche wie auf der Bühne. „Es fühlt sich mehr wie eine Probe an, ist aber eine große Herausforderung. Immerhin sind die Künstler alle professionelle Bühnenschauspieler, keine Filmschauspieler.“ Das Spiel müsse deutlicher sein als auf der Bühne, das Bild müsse gefüllt von Energie sein, die die Schauspieler mangels Zuschauer als direktes Gegenüber selbst erzeugen müssen. „Ein Schauspieler braucht für die Arbeit vor der Kamera mehr Kraft“, erklärt Eckl, der selbst seit Oktober 2019 coronabedingt nicht mehr auf der Bühne gestanden ist, aber in den meisten Stücken Regie führt.

Workshops des Eukitea-Theaters finden im Live-Stream statt

Nachdem die Aufführungen abgefilmt waren, musste ein weiteres Problem gelöst werden. Denn die Künstler führen die Stücke normalerweise nicht nur auf, sondern bereiten sie auch vor und nach. Auch das konnten sie via Internet lösen. So gibt es ein Vorgespräch, in dem die Beteiligten die Schüler begrüßen, sowie ein Nachgespräch im Live-Stream. „Dadurch kreieren wir ein authentisches Erlebnis statt nur eines Konsums und schaffen einen direkten Austausch.“

Anfang Oktober machten die Schauspieler ihre wohl bisher ungewöhnlichste Erfahrung: Zwei Nächte hintereinander hielten sie im Live-Stream einen Workshop für die Schule im australischen Brisbane, an der die Lehrerin unterrichtet, die die ganze Sache ins Rollen gebracht hatte. Nachdem sich die Schüler die Verfilmung des Stücks „Five Little Pieces For Peace“ gesehen hatten, erarbeiteten sie in diesem Workshop eigene und gemeinsame Friedenskreise, alles unter Leitung der Schauspieler aus Deutschland. „Das war schon auch skurril“, sagt Eckl und lacht. „Hier bei uns war es mitten in der Nacht und schon kalt und in Australien war strahlender Tag und die Kinder trugen T-Shirts.“

Viele Schulen sahen das Eukitea-Weihnachtsstück im Netz

Auch das Weihnachtsstück „Jack und die Zauberbohnen“ nahm das Ensemble des Theaters als Film auf, der dann auf einer Online-Plattform kostenpflichtig zur Verfügung stand. Zunächst sei man skeptisch gewesen, ob es möglich sei, ein Theater richtig abzufilmen; doch es habe sehr gut geklappt. Insgesamt 23 Schulen nutzten die Möglichkeit, das Stück so zu sehen.

Seit 1. Februar läuft im Eukitea außerdem die sogenannte Friedens-

challenge, bei der täglich ein Schauspieler in einem Video eine Friedenskarte vorstellt. Diese Karten vermitteln verschiedene Friedensqualitäten. Und auch für sich selbst nutzen die Künstler das Internet und kommen jeden Tag in einer Videokonferenz zusammen, in der sie sich austauschen und gemeinsam Aufwärmübungen machen. Denn obwohl die Online-Projekte laut Stephan Eckl wirklich gut funktioniert hätten, fehle den Schauspielern der direkte Kontakt zum Publikum. Und auch finanziell sei eine baldige Öffnung dringend notwendig.

Trotzdem: Eckl ist begeistert von den Chancen, die sich dank der Technik für das Eukitea geboten haben. „Ich bin wirklich kein Digital-Freak, aber die Möglichkeiten zur Vernetzung sind einfach wunderbar.“

Informationen unter Tel. 08238/9647430 und www.eukitea.de

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