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Parktheater
07.06.2021

Django Reinhardt Festival Augsburg: Hier federt der Swing durch den Saal

Gitarrenvirtuose Amati Schmitt (links) bekam beim Django Reinhardt Festival den Nachwuchspreis verliehen, am Kontrabass Gino Roman, rechts Bobby Guttenberger an der Rhythmusgitarre.
Foto: Mercan Fröhlich

Einige Absagen störennicht: Das Django Reinhardt Festival präsentiert in im Augsburger Parktheater hochkarätige Musiker des Gypsy Jazz.

Immer für Überraschungen gut ist das seit Jahren etablierte Internationale Django Reinhardt Festival im Parktheater Göggingen, das mit großen internationalen Namen genauso wie mit Neuentdeckungen begeistert. In diesem Jahr mussten die beiden Kuratoren, neben Hausherr Stefan Weippert der Augsburger Ausnahmegeiger Sandro Roy, spontan einiges umdisponiere: Plötzliche Erkrankungen (bei „Radio Django“), Impftermine (Ulf Wakenius) und Reiseeinschränkungen forderten Ersatz – wobei das Publikum mit dem legendären Gitarristen Biréli Lagrène am ersten Abend sehr gut entschädigt wurde. Für das Trio The Rosenbergs sprang das Joscho Stephan Trio ein, doch das Konzert am Sonntagmorgen musste ersatzlos ausfallen. Und natürlich zwangen die Abstandsregelungen dazu, alle Workshops und spontanen Open Stage Treffen abzusagen.

Das Django Reinhardt Festival in Augsburg hat sein Stammpublikum

Als großes (Sinti-)Familientreffen des Gypsy Swing zieht dieses Augsburger Musikfestival ein Stammpublikum an. Und wenn auch wegen der geforderten Abstände der Zuschauer die Reaktionen sehr viel zurückhaltender als üblich ausfielen, so war die tiefe Sehnsucht nach Live Musik, nach Musik im Entstehungsprozess, mit Händen greifbar. Experimente mit Stilrichtungen außerhalb des Jazz Manouche der Sinti, kleinere Tontechnik-Probleme oder Verzögerungen im Ablauf zeigten umso mehr, was an Spontaneität und körperlich erlebbaren musikalischen Explosionen in den letzten Monaten vermisst wurde.

Wurde am ersten Abend, an dem neben altbekannten Stars der Sinti-Szene auch Sandro Roy auf der Bühne stand, der Ehrenpreis verdient dem Niederländer Stochelo Rosenberg verliehen, gab es am zweiten Abend das scheinbare Paradox, dass der Nachwuchspreis an Amati Schmitt, den Sohn des Musikers Dorado Schmitt, ging. Mit 25 Jahren blickt er bereits auf 16 Jahre Bühnenerfahrung und hat in den Ensembles seines Vaters schon viel Ruhm eingeheimst. In Augsburg nun spielte er die Solo-Gitarre in einem eigenen jungen Trio mit dem Ravensburger Bobby Guttenberger an der Rhythmusgitarre und Gino Roman am Kontrabass.

Gitarrist Amati Schmitt ist technisch brillant

Amati Schmitt, der körperlich mit seiner Gitarre verwachsen schien und die Gitarrenläufe atemberaubend schnell vorlegte, brillierte mit technischem Raffinement ebenso wie mit charmanten Melodielinien. Mit dem Swing des Jazz Manouche aufgewachsen, zeigte er an diesem Abend stilistische Freiheiten, die auch mal in zartere Gefühle und zu Sentimentalitäten führten. Und hier war es wirklich zu spüren: Das Unerwartete, das eben nur live wirklich zu erleben ist und Musiker braucht, die sich aufeinander einlassen und aufeinander hören. Dabei war Amatis wunderbares Vibrato mal in verspielten Standards, mal in verträumten Eigenkompositionen zu hören. Überraschungsgast war sein Cousin Anthony als Sänger.

Ganz aus dem Rahmen dieses Festivals fiel der Auftritt des Wiener Gitarristen Tony Pusztai, der als „Gypsy Flamenco“ angekündigt eine virtuose und sinnliche spanische Gitarre spielte. Etwas selbstvergessen, auch melancholisch wirkte das – bis aus dem Dunkel heraus eine Gesangspartnerin mit dem schönen Namen Vannina trat und mit „Bésame mucho“ und tiefen Seufzern der Leidenschaft verzauberte.

Das Django Reinhardt Festival bot auch wahnwitzige Akkordeon-Akrobatik

Der dreieinhalbstündige Abend wurde im sehr traditionellen Stil des französischen Jazz Manouche eröffnet vom Mike Reinhardt Trio mit dem blinden Akkordeonisten Marcel Loeffler als Gast. Hier federte der Swing sehr elegant, wurde durch Schläge der Rhythmusgitarre im Tempo vorangetrieben und zeigte wie alterslos Jazz-Standards wie „All of me“ sein können. Erst die wahnwitzige Akrobatik von Loefflers Knopf-Akkordeon brachte auch Wildheit in den Jazz. Seine waghalsigen Fingerkunststücke ließen die Bühne vibrieren, vor allem, wenn seine rechte Hand das Feld der Knopftasten gezielt durchpflügte. Aufreizend bestimmte Loeffler die deutlich beschleunigte Gangart bei den Improvisationen. Seinen Eskapaden begegneten Reinhardt, Benji Nini Winterstein (Rhythmusgitarre) und Jean-Luc Miotti (Kontrabass) mit routinierter Gelassenheit, aber auch mit präzisem Zuspiel.

Am Ende trafen sich alle Musiker des Abends beim berühmten „Minor Swing“, den alle von klein auf kennen und für den es keine Proben braucht. Auch hier: Improvisationen und verspielte Varianten, die immer wieder überraschten.

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