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Premierenkritik

16.06.2019

Premiere von "Bagage": Wenn's bei Mozarts mal nicht um Männer geht 

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3 Bilder
Die 27-jährige Daniela Maria Fiegel als jüngste Version von Nannerl Mozart.
Bild: Tibor Schrag

Plus Inspirierend: Bluespots Productions inszenieren nicht nur ein Stück, sondern eine Führung mal anders durch die Geschichte der Mozart-Dynastie.

Theater heißt hier zunächst: Die Geschichte, wie wir sie aus Büchern kennen, wird entkleidet. Wichtige Ereignisse quasi nackt herausgestellt – um sie dann mit neuen Accessoires anzureichern und damit den Blick auf den klassischen Stoff zu verändern. Das ist „Bagage“, das neue Spiel der Bluespots Productions, das am Freitag Premiere feierte.

Maria Anna Mozart - das "Nannerl" ist die Hauptperson in "Bagage"

Passendes Setting: das Staatliche Textil- und Industriemuseum, links Gewebemuster, dahinter Maschinen – und mittendrin Maria Anna Mozart (Daniela Maria Fiegel, 27) mit gesenktem Blick. Dieses „Nannerl“ ist inzwischen 17 – und enttäuscht. Denn während Vater Leopold mit Bruder Wolfgang Amadé der Musik wegen nach Italien aufgebrochen ist, muss sie daheim bei der Mutter bleiben. Immerhin, sie haben ihr einen Reiseführer dagelassen.

Mit diesem zieht sich der Reisegedanke dann durch die gesamte Produktion des freien Ensembles. Durch „Zeit und Raum der Familie M.“ führen die Bluespots ihr Publikum und beginnen freilich in Augsburg, wo Vater Leopold vor 300 Jahren geboren wurde. Im Zentrum der Erzählung „Bagage“ befinden sich aber weder der Mozart-Patriarch noch das Wunderkind Wolferl. Stattdessen stellt das Kollektiv die weibliche Perspektive, den Blick der Tochter in den Vordergrund.

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"Bagage" in Augsburg ist im Einzelnen kreativ - im Ganzen etwas überladen

Ein inspirierender Ansatz, wo man doch heute glauben kann, alles über die Mozartdynastie, diese Bagage, gelesen zu haben. Die Autoren des Spiels zitieren unter anderem aus persönlichen Briefen und Tagebüchern, um die Gefühlswelt von Nannerl für den Laien begreifbar zu machen. Außerdem befragen die Akteure ihre Zuschauer zur Familie, kleiden sie nach Etikette des 18. Jahrhunderts und leiten sie an, das Leben der Maria Anna zu erforschen. Hauptsächliches Bühnenrequisit ist das Tim. Warum? „Weil das Augenscheinlichste einer jeglichen Epoche die Mode ist“, sagt s’Nannerl.

Durch wechselnde Schauplätze im Museum wird das Mozart-Narrativ freilich nicht durchgehend erzählt, sondern bewusst unterbrochen: räumlich, zeitlich und stilistisch. So beziehen sich Kollektiv und Regisseur René Rothe einige Male auf die Gegenwart und nutzen zum Beispiel Instagram, um Leopold und Wolfgang von der Italienreise grüßen zu lassen. Währenddessen liest eine Stimme über Band Nachrichten des Mozart-Vaters an die Familie. Ein rotes Stage Case schmückt Szenerien. Dann hallen Mozart-Klänge durchs Tim. Wiederkehrende Bewegungselemente, am Ende eine Fotoinstallation.

Genau hierin offenbart sich die kleine Schwäche von „Bagage“: Denn für sich genommen sind die unterschiedlichen Darstellungsformen zwar kreativ und originell. In ihrer Masse aber überladen sie das Stück, das durch seinen Reise- und Tourencharakter ohnehin ungewöhnlich ist.

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