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Parktheater

26.01.2019

René Sydow eröffnet den Wettstreit um den Muhaggl

René Sydow eröffnete im Parktheater das Kleinkunstfestival mit seinem Soloprogramm „Die Bürde des weisen Manns“.
Bild: Wolfgang Diekamp

Der Kabarettist sagt über sich, er mache keine Unterleibskomik. Sein Programm zum Auftakt des Kleinkunstfestivals im Parktheater zündet nicht.

Ein Unbekannter ist Kabarettist René Sydow nicht mehr. Immerhin hat er schon den Deutschen Kabarettpreis gewonnen. Derzeit tourt Sydow mit seinem dritten Solo-Programm. Da traf es sich gut, dass das Parktheater mit seinem Auftritt ein Kleinkunstfestival einläutete, bei dem fünf Künstler um den erstmals ausgelobten „Goldenen Muhaggl“ wetteifern. Für den Auftakt der Reihe hatte sich jedoch erstaunlich wenig Publikum im Gögginger Kurhaus eingefunden.

Der „Goldene Muhaggl“, verliehen von der Augsburger Aktienbank, ist ein Publikumspreis. Nach jedem Auftritt der Künstler können die Zuschauer ihr Votum abgeben. Die Kabarettisten sollen nach den Kriterien ihres künstlerischen Auftritts wie nach inhaltlicher Aussage und dem dramaturgischen Aufbau ihres Programms bewertet werden. Am Ende werden Abend für Abend die Punkte zusammengezählt, am 2. Februar weiß man, wer den „Muhaggl 2019“ bekommt.

Von Beginn an unruhig auf der Bühne

Mit seinem Programm „Die Bürde des weisen Mannes“ hatte René Sydow diesen Wettstreit der scharfzüngigen Wortakrobaten eröffnet. Er will sich als Kabarettist im klassischen Sinne verstanden wissen. „Ich mache politisches Kabarett, keine Unterleibskomik“, hatte er postuliert. „Obwohl, ganz ehrlich, derzeit arbeite ich an einem Programm nur mit Furzwitzen, da ich auch einmal in die Schwabenhalle möchte.“

Wenn man Politik als Gesellschaftspolitik definiert, stimmte zumindest seine erste Aussage. Von Beginn an stand Sydow sehr unruhig auf der Bühne. Doch es war kein von den Zuständen der Welt Getriebener oder mit den Entwicklungen unserer Zeit Hadernder, die Unruhe schien reiner Nervosität geschuldet.

Wortwitz besitzt Sydow, ohne Frage. So etwa sei der Begriff „Vati-kan“ bereits Beleg genug, dass die Kirche frauenfeindlich ist. Zum Nachdenken lässt er dem Zuschauer allerdings keine Zeit, da es in seinem Redefluss kaum ein Halten gibt. Doch dieses Tempo allein konnte nicht wirklich Spannung für den ganzen Abend erzeugen. Vieles war richtig, auch intellektuell fein versponnen, dennoch fehlte am Ende neben dem Befund möglicher Missstände die kabarettistische Spitze, das genüssliche Sezieren, das sich grinsende Reinbohren und sich schmunzelnde Verhaken, kurzum: das Muhagglhafte.

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