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Konzert

23.04.2019

Rhythmus im Blut: Ein Stepptänzer spielt den Solopart

Für Stepptänzer David Friederich werden Steppschuhe zu Instrumenten. Am Sonntag tritt er mit dem SJSO in der Kongresshalle auf.
Bild: Hannah Elizabeth Tilt

David Friederich hat ein ungewöhnliches Instrument: zwei Schuhe. Er ist jetzt der Solist des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters.

David Friederich aus Heidelberg, am Wochenende Solist beim Konzert des Schwäbischen Jugendsinfonieorchester (SJSO), hat eine besondere Hingabe zu einem ungewöhnlichen Instrument. Der studierte Schlagzeuger steppt – und das seit seinem fünften Lebensjahr.

„Für mich sind Steppschuhe Instrumente wie jede andere auch“, sagt der 27-Jährige. Am Sonntagabend tritt er mit dem SJSO im Kongress am Park auf und interpretiert das „Tap Dance Concerto“ des US-amerikanischen Komponisten Morton Gould. „Ein rhythmisch sehr anspruchsvolles und abwechslungsreiches Stück“, beschreibt Friederich.

Der Rhythmus ist genau in der Partitur festgelegt

Wie kommt es dazu, dass das SJSO das bekannte Werk für Stepptanz und Orchesterbegleitung mit dem Heidelberger nun aufführt? Dirigentin Carolin Nordmeyer kennt den Solisten seit einigen Jahren, hat mit ihm bereits zwei Mal das Stepptanz-Konzert aufgeführt, unter anderem im Münchner Herkulessaal mit dem Akademischen Sinfonieorchester. Nordmeyer erklärt: „Die rhythmische Komponente des Steppers, also das, was wir von ihm hören, ist in der Partitur genau festgelegt.“ Das Stück ist notiert wie eine Schlagzeugstimme, aber mit musikalisch-interpretatorischen Feinheiten. Der Rhythmus ist fast durchgehend festgelegt, die Kadenzen haben einen Improvisationsteil.

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Die Choreografie des Steppers sei dem Interpreten freigestellt, sagt Nordmeyer. Genauso wie ein instrumentales Solokonzert in den Tempi „spielbar“ sein muss, müsse es in diesem Fall „tanzbar“ sein. Die 43-Jährige, die das SJSO zum zweiten Mal leitet, habe bereits viel Ballett dirigiert, unter anderem in Augsburg „Romeo und Julia“. Das „Tanzbarmachen“ von Musik sei ihr vertraut.

Auf Kochtopftrommeln folgte das erste Drumset

Auch für David Friederich verändert sich die Herangehensweise an das Stück von Mal zu Mal. Bereits mit 15 Jahren, vermutlich als jüngster Interpret überhaupt, hatte der Stepptänzer das „Tap Dance Concerto“ aufgeführt; damals mit der Rheinischen Orchesterakademie Mainz. Das Orchester habe einen Tänzer für dieses Konzert gesucht und bei Sam Weber aus San Francisco angefragt, erzählt Friederich. „Weber ist einer der großartigsten Stepptänzer unserer Zeit – ein Ausnahmetalent.“ Dieser sei zu dieser Zeit allerdings nicht in Europa gewesen und habe Friederich als Solisten vorgeschlagen. Friederich und Weber kennen sich gut, der Heidelberger hatte mehrere Workshops beim Stepptanz-Meister besucht.

Die Liebe zum Steppen fand Friederich als Kind. Seine Eltern sind Berufsmusiker und spielen Holzblasinstrumente, doch für den damals Fünfjährigen zählte nur eins: Rhythmus. Nach dem sogenannten und bei Kindern geliebten Kochtopftrommeln folgten das Drumset und die Steppschuhe. „Wenn ich an die Schule zurückdenke, galt der Stepptanz nicht unbedingt als cool unter meinen Mitschülern.“ Doch er selbst und seine Freunde standen immer dahinter. Man müsse es sehen und erleben, sagt Friederich. Heutzutage fließe der Stepptanz, ursprünglich im Jazz entstanden, auch in modernen Musikformen mit ein.

Zum Schluss ein heißer Ritt

Auch wenn das Konzert heitere Aspekte hat, zählt es zur ernsten beziehungsweise ernst gemeinten Musik. Das „Tap Dance Concerto“ ist aufgebaut wie ein herkömmliches Solo-Konzert, 4-sätzig in der klassischen Kompositionsform. Der letzte Satz endet mit einem heißen Ritt, nachdem sich Solist und Orchester mit schnellen rhythmischen Einsätzen abwechselten. „Der Zuschauer darf sich auch mit den anderen beiden Stücken auf eine abwechslungsreiche und energiegeladene Darbietung freuen“, sagt Friederich. Vor seinem großen Auftritt spielt das Orchester in bester Big-Band-Manier Duke Ellingtons Tondichtung „The River“. Nach der Pause folgen die populären Sinfonischen Tänze von Sergej Rachmaninow.

Das Konzert des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters findet am Sonntag, 28. April um 19 Uhr im Kongress am Park in Augsburg statt. Es dirigiert Carolin Nordmeyer.

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