Kino

30.09.2019

Romeo und Julia auf deutsch-deutsch

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Auf Klassenfahrt in der DDR lernt Anna (Lea Freund) den rebellischen Pfarrerssohn Philipp (Tim Bülow) kennen.
Bild: Meike Birck/Kevin Lee Film

Die Berliner Mauer stellte manche Liebe auf eine harte Probe. Ein wahres Schicksal erzählt der Augsburger Regisseur Norbert Lechner in seinem Film „Zwischen uns die Mauer“.

Diese Geschichte ist kein Einzelfall: Ein Mädchen aus dem Westen verliebt sich auf Klassenfahrt in Berlin in einen Jungen aus der DDR. Ihre Sehnsucht ist stärker als die Mauer, die sie trennt. Die heimlichen Besuche der Westdeutschen bleiben der Stasi nicht lange verborgen – zumal ihr Freund abenteuerliche Fluchtpläne schmiedet, um die deutsch-deutsche Grenze zu überwinden. Der Augsburger Regisseur Norbert Lechner („Toni Goldwascher“, „Tom und Hacke“, „Ente gut! Mädchen allein zu Haus“) hat die wahre Geschichte einer jungen Liebe im geteilten Deutschland unter dem Titel „Zwischen uns die Mauer“ nun verfilmt. Am Sonntagabend stellte er seinen Streifen im Thalia Kino vor. Passend zum Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, läuft er dann in den Kinos an.

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„Jedes Mal haben wir geweint“

Für Lechner kommt damit sein lang gehegtes Herzensprojekt zu einem glücklichen Abschluss. Schon 2006 ist er auf den autobiografischen Roman „Zwischen uns die Mauer“ von Katja Hildebrand gestoßen und hat ein erstes Drehbuch geschrieben. Das wanderte jedoch erst mal in die Schublade, weil die Finanzierung nicht klappen wollte. Als später das ZDF als Partner eingestiegen ist, „hat das Projekt plötzlich an Fahrt gewonnen“, erzählt der Regisseur. Er schrieb eine zweite Fassung und fand in der 22-jährigen Lea Freund („Die Nachtschwestern“) eine Idealbesetzung für die Hauptrolle. „Sie ist eine echte Entdeckung“, begeistert sich Lechner über die junge Schauspielerin. Sie habe „sehr berührend“ gespielt, sodass ein sehr emotionaler Film herausgekommen ist. Berichtete doch auch die echte Katja: „Jedes Mal haben wir geweint, als wir uns wieder trennen mussten.“ Auch mit Tim Bülow („Unter dem Sand“) als ihrem Ostberliner Freund hat der Regisseur einen Glücksgriff getan.

Die Willkür des Stasi-Systems, das seit November 1989 zusammengebrochen ist, haben die jungen Schauspieler (zum Glück) nicht mehr erlebt. Für sie gibt es nur offene Grenzen. Anders für den 1961 geborenen Norbert Lechner, der selber noch am Übergang Friedrichstraße von West- und Ostberlin vor den kühl-bürokratischen DDR-Grenzern gezittert hat. Um das Feeling zu vermitteln, führte die Crew eindrucksvolle Gespräche mit Zeitzeugen. „Wir hörten, wie die Menschen unter diesem schlimmen System gelitten haben mit Berufsverboten und Bespitzelungen“, erzählt Lechner.

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Als „ein Dokument des Zynismus“ bezeichnet er das DDR-Handbuch, wie mit Grenzverletzern umzugehen ist. Sogar die Methode, möglichst ortsfremde Kräfte einzusetzen, hat er im Film berücksichtigt und suchte dafür Darsteller, die sächsisch sprechen.

Der Regisseur hat außerdem sehr gründlich die Schauplätze recherchiert. Was gar nicht einfach war. „Es gibt nur wenige Fotos und keine Pläne vom alten U-Bahn-Übergang Friedrichstraße. Die Stasi hat immer wieder umgebaut.“ Möglich detailgetreu wurde die Situation im Studio nachgebaut, sodass sich tatsächlich darin die Beklemmung einstellt. Für die Außenaufnahmen wurde Lechner in ehemals deutschen Städten in Polen fündig. „In Breslau und Liegnitz gibt es noch Straßenzüge, die so aussehen wie damals in Ostberlin. Wir fanden heraus, dass sie in der Gründerzeit von denselben Architekten gebaut wurden.“

Im Film heißt die Hauptdarstellerin Anna und steht kurz vor ihrem 17. Geburtstag. In Ostberlin lernt sie den rebellischen Pfarrerssohn Philipp (Tim Bülow) kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch nicht nur die deutsch-deutsche Grenze trennt sie. Auch Annas skeptische Eltern (Franziska Weisz, Fritz Karl) reagieren mit Verboten. Die Geschichte ähnelt der von Romeo und Julia: Anna sieht sich gezwungen, ihre Eltern zu belügen. Philipp muss erleben, wie Freundin Ina bei ihrem Fluchtversuch ums Leben kommt; als Mitwisser landet er im Gefängnis. Ist die Mauer letztlich mächtiger als die Gefühle der Liebenden? Nein, sie fällt, und eines Tages steht Philipp vor ihrer Tür …

In knapper Zeit ist dieser fast zwei Stunden lange Kinofilm entstanden. Gedreht wurde von Februar bis April, gleichzeitig erfolgte schon der Schnitt. Norbert Lechner wollte ihn unbedingt zum 30. Jahrestag der Maueröffnung herausbringen. Im ZDF wird „Zwischen uns die Mauer“ dann genau ein Jahr später im Oktober 2020 zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ausgestrahlt. Auf dem Fünfseen-Festival in Starnberg hat er schon mal langen Applaus erhalten und auch im Thalia war das Premierenpublikum hingerissen.

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