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CD-Veröffentlichung

08.11.2019

Ruth Maria Rossel mixt Cello mit Dancefloor

Ruth Maria Rossel geht neue musikalische Wege.
Bild: Agentur

Elektronische Beats umschmeicheln bei der Cellistin Ruth Maria Rossel das alte Holz.

Musikalische Scheuklappen sind in vielen Genres omnipräsent, dabei aber so nötig wie Schwimmflügel in der Sahara. Die klassisch ausgebildete Cellistin Ruth Maria Rossel weiß das und umarmt auf ihrem zweiten Soloalbum „Back 2 the Ruth“ (MusicJustMusic) die Elektronik – laut Albumuntertitel in Form von Elektropop und Dancefloor. An echte Strophe/Refrain-Popsongs darf man bei Rossels neuem Ansatz nicht denken. Ihr Dancefloor passt aber gut zu Tänzern, die ihre Energie mehr aus Espresso als aus Ecstasy ziehen.

Rossels Beats treiben zurückhaltend nach vorne und bieten ihrem Instrument eine große Spielwiese der Möglichkeiten. Das Cello ist ein spannendes, vielleicht sogar das ausdrucksstärkste Streichinstrument – gerade seine perkussiven Qualitäten ergänzen sich auf dem zentralen Song des Albums „My Magic Cello!“ wunderbar mit den clever arrangierten Beats. Überhaupt: Bei Rossels Eigenkompositionen eröffnet es einem nach mehrmaligem Hören, wie harmonisch der Schwermut des Cellos mit der Leichtigkeit des Rhythmus einhergehen (so zu hören bei „Love it“), und ihr melancholisches „Tocar Me“ vereint alle Facetten des Instruments. Die Saiten klagen mit traurigem Lächeln eine helle und klare Melodie, der Bogen sorgt für einen schwermütig-langsamen Bass und das Holz des Korpus für einen warmen analogen Rhythmus.

Wenn Musik in Einklang mit verschiedenen Genres ist

Bei ihren Interpretationen des Tango-Nuevo-Erfinders Astor Piazzola ist auch zu erkennen: Schickt man zwei Genres in den Hafen der Ehe, müssen sich beide aufeinander einlassen und den jeweiligen Geist der Musik in Einklang bringen. Gelingt das, wie beim Opener „Libertango“, bekommt die Sexyness des Tangos eine neue, dunkle Facette. Leben die beiden Welten jedoch nur nebeneinander her, schwebt auch mal eine klassische Melodie über einem Jacke-wie-Hose-Beat dahin in Richtung Beliebigkeit.

Trotzdem: Tango und Klassik, Pop (Ed Sheeran! Wham!) und Kaffeehauselektronik einander vorzustellen ist mutig, erfrischend, unterhaltsam, abwechslungsreich und, ja, tanzbar. Spannend wird zu beobachten und zu lauschen, wie das Album live umgesetzt wird: Rossel allein mit Cello und Loop Station. Überzeugen kann man sich davon beim Releasekonzert am 10. November um 19 Uhr im Abraxas. Und vielleicht wird zu diesem Anlass auch diese Frage beantwortet: Ist ihre zuckersüße Version von ‘Last Christmas’ wirklich ernst gemeint? Denn wenn ja, wäre das schon wieder cool.

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