05.09.2018

Schillernde Harmonien

„30 Minuten“ mit zwei Organisten

Sie lernen an der Regensburger Hochschule für Musik alles über die Königin der Instrumente, präsentierten aber in – ein bisschen mehr als den im Titel vorgegebenen – „30 Minuten“ in der Ulrichsbasilika die Orgel unter einem speziellen Aspekt, nämlich im romantisch geprägten Gewand. Doch vorher widmeten sich Marius Herb und Vinzenz Doering mit einem besonderen Werk der barocken Verkörperung dieser Kunst: Johann Sebastian Bach. Marius Herb, der 18-jährige „Shootingstar“ (wenn man ihn mal locker neudeutsch so apostrophieren darf) aus Hirblingen stellte eindrucksvoll Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur, BWV 564, in dem mächtigen Raum: Die straffen Linien der Toccata, mit dramatischem Absturz in Pedaltiefen, das feine Flair des von Bach unorthodox eingeschobenen Adagios und die klar konturierte vierstimmige Fuge mit dem lapidaren Schluss waren ein eindrucksvolles Statement.

Dann trat sein etwas älterer Kommilitone Vinzenz Doering auf den Plan. „Prélude, Fugue et Variations“ op. 18 des großen französisch-flämischen Romantikers César Franck (1822–1890) kam in all seinen ineinandergleitenden Stimmungen, über der doch deutlich immer wieder durchscheinenden klassischen Form, zur Geltung. Doering entfaltete dies überzeugend mit sensibel geschichteten Klängen und transparent-plastischer Liniengebung. Diesem Klangbild folgte adäquat die Choralbearbeitung über „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ des zeitgenössischen Orgelmeisters Flor Peeters (1903–1986). Der Verlauf dieser stets wechselnden und schimmernden Harmoniefolgen, die kaum an die tonalen Grenzen gehen, wurde prägnant demonstriert.

Zum Abschluss interpretierte Doering Mendelssohns Orgelsonate c-Moll, die zweite seiner sechs Werke dieses Stils. Sonate bedeutet hier nicht das klassische Schema der Sätze, vielmehr verwebt Mendelssohn im Improvisiergestus Fantasie, Choralanmutungen, Fugenverläufe und Lied-Ton. Das Werk erfreute mit edlen pastosen Farbnuancen.

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