Urban Sketchers

25.01.2019

Sie setzen Augsburg in Szene

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Urban Sketchers halten Momente und Augenblicke in Zeichnungen fest. Dieses Bild hat Claudia Hillebrand-Brem gezeichnet, als die anderen anwesend waren.
Bild: Claudia Hillebrand-Brem

Die Urban Sketchers halten Alltagssituationen fest. Ihre Momentaufnahmen zeigen sie derzeit im Architekturmuseum und fiebern auf ein großes Treffen hin.

Schneeflocken wirbeln durch das Thelottviertel und bleiben auf Bäumen, Sträuchern und Häusern liegen. Ein schöner Zeitpunkt für einen Spaziergang, jedoch der falsche Moment, um mit Zeichenblock und tragbarem Malhocker durch das Viertel zu streifen und Alltagsszenen einzufangen. Genau das wollen Urban Sketchers aber machen, eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die an den Orten, an denen sie leben oder zu denen sie reisen, ihren Alltag zu Papier bringen. Ihr Motto: „Wir zeigen die Welt. Zeichnung für Zeichnung.“ Der Gründer dieser Bewegung, Journalist und Illustrator Gabriel Campanario, stammt aus dem amerikanischen Seattle. Ab 2007 verbreitete er seine Zeichnungen auf der Online-Fotoplattform Flickr. Weltweit schlossen sich ihm passionierte Zeichner an – ob professionell oder Freizeitkünstler.

Im Architekturmuseum Schwaben, wo derzeit Architekturzeichnungen von zeitgenössischen Architekten und Künstlern als auch von Urban Sketchern gezeigt werden, haben sich am Sonntag über ein Dutzend Zeichner versammelt. Gerne wären sie durch das Viertel gestreift. Weil das Wetter nicht mitspielt, sitzen und stehen sie im Museum, konzentriert blicken sie immer wieder um sich und halten schließlich Momente von dort fest. Claudia Hillebrand-Brem ist eine von ihnen. Mit schnellen Strichen zeichnet sie einen Raum und koloriert die Zeichnung mit Aquarellfarben nach. Das ist ihr Stil. Jeder hat einen anderen. Alles ist erlaubt und jeder ist willkommen. So lässt sich die zwanglose Gemeinschaft definieren, die sich in Augsburg seit dem Jahr 2013 regelmäßig trifft.

Sie treffen sich an unterschiedlichen Orten

Die Volkshochschuldozentin Claudia Hillebrand-Brem bietet seit dieser Zeit Kurse in Augsburg an. Mit ihren Teilnehmern zieht sie durch die Stadt, besucht auch einmal ein Geschäft wie etwa den Hutsalon am Dom. Motive lassen sich immer finden. Ob ein Straßenzug, Rückleuchten von Autos in einem Stau, eine Zeitaufnahme am Königsplatz, am Textilmuseum oder auf dem Gaswerkareal, Blumen am Straßenrand, Mülltonnen vor der Haustür. „Für mich sind diese Skizzen wie eine Zeitkapsel. Wenn ich meinen Block öffne, kann ich mich sofort in die Situation zurückversetzen, in der die Zeichnung entstanden ist“, erzählt sie.

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Neben ihren VHS-Kursen engagiert sie sich auch im Organisationsteam der lokalen Gruppe, den Augsburger Urban Sketchers. Sie treffen sich seit 2013 jeden dritten Sonntag – immer an einem anderen Ort: mal auf dem Christkindlesmarkt, mal im Mazdamuseum am Senkelbach, mal an der Jakober Kirche oder am Straßenklavier auf dem Elias-Holl-Platz, das die Urban Sketchers selber gestalteten. Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen einer Handvoll und etwa 20. „Je nachdem wie attraktiv das Ziel ist.“ Ihr Tun basiert auf einem Manifest. So zeichnen sie immer vor Ort und nie von einem Foto ab. Ihre Werke veröffentlichen sie im Internet. Außerdem unterstützen sie einander. „Zu uns kommen alle Altersklassen, vom Schüler bis zum 80-Jährigen. Jeder hat andere Vorkenntnisse“, erklärt Hillebrand-Brem. Wer eine Frage hat, dem wird geholfen.

Drei Sketcher aus München sind an diesem Sonntag nach Augsburg gefahren. Martin Fritz ist einer von ihnen, der den vergleichsweise kleinen Kreis von Teilnehmern schätzt. In München sind bis zu 140 Zeichner unterwegs, da bleibt im Anschluss keine Möglichkeit mehr für einen gemeinsamen Kaffee. „Wenn ich in den Urlaub nach Italien fahre, kontaktiere ich die lokale Gruppe von Urban Sketchern und gehe mit ihnen zeichnen. So erschließt sich mir ein Ort anders.“ Gleichgesinnte Zeichner gibt es auf der ganzen Welt. Von Freitag, 30. August, bis Sonntag, 1. September, trifft sich die deutsche Community der Urban Sketchers in Augsburg. Nach München, Eutin und Hamburg findet das Deutschlandtreffen hier statt. Die Plätze werden auf 120 limitiert sein. Am Sonntag, 1. September, werden die Augsburger Momentaufnahmen im Rathaus ausgestellt. Nur wenige Stunden, weil jeder Sketcher seinen Zeichenblock wieder mit nach Hause nimmt.

„Architektur Zeichnen“ ist im Architekturmuseum Schwaben noch bis zum 17. Februar zu sehen. Infos zu den Augsburger Sketchern finden Interessierte unter urbansketcheraugsburg.blogspot.com.

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