Porträt

25.09.2018

Sie träumt vom großen Kino

Die 22-jährige Andreea Boyer ist Regisseurin, Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin. Hier eine Szene ihres ersten Films „Julia 17“, für den sie auch den österreichischen Aktionskünstler Wolfgang Flatz gewinnen konnte. <b>Foto: mabigmovies</b>
Bild: mabigmovies

Andreea Boyer ist erst 22. Mit einem Spielfilm gewann sie internationale Festivalpreise. Die Wahl-Augsburgerin, die es in der Kindheit schwer hatte, will es Hollywood beweisen

Erstaunliches hat sie in ihrem 22 Jahre jungen Leben schon hervorgebracht. Andreea Boyer gewann internationale Preise mit ihrem Spielfilm „Julia 17“ in Kalifornien und Kanada. Sie publizierte bereits vier Gedichtbände, zuletzt 2018 „Star“ und „Humanoid or Human?“. Außerdem besuchte sie die Schauspielschule von Jack Garfein in Paris, der schon James Dean, Marilyn Monroe und Elizabeth Tayler gecoacht hat, und die Royal School of Speech and Drama in London. Sie arbeitete in Los Angeles und interviewte DFB-Manager Oliver Bierhoff und Nationaltrainer Jogi Löw im deutschen Fußball-WM-Lager Campo Bahia in Brasilien. Komponist William Goldstein schrieb für sie den Song „Andreea’s Three Notes“.

Über all dem ist die Augsburgerin mit Wurzeln in Rumänien – am 16. Oktober 1995 in Transsylvanien neben dem Dracula-Schloss in den Karpaten geboren – erfrischend natürlich geblieben. Unterhält man sich mit der schlanken jungen Dame, erscheint ihr kosmopolitisches Schaffen das Selbstverständlichste der Welt zu sein. Wahrscheinlich, weil Andreea Boyer so unerschrocken ist. Ihr Spielfilm „Julia 17“ verstört mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen. Das totale Gefühlschaos wird deutlich: der Ekel vor dem eigenen Körper, der Hass auf die, die sie nicht beschützten, das Misstrauen gegenüber neuen Beziehungen. Andreea selbst spielt mit größtem Körpereinsatz an der Seite des österreichischen Aktionskünstlers Wolfgang Flatz, der ihren übergriffigen Vater gibt. Eine harte Szene: „Er hat mir, der jungen Regisseurin, total vertraut.“ Früher als die „Me too“-Bewegung habe ihr Film das Thema des Missbrauchs in der Branche aufgegriffen, erklärt Andreea selbstbewusst. „Ich habe gelernt, nicht zu funktionieren, wie andere wollen, sondern mich auf mich selber zu stellen.“

Dabei war es in ihren ersten Lebensjahren überhaupt nicht sicher, ob sie infolge einer Geburtskomplikation je würde laufen können. Strenge Disziplin wurde ihr abverlangt, sie durfte nicht mit den anderen Kindern spielen – „von daher entwickelte sich in mir eine Distanz, alle zu beobachten“. Und weil ihre Mutter Schriftstellerin war, riet sie ihrer Tochter, sie solle auch schreiben, wenn sie sich einsam fühlte. Schließlich durfte Andreea doch eine Gymnastikschule besuchen, begeisterte sich am Theaterspielen und Tanzen. „Das war die Welt, in der ich mich wohlfühlte“, blickt sie zurück. Weil sie vor Fernsehkameras spielte, kam auch der Film in ihr junges Leben.

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Allerdings gehörten ebenso häufige Ortswechsel dazu. Der entscheidendste war die Übersiedelung nach Deutschland mit acht Jahren. Wieder spürte sie Einsamkeit, zumal sie nun Rückenschmerzen plagten und mehrere Jahre lang in Behandlung zwangen. „Ich fühlte mich wie ein ärztliches Experiment. Ich musste stark bleiben und schauspielern. Ich war immer in einer Rolle drin und gab mir neue Namen.“ Sie machte das Beste daraus. Weil sie sich ständig auf neue Menschen einstellen musste, habe sie „ein Gespür dafür entwickelt, wie sie ticken – einen sechsten Sinn“. Mit 13 schrieb Andreea ihr erstes Drehbuch – eine Geschichte aus der Gothic-Szene – und begann zu dichten. Ein Film-Equipment kam ins Haus und Andreea drehte die ersten Kurzfilme. „Ich hatte einen Traum, großes Kino zu drehen.“ James Cameron („Titanic“) war ihr Idol und Inspiration.

Nach allen Regeln der Kunst produzierte sie schließlich den Spielfilm „Julia 17“. Sie war Regisseurin, Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin in einer Person. Sie drehte auf Englisch in den USA, aber die männerdominierte Branche in Los Angeles machte es ihr nicht leicht, als junge Frau dort Fuß zu fassen. Doch Andreea Boyer will sich nicht unterkriegen lassen. „Ich werd’s euch beweisen!“, schwört sie.

Sie hat bereits ein dichtes Netz an Beziehungen aufgebaut. Als Operator mit dem Filmemacher Ulli Lommel kam sie 2016 ins brasilianische WM-Lager Campo Bahia. Unermüdlich habe sie den Aufbau des Lagers dokumentiert – und dann kamen Joachim Löw und Oliver Bierhoff. Sie vertraut außerdem auf ihre Erfolge bei internationalen Filmfestivals. Immerhin arbeite die Accolade Global Film Competition in Kalifornien mit der Oscar-Academy zusammen. Ihr „Julia 17“ wird in vielen Ländern auf Amazon Prime, Prime Video und iTunes vertrieben. Jüngst hat Andreea noch eine Ernennung erreicht. Eine kanadische Organisation, die für das Sichtbar-Machen von Minderheiten eintritt, ernannte sie zu ihrer europäischen Botschafterin für Kinder und Jugendliche.

Weiteres zu Andreea Boyer unter http://mabigmovies.com sowie auf de-de.facebook.com/Andreea-Boyer

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