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Staatstheater Augsburg

12.01.2019

So abwechslungsreich und unterhaltsam war die Ballettgala

Das berühmte Fußtheater von Anne Klinge.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Plus Drei Stunden begeistern internationale Solisten und die Compagnie des Staatstheaters Augsburg bei der Ballettgala mit hochklassigem Tanz.

Ob Füße sprechen können, diese Frage von Augsburgs Ballettchef Ricardo Fernando konnte am Freitag abend im Martinipark nur rhetorisch sein. Denn Antworten gab es darauf in der rund drei Stunden dauernden Internationalen Ballettgala am laufenden Band – von Solisten aus Stuttgart und München, aus Spanien, der Slowakei, Flandern, Frankreich und Italien, und von den Tänzerinnen und Tänzern des Ballett Augsburg – am offensichtlichsten aber wohl in Anne Klinges Fußtheater. Auf dem Rücken liegend erzählte sie mit ihren nackten Fußsohlen und Requisiten wie Plastik-Nasen und Haarteilen die Geschichte vom „Fußmord“, in dem sich ein Mann und eine Frau ein amüsantes Duell liefern. 40 Millionen mal wurde das Video im Internet geklickt, auf der ganzen Welt ist sie damit zu Gast und auch im Martinipark lag ihr damit das Publikum zu Füßen.

Tanz im strengen Sinne war dies natürlich nicht, aber dennoch eine Aufführung, die sich bestens in den Reigen tänzerischer Darbietungen fügte und Niveau und Bandbreite dieser Gala unterstrich. Selbst der offenbar unvermeidliche Gala-Klassiker, der Pas de Deux aus „Don Quichotte“ wurde mit dem spanischen Jungstar Angel Garcia Molinero und seiner Partnerin Haruhi Otani zu einem Bravourstück, das man in dieser Brillanz noch nie gesehen zu haben glaubte. Nicht nur die Klassik-Fans unter den Zuschauern jubelten hier ebenso wie bei den Pas de Deux aus „Le Corsaire“ und „Dornröschen“, mit denen Natalya Kusch und Ivan Putrov ihre Virtuosität zeigten.

Natalya Kusch, Solistin des Slowakischen Balletts, tanzt Dornröschen.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Mario Goecke verarbeitet eigene künstlerische Erweckung

Insgesamt aber dominierten in der diesjährigen Gala Neoklassik und Modern. Das gab dem am Freitag und Samstag restlos ausverkauften Abend Vielseitigkeit, demonstrierte dies doch, in welch unterschiedlichen Farben der zeitgenössische Tanz leuchtet. Mit Choreografien der beiden Erneuerer des neoklassischen Balletts William Forsythe und Sidi Larbi Cherkaoui, in bewundernswerter Präzision getanzt von Aki Saito und Mikio Kato vom Flandern Ballett, und einem Stück von Richard Siegal, mit dem sich der Nachwuchs des Bayerischen Junior Balletts vorstellte, waren Werke bedeutender Gegenwarts-Choreografen zu sehen.

Zu denen zählt auch Mario Goecke, einst Hauschoreograf am Stuttgarter Ballett und nun Direktor in Hannover. In „Infant Spirit“ verarbeitet Goecke in den für ihn charakteristischen ruckartigen Bewegungen, den flatternden Händen, den zuckenden Beinen und Armen, die eigene künstlerische Erweckung. Beeindruckend spürte dies Rosario Guerras, Tänzer bei Gauthier Dance in Stuttgart, nach: von den ersten zaghaften Bewegungen, in denen Arme und Beine noch nicht zusammenpassen wollen bis hin zu dem Moment, in dem er sich als Ausdruck seiner Künstlerpersönlichkeit eine Blume ans Revers heftet und „Beautiful“ ins Mikrofon haucht.

Der Humor, der hier nur aufblitzt, bricht dagegen durch in Kevin Coquelards „Le Somnambule“. Der Franzose gewann mit diesem umwerfend komischen Stück beim Solo-Tanz-Theater-Festival in Stuttgart zwei Preise. Zu Klassik-Hits wie Chatschaturjans „Säbeltanz“ oder Offenbachs „Can Can“ tänzelte er scheinbar linkisch über die ganze Bühne, verdrehte Augen und Gliedmaßen in artistischer Weise und fand mit schlafwandlerischer Sicherheit auch aus extremsten Schieflagen immer wieder die Balance. Da tanzten sogar die Augendeckel im Takt zum mächtigen Trommelwirbel von „Also sprach Zarathustra“. Wie recht hatte Ricardo Fernando als er das Stück in Stuttgart sah und sofort dachte: „Dieses Solo muss in die Gala“.

Ballett Augsburg mit Auszügen aus "Vier Jahreszeiten"

Experimentelles Bewegungsvokabular präsentierte im Kontrast dazu die italienische Truppe Spellbound Contemporary Ballet, die mit einer Tänzerin und zwei Tänzern angereist war. Faszinierend, wie sich deren Körper zu immer neuen Gebilden formten, in denen Arme und Beine nicht mehr zuzuordnen waren, um sich dann in expressiven Soli aufzulösen.

Das Spellbound Contemporary Ballet aus Italien bei der Internationalen Ballettgala des Staatstheaters Augsburg.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Mit der Vielseitigkeit der Gäste konnte auch das Ballett Augsburg bestens Schritt halten. Die Augsburger Tänzerinnen und Tänzer beglückten ihr Publikum mit Auszügen aus der laufenden Produktion „Vier Jahreszeiten“ und gaben Einblicke in Kommendes. Mit großer Bühnenpräsenz glänzten dabei die beiden Neulinge im Ensemble Samuel Maxted und Gustavo Barros. Besonders neugierig machte ein Pas de Deux aus „Yidam“ von Ihsan Rustem , den Eunji Yang und Lucas da Silva interpretierten. Fließende Bewegungen und aufregende Wechsel zwischen kontemplativen und schnellen Phasen charakterisieren den Tanzstil des Engländers. Das ganze Stück wird demnächst in dem Ballettabend „Missing Link“ zu sehen sein. Mit einem Auszug aus Antonio Vivaldis musikalischem „Winter“ entließ das Ensemble die Zuschauer, in den realen Augsburger Winter. Die ließen am Ende in begeistertem Getrampel und Applaus Füße und Hände sprechen.

Eunji Yang und Lucas Axel Da Silva vom Ballett Augsburg mit einem Pas de Deux aus Yidam von Ihsan Rustem.
Bild: Jan-Pieter Fuhr
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