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Maximilianmuseum

15.01.2021

So machte der Fugger-Buchhalter eine gute Figur

So kleidete sich Matthäus Schwarz stilsicher im 16. Jahrhundert: als Junker fürs Ausgehen (1526) sowie in Rot für die Hochzeit Anton Fuggers (1527).
Bild: Claus Cordes

Plus Seit Dezember hätte die Schau „Dressed for Success“ über Mode des 16. Jahrhunderts laufen sollen. Sind die Leihgaben noch da, wenn der Lockdown verlängert wird?

Aufgebaut ist diese Ausstellung seit Wochen. Nur besucht werden kann sie derzeit nicht im Maximilianmuseum: „Dressed for Success. Matthäus Schwarz. Ein Augsburger Modetagebuch des 16. Jahrhunderts“. Im Zentrum stehen dabei zwei „klaidungsbuechlin“ – und damit auch der Stolz, das Selbstbewusstsein und die Selbstbetrachtung von Matthäus Schwarz, dem Augsburger Buchhalter von Jakob Fugger dem Reichen, und von seinem Sohn Veit Konrad. Im Kleinformat haben sie ein Tage- und Bilderbuch der von ihnen getragenen Gewänder geführt, Matthäus Schwarz über 40 Jahre hinweg, sein Sohn Veit Konrad aber nur für drei Monate.

Entstanden ist Matthäus Schwarz’ „klaidungsbuechlin“ ab 1520 natürlich in Augsburg – also vor 500 Jahren –, aber sein Besitzer heute ist das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig, das es zusammen mit dem Kurzzeit-Modebuch Veit Konrads nach einer ähnlichen Ausstellung dort unter gleichem Titel jetzt großzügig nach Augsburg verliehen hat. Angekündigt vorab war: Augsburg und das Maximilianmuseum werden der letzte Leihnehmer sein können; aus konservatorischen Gründen sollen die zwei Büchlein danach nicht mehr außer Haus gehen. Nicht einmal das Kunsthistorische Museum in Wien, das auch Interesse zeigte, wird zum Zuge kommen.

Die Leihgeber sind bereit, ein paar Monate zu verlängern

So schildert es Christoph Emmendörfer von den Städtischen Kunstsammlungen, der durchaus ein wenig zu bangen hat um diese von ihm kuratierte Ausstellung. Bis Ende Februar ist die Laufzeit von „Dressed for Success“ offiziell anberaumt; was aber geschieht mit ihr, wenn Ministerpräsident Söders Vorstoß für eine abermalige Verlängerung des harten Lockdowns tatsächlich auch durchgeführt wird? Es könnte sein, dass das Lockdown-Ende dann mit dem offiziellen Ausstellungsschluss zusammenfällt.

Ein Miniatur-"Klaidungsbuechlin" aus dem Ulrich-Museum Braunschweig.
Bild: Claus Cordes

Das aber wäre noch nicht der schlimmste Fall, denn Emmendörfer, der 1996 über den Lübecker Renaissance-Maler Hans Kemmer promovierte, erklärt gegenüber unserer Redaktion auch, dass sämtliche Leihgeber für den Fall eines längeren Lockdowns bereits angefragt worden seien, ob sie ihre Leihgaben auch länger dem Maximilianmuseum zur Verfügung stellen würden. Emmendörfer: „Man fährt auf Sicht. Aber grundsätzlich sind etwa 90 Prozent der Leihgeber bereit, ein gehöriges Stück Zeit dranhängen zu wollen – im Optimalfall noch einmal drei Monate.“ Auch sei ja andersherum Braunschweig bei seiner Ausstellung großzügig mit Leihgaben aus Augsburg bestückt gewesen.

Auch in der geschlossenen Ausstellung wird täglich kontrolliert

Freilich sei da auch noch eine andere zu nehmende Hürde: die Kosten der Versicherung für den Millionenwert der Schau. Zurzeit findet ein täglicher Kontrollgang durch die ansonsten natürlich dunklen Ausstellungsräume statt, bei dem auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit überprüft werden. Und natürlich sind auch die beiden „klaidungsbuechlin“ aus konservatorischen Gründen nicht aufgeschlagen, sondern geschlossen. In ihnen, so Emmendörfer, sei dokumentiert, dass Vater und Sohn Schwarz durch „beste Stoffe und ausgefallene Schnitte Staat machen wollten“.

Selbstverständlich zeigt die Ausstellung – wenn sie denn endlich öffnen kann – nicht nur die beiden Handbücher, sondern darüber hinaus auch Gemälde (etwa von Holbein d. Ä. und Christoph Amberger), zwei kolorierte Zeichnungen Albrecht Dürers aus der Albertina Wien, dazu Druckgrafik von u. a. Dürer und Hans Burgkmair, Bildnismedaillen, Skulpturen, Waffen und Rüstungen, wissenschaftliches und musikalisches Gerät, Kleidung, Haushaltsgegenstände sowie viele weitere Dokumente zum kulturgeschichtlichen Hintergrund des 16. Jahrhunderts.

Die Kunstsammlungen haben die Ausstellung multimedial in Video, Ton und Schrift/Bild aufbereitet. Zu besichtigen unter www.Kmaugsburg.de/dressed

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